schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

In Schrift gestelltes

Strafbefehl, München, 15.12.2034

Sehr geehrte Frau Schwedenlady,

Sie haben am Samstag, dem 18. November 2034
bei Edeka-Reve-Future-is-U,
Wotanstraße 40
80639 München
die folgenden Produkte erworben:
3 kg Mehl,
3 Tabletten Safran,
1 Päckchen Kardamom,
1 Dose Zimtpulver
1 Pack Vanillezucker
2 Päckchen gemahlene Mandeln
1 Pack Backpulver
Und zwei Würfel Hefe.

Darüber hinaus kauften Sie 1 kg Zucker, eine 10er-Schachtel Eier sowie zwei Päckchen Butter je 500 g mehr als sonst üblich.

Da es kein Bargeld mehr gibt, wurden Sie eindeutig anhand ihrer Cashcard als Käuferin identifiziert.

Die Künstliche Intelligenzsoftware "Shoppinghelper 2500" wertet diesen Einkauf  als Rohwaren für Weihnachtsgebäck.
Ein Irrtum der Software "Shoppinghelper 2500" ist ausgeschlossen. Algorithmisch ist ein Irrtum nicht möglich.

Da es seit zwei Jahren verboten ist, Dinge mit religiösem Bezug herzustellen und zu verteilen, haben Sie sich zweifelsfrei der Weihnachtsbäckerei schuldig gemacht.
Selbst, wenn Sie diese Waren für Dritte besorgt haben, ist dies verboten und Sie werden strafrechtlich belangt.

Bitte überweisen Sie auf das Konto ihres für Sie zuständigen Bürgeraufsichtsbüros 6.000,-- Euro.
IBAN: Desgibtsdochned12345678900987654321

Gerne können Sie allerdings auch stattdessen eine dem Wert dieses Betrages entsprechende Charakterbildungsmaßnahme in einer unserer Persönlichkeitsumstrukturierungs- und Resozialisierungseinrichtungen
antreten.
In Anbetracht Ihres bisherigen vorbildlichen Betragens und da Sie ein Mensch mit Behinderung sind (Licht unabhängig lebende Person) dürfen Sie zwischen den vier Einrichtungen in München wählen. Ansonsten wäre die Wahl nicht frei und Sie würden einer Persönlichkeitsumstrukturierungs- und Resozialisierungseinrichtung im Bundesgebiet zugewiesen werden.

6.000,-- Euro entsprechen aufgrund Ihrer finanziellen Situation 40 Tagen Persönlichkeitsumstrukturierung zu einem Tagessatz von 150 Euro.

Sie haben acht Tage Zeit, sich zu entscheiden und bis spätestens 22. Dezember zu bezahlen, oder die Persönlichkeitsumstrukturierungsmaßnahme anzutreten.
Sollten Sie sich bis zum 22. Dezember 2034 nicht ordnungsgemäß melden, werden Sie an Hand Ihres implantierten Identify-Chips aufgefunden und in eine der Persönlichkeitsumstrukturierungs- und Resozialisierungseinrichtungen verbracht.

Wir weisen Sie in diesem Zusammenhang darauf hin, dass christliche schriftliche und mündliche Äußerungen sowie Musikproduktionen zum nichtgewerblichen Vertrieb (als Geschenk) durch Sie zu unterbleiben haben.
Diese sind ab dem 1. Januar 2035 strafbar und werden entsprechend geahndet.

Da zweifelsfrei Ihr Einkauf der Weihnachtsgebäckrohwaren nachgewiesen ist, besteht keine Möglichkeit eines Widerspruchs gegen diesen digitalen Bescheid.

Mit freundlichen Grüßen

G. Schaftlhuber

Bürgeraufsichtsbüro Bayern

1 Kommentar 15.12.17 05:36, kommentieren

Die Sonne sang

In der ZDF-Sendung „Quiz Champion“ kam die Rede auf die Fernsehserie „Bonanza“. Bastian Pastewka stimmte die Melodie an:
„Der Tag war lang, die Sonne sank, Bonanza.“ Das „k“ klang aber wie ein „G“. Und ich bekam ob der singenden Sonne einen Lachanfall. Dortmund hatte an diesem Tag 4 zu 0 im Revierderby nach 30 Minuten geführt. Schalke glich das dann in der 2. Halbzeit aus.
Der flauschigste Ehemann konstatierte:
„Da hat die Sonne dann schon nicht mehr gesungen.“
Ich überlegte:
„Nun weiß ich auch, warum die Schweden an Lucia immer singen. Am 13. Dezember ist es in Kiruna ganz dunkel, da singt die Sonne nicht. Weil es so ruhig ist, singen dann die Schweden.“
Und so ging es weiter. Wir sind nur im Pool, wenn die Sonne singt. Filme mit Altersfreigabe ab 16, für die wir „zu jung“ sind, werden nur ausgestrahlt, wenn die Sonne nicht mehr singt. Und wir überlegten, wie die Sonne wohl klingt. Sie produziert ja schon Helium, also klingt sie höher als früher. Da sie noch kein Roter Riese ist und das Heliumbrennen noch nicht begonnen hat, klingt sie aber noch nicht wie die Micky Maus.
Der flauschigste Ehemann sagte: „Ein Roter Riese“ und im Falsett „mit einer ganz hohen Stimme. Das ist lustig.“

Ich wurde neugierig und suchte das Lied.

Ralf Paulsen, Bonanza, YouTube, hier klicken. Da wurde aber etwas anderes gesungen. Nicht, „der Tag war lang, die Sonne sank“.
Bonanza Songtext von Ralf paulsen, hier klicken. Sondern: „Der Tag war lang, bis man uns bezwang.“
später heißt es aber: „Der Abend winkt, die Sonne sinkt“.
Für mich sang und singt die Sonne.
Wie soll sie auch gleichzeitig scheinen und singen. Also, „der Abend winkt, die Sonne singt“.
Wahrscheinlich können deshalb viele Leute in der Nacht nicht schlafen, weil sie die Sonne singen hören.

Für mich ist der Text
„Der Tag war lang, die Sonne sang“ und
„Der Abend winkt, die Sonne singt“
jetzt einfach intern festgeklopft.
Außerdem muss die Sonne zwischen Tag und Abend eine Singpause machen und etwas trinken. Deshalb versinkt sie auch im Meer.
Also, für mich scheint und singt sie gleichzeitig, macht dann eine Gesangspause und dann geht es weiter.

was singt die Sonne? Da muss man Herrn Paulsen nur zuhören:
Der Abend winkt, die Sonne singt: „Bonanza!“

Ist es bewölkt, zieht sie den Vorhang zu und schont ihre Stimme.
 
Hier ist etwas geboren, was den Blödsinnsfaktor anregt und den Quatsch quätscher macht, bis er quietscht. Das tut er mit der singenden Sonne um die Wette.

26.11.17 12:17, kommentieren

Brief von Kai

Hallo,

liebe Leserin, lieber Leser, darf ich mich Dir vorstellen?
Ich bin Kai, der Kanarienvogel. Anfang Juli wurde ich in einer Wiese im hohen Gras ausgesetzt. Zusammen mit einem Wellensittich in einem ganz winzigen Haus, ohne Sitzmöglichkeit. Das Haus war halb so groß wie ein Ausstellungskäfig, sagte die Frau von dort, wo ganz viele ausgesetzte und gefundene Tiere aufgenommen werden.
Am Anfang hat es den ganzen Tag geregnet. Das Haus stand im Wasser und war unten voll gelaufen, wir konnten nirgendwo hin, der Wellensittich und ich.
Am nächsten Tag knallte die Sonne herunter und es waren dreißig grad C. draußen. Ein vierbeiniges, bellendes Tier hat uns entdeckt und so lange gebellt, bis Menschen kamen.

Die haben uns dann ins Tierheim gebracht. Wir waren fix und fertig.
Kurz danach hat eine Frau das Tierheim angeschrieben, deren Vogel weggeflogen war. Sie fragte, ob er gefunden wäre und man solle ihr Nachricht geben. Nein, ihr Vogel war nicht gefunden, aber ich.
Mein Wellensittichfreund hat im Tierheim gleich Anschluss zu einem anderen Wellensittich gefunden. Die beiden werden mitgenommen, wenn ich auch eine Wohnstatt habe.
Jetzt hatte aber die Frau mit dem weggeflogenen Vogel keinen Vogelpalast. Den alten Palast hatte sie weggeräumt, weil der nicht mehr schön war und eine Türe nicht mehr schloss. Deshalb war ja auch ihr Vogel weggeflogen. In einem normal großen  Vogelhaus wollte sie mich nicht haben. Da würde ich nur hin und her hüpfen, regelmäßig, wie eine tickende Uhr. Das sei nicht gut für mich und für sie auch nicht.

Jetzt kam endlich der große Palast, aber, dann war noch eine Hochzeit in H. und sie wollte mich erst haben, wenn sie wieder hier sei, um mich zu beobachten. Als ob ich das bräuchte.
Mich wollte wirklich keiner haben. Die Frau zuerst auch nicht. Sie wollte Timbrados. Aber, ich tat ihr so leid, so unendlich leid. Jetzt hat sie für September ausgemacht, dass Timbrados doch kommen. Sie sagt, das sind Leute wie ich. Sie haben den Naturgesang von uns und werden erst seit den 1940ern in Spanien gezüchtet. Die sollen richtig schön singen. Wenn Harzer Roller die Bässe unter uns sind, seien Timbrados die Tenöre. Wer züchtet schon das, was vor der Haustüre ist? In Deutschland gibt es 50 Menschen, die Leute von uns züchten. Zu einem hat sie Kontakt. Wenn er aus dem Urlaub kommt, bringt sie Gesellschaft für mich mit.

Der Tierarzt sagt, ich sei ein Männchen. Im Tierheim war allerdings unten in dem großen Zimmer ein Kaninchen. Dem habe ich Fell wegnehmen wollen. Dann bin ich ein Weibchen, sagt die langhaarige Frau, weil ich ein Nest bauen möchte. Es können aber auch die Wellensittiche gewesen sein, die dem Kaninchen Fell wegnehmen wollten, meinte die Frau vom Tierheim. Ob ich die Kugeln, die das Kaninchen hinterlässt angepickt hätte, fragte die langhaarige. Die Dame vom Tierheim sagt, nein. Ich sage gar nichts. Das bleibt mein Geheimnis.

Jedenfalls hat sich die Langhaarige Sorgen gemacht, weil ich am ersten Abend, es war Dienstag, 15. August 2017,  nichts gegessen habe. Sie hat überlegt und mir dann so eine Stange reingehängt. Mit herrlich gutem Futter. Sie vermutet, das kenne ich von Früher her. Sie kauft diese Voll-Ei-Kräcker nur ganz selten, weil sie nicht gesund sind, sagt die Langfedrige. Was weiß die schon.
Vor dem neuen Palast, den ich habe, erschien, kaum war ich drinnen,   ein freundlicher Mann mit schöner Stimme, der lachte mich an und sprach mit mir. Ich schaute beide mit kugelrunden Augen an. Er nannte mich Kai und gab mir so meinen neuen Namen. Der Name sei für Männer und Frauen gleichermaßen, informierte der nette Mann mich. Ich mag diesen Namen.
Die beiden nehmen sich immer in die Flügel und schnäbeln. Sie mögen mich. Ich glaube, hier kann ich bleiben.
Sie sagen beide:
„Herzlich Willkommen! Du  musst nie mehr ausziehen und darfst hier alt werden.“ Wie alt ich eigentlich bin, verrate ich nicht.

Ich lebe mich langsam ein und muss auch wieder weiter fliegen.

Einen schönen Tag noch,

es grüßt fedrig,

Kai

 

1 Kommentar 22.9.17 04:54, kommentieren

Alltagsgegenstände

Es gibt kleine Alltagsgegenstände, da muss ich überlegen wie diese wirklich heißen.
Nehmen wir den Pümpel. Mit dem kann man verstopfte Abflussrohre reinigen. In Wirklichkeit heißt dieses Gerät Saugglocke.
Dann nehmen wir den Pfannenwender. Ich kannte den zuerst unter dem Begriff „Pfannendreher“. Obwohl man damit nicht die Pfanne wendet oder dreht, sondern deren Inhalt.
Für Menschen mit deutsch als Fremdsprache ist das bestimmt schwierig.
Der Regenschutz schützt vor dem Regen,
der Verbraucherschutz und der Umweltschutz ...
Jedenfalls muss ein Pfannenwender stabil sein, dann beschwert sich kein Verbraucherschutz beim Hersteller und der Pfannendreher ist ein echter Freund.
Ein Küchenfreund. Diesen Begriff kenne ich auch dafür.
Beim „Pümpel“ stößt man in der Suchmaschine gleich beim ersten Treffer auf das gewünschte Helferlein. Beim „Küchenfreund“ erst nach zwei Kochvereinen.

 

Und wie komme ich jetzt darauf?
Weil ich letzte Woche etwas gesucht habe. Ich habe es nicht gefunden. Unser Gartentisch hat nach unten hin eine breite Leiste am Rand. Tischklammern halten da oft nicht. Eigentlich sollten sie Tischdeckenklammern heißen. Gut, aber, auf Verdacht kann ich sie so oder so nicht online bestellen.
„Da gibt es so Dinger, die hängt man an die Ecken der Tischdecke, die gibt es beim Dänischen Bettenlager.“ Sagten mehrere – und drückten sich um die korrekte Bezeichnung. Sehen, hin greifen, mitnehmen. So funktioniert das. Dabei ist es egal, wie diese „Dinger“ heißen.
Ich fand sie jedenfalls nicht. Ich gab alles Mögliche in die Suchmaschine ein.
Dann, bei „Wachstuchtischdecke weht weg“ oder so, bekam ich Treffer.
Diese Anhänger gibt es überall, aber nicht beim Dänischen Bettenlager und meist nicht bei normalen Versandhäusern, sondern bei Amazon.
Sie heißen: Tischtuchbeschwerer oder Tischtuchanhänger. Ich habe jetzt welche. Die fühlen sich an wie aus Feuerstein. Die wiegen richtig und – geht dabei die Wachstuchtischdecke drauf, habe ich noch Ersatz.


Bei wem beschweren sich eigentlich die Tischtuchbeschwerer, wenn sie herunterfallen? Beim Tischtuch?

Wenn ich also mit dem Küchenfreund hantiere, komme ich nicht mit dem Umweltschutz in Konflikt, weil nichts anbrennt und stinkt. Dann kann man die Tischtuchanhänger an die Tischdecke hängen, diese fliegt nicht weg und wir können draußen Essen. Auf diesen runden zerbrechlichen Essensablagen, ach ja, Teller heißen die. Im Übrigen hat mein Mann einem Kollegen erzählt, ich bräuchte einen neuen Schneebesen. Darauf der Kollege: "Warum? Es ist doch gar nicht Winter." Das ist nicht erfunden! Das ist die Wahrheit.

11.4.17 17:31, kommentieren

Haiku-Versuche

Fallende Blätter
Jasminduft aus Glasflasche
Kunstblume im Haar.

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Elfengesang birgt
Überirdische Flügel
nah und doch so fern.

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Mächtige helfen
Heuschrecken beim Weltfressen
Niemand kämpft für uns.

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Mein Lied singst du nun
rockig zur Zartgitarre
ich staune lachend.

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Morgentau auf Gras
Amseln flöten Harmonie
Spatzen stimmen ein.

 

© Schwedenlady Oktober 2016

28.10.16 05:36, kommentieren

Neuer Job

Manchmal habe ich das Gefühl, aufgrund der anfallenden Arbeiten im privaten Bereich schlicht meinen Beruf wechseln zu müssen.
Denke ich darüber nach, was ich dann arbeiten soll, bin ich ratlos. Nehmen wir doch als Beispiel den letzten Monat.

Bankgehilfin: 1 Stunde für Überweisungen und Auszahlungen. Früher hat das der Mitarbeiter erledigt. Heute muss ich Online die IBAN usw. eintippen und bin bei Auszahlungen nur noch ein Fall für den Geldautomaten.

Einzelhandelskauffrau in diversen Läden mit Selbstbedienung: 4 Stunden. Oft waren die Mitarbeiter „nicht zuständig“, liefen aktiv davon oder kannten sich genauso gut aus wie ich, nämlich gar nicht.

Hotelangestellte: 30 Minuten.
Ich habe mir mein Frühstück selber am Buffet zusammengestöpselt und vor Stress ob meiner Blindheit plus der mittelmäßigen Ortskenntnis die Hälfte vergessen. Es gab deshalb Brötchen, nur mit Butter, ohne Käse, das ist kein Standard.
Am nächsten Tag rief ich entnervt vom Frühstücksraum aus mit meinem Handy die Rezeption an und bat um Hilfe. Ich wollte etwas essen, keinen Polterabend veranstalten. Neben dem Selbstbedienungskaffeevollautomaten standen die Tassen in diversen Größen kopfüber gestapelt. Auf dem jeweiligen Tassenboden befand sich die dazugehörige Untertasse. Nachdem ich einen Turmbau zu R. gehörig klirrend in Schieflage brachte, gab ich entnervt auf.

Bahnangestellte: 0 Minuten. Fahrkarten muss ich mir nicht selber organisieren. Im Nahverkehr kann ich das Getippe an für mich nicht zugänglichen Automaten aufgrund meines Schwerbehindertenausweises vermeiden, in anderen Fernzügen darf ich ohne Aufschlag Karten lösen. Ich atme ob dieser Erleichterungen hörbar auf.

Des Weiteren bin ich eine relativ schlechte Apple-IT-Spezialistin: 5 Stunden, 30 Minuten.
Mein Update von IOS 8.5 auf IOS 9.5 am letzten Freitag beweist es. Schon das Updaten von IOS 7.schieß-mich-(nicht)-tot auf IOS 8.5 beschäftigte mich 2015 einen Abend lang und am nächsten Morgen. Ich musste den neu dazu gefügten, systemimmanenten Apps im letzten Jahr abgewöhnen, mich zu orten, auszuhorchen oder eventuelle Musikstream-Abos zu installieren, welche sich dann evtl. klamm heimlich verlängern. Selbstverständlich hatte mein Iphone damals alle professionellen Sprachausgaben vergessen, welche nachgeladen werden wollten.
Letzten Freitag klappte das mit den Apps besser, ich war wohl geübter, updatete alle Apps wie verrückt – und die hochwertige deutsche Sprachausgabe (ohne Nuscheleien und Sprachfehler) ließ sich wieder nicht adäquat installieren. Laden, ja, mit ihr arbeiten, nein. Sie gebärdete sich wie ein störrischer Esel.

Ich musste jemanden anrufen, der diese Fitzelarbeiten auch im „Nebenjob“ erledigt. Allerdings kommt er hauptberuflich aus der Branche, hat die nötige Fachkompetenz und die Ruhe weg. Er stellte gelassen fest:
„Die Sprachausgabe lässt sich nicht richtig installieren, wenn das IOS vorne die Ziffer ändert. Das ist aber halb so wild.“
Unter seiner fachkundigen Anleitung klappte es.
Wer soll den Mann für seine Hilfe jetzt bezahlen? Apple oder ich?

Im letzten Monat gab es also Nebentätigkeiten für diverse Firmen und Betriebe insgesamt von:
11 Stunden.

Das ist alles von den Unternehmen kalkuliert und der „arbeitende Kunde“ wird bewusst bei der jeweiligen Firmenpolitik mit eingeplant und eingerechnet.
Eigentlich sollte man uns dann aber auch dafür bezahlen. Das schenkt man sich bewusst. Den Ärger und das Minus an Freizeit haben allerdings wir Kunden.

Als was soll ich jetzt meinen weiteren beruflichen Werdegang bestreiten?
Als Bankgehilfin, Einzelhandelskauffrau, als (mangelhafte) Hotelangestellte oder (ungenügende) Apple-IT-Spezialistin?

Mir scheint, die Berufsbezeichnung "Depp vom Dienst im unbezahlten Ehrenamt ohne Aufwandsentschädigung" umschreibt es auf vortreffliche Weise.

1 Kommentar 1.9.16 05:49, kommentieren

Lieb Vöglein hold

Sing, lieb Vöglein hold im Strauch,
sing vor lauter Frühlingsfreude,
mit Dir singt mein Herz nun auch.
Federglück, wir singen beide!

Doch fällt Graupel, Regen, Schnee,
Kälte hat sich festgebissen.
Schreckensstarr ich frierend steh.
Gott hat dir dein Lied entrissen.

 

© Schwedenlady; Mi, 27. April 2016

27.4.16 17:17, kommentieren

Verpackungstücken

Du kennst sie! Diese Dinger, mit denen sich gefütterte Briefumschläge zusammen klammern lassen. Man kann auch wunderbar schnell mal zwei Blätter
bei der Lochung so heften, daß man eine Doppelseite erhält.... Diese auseinander
biegbaren - wie heißen diese Metalldinger gleich? - Ach ja!
Musterbeutelklammern!
Da muß man erst mal drauf kommen! Vor allem muß man an sie ran kommen.
Ich erwarb einmal fünf solcher Plastikschächtelchen je 100 klammern.
Alle waren gemeinsam in einer sehr leicht kaputtbaren Zellophanfolie verpackt. Jede Schachtel war mit einem schwer ablösbaren Papieretikett versehen. Man
rupft und zupft am Etikett, kriegt es nur teilweise ab, rupft am Deckel eines Schächtelchens und - wusch! Alles katapultiert sich geschoß- oder Springkrautartig
durchs Zimmer.
Du hältst verdattert die Schachtel (ohne Flugklammern) in der Hand, holst Deinen Mann zu Hilfe und gemeinsam sammelt ihr auf.
Die meisten ins Schächtelchen, der Rest wird irgendwann hinter einem Schrank gefunden oder vom Staubsauger mit einem metallischen "Plopp"gefressen.
Neulich bekam ich einen neuen Schreibtisch, verstaute alle Schächtelchen musterbeutelig woanders und brauchte eine Klammer. Jetzt galt es, die geöffnete
der fünf Schächtelchen voller Metallzweiflügler zu finden. Ich fand sie nicht und begann, am Papieretikett einer neuen Schachtel zu zerren. Mein Mann
sah das, geriet leicht in Panik und beeilte sich, die erste Schachtel zu finden. Es gelang...
Ton- und Videokassetten werden für die Ewigkeit einzeln verpackt und drum herum kommt noch einmal eine Folie. Die sollen noch den Weltuntergang in der
Folie überleben!
Wieso verpackt man die nicht lieber gesammelt und spart sich die Einzelverpackung?
Bei den Musterbeutelklammern (Gattung metallische Sprungfluginsekten) würde glatt mal eine Verpackung für jede Schachtel in Zellophan Sinn machen! Da wüßte
man gleich, welche schon offen ist und außerdem würde sich das (hoffentlich) leichter bewerkstelligen lassen, als mit diesen Papieretiketten.
So! Und das klammere ich nicht zusammen. Falls sich jemand den Trouble ersparen will und so ein Metalldipter braucht, ich hab eine schon geöffnete Schachtel!

Ursprünglich gebloggt am: 15.5.05 21:32

2.3.16 04:58, kommentieren

Balkonien, Gardenien, Terrassien

Wo liegen Balkonien, Terrassien, Gardenien?
Sie liegen überall, auf jedem Kontinent, diese Bezeichnungen im deutschsprachigen Raum sind ein Ausdruck für den Urlaub in den eigenen oder gemieteten vier Wänden.

Hauptstadt:
Dort, wo man sich trifft. Um den Tisch, beispielsweise.

Andere große Städte:
Wo man sich mit den Freunden und/oder der Familie aufhält. In der Küche, im Wohnzimmer...

Größe des Landes:
Variabel

Einwohnerzahl:
Eins bis zumeist zwei bis fünf, Ausnahmen sind möglich. Die Anzahl ist oftmals nach Anlass der Feier verschieden.

Sprache:
Meist koordinierte Sprache der Bewohner, kann aber nach übermäßigem Alkoholkonsum in Lallolenisch umschlagen, was für alle beteiligten sehr schwer verständlich ist, da selbst die Dolmetscher das gesprochene Wort nicht verstehen. Der Sinn des Gesagten ist oftmals nur in Zwiesprache mit sich selber vom Redner alleine zu erfassen.
Amtssprache:
Urlaubssprache ist die Sprache der Bewohner. Das können starke Formen des regionalen Dialekts sein.

Flagge:
Fahne, müsste man in vielen Fällen sagen. Meist die des Fußballvereins, manchmal die des Bundeslandes usw. und zum Ärgernis der Kontaktpersonen auch die Alkoholfahne.

Nationalfeiertag:
Der Urlaubstag mit dazu passendem Wetter.

Währung:
Die Währung des Landes, welches das Urlaubsparadies umgibt. Bei Partys oft Naturalien wie Nudelsalat oder Kuchen, bei Grillfesten wird das mitgebrachte Fleisch zum jeweiligen Eigenverbrauch gern gesehen.

Grenzen:
Besonders bei Balkonien sollte die Brüstung als Außengrenze unbedingt respektiert werden! Verstöße gegen dieses Gebot können sehr unangenehme Folgen haben.
Sonstige Grenzen: Nachbargrundstücke, die Straßen, Wiesen, Wälder, Flüsse und Seen.

Wichtige Seen, Flüsse und Landschaften:
Springbrunnen, Plansch- und Schwimmbecken bilden markante Punkte der Landschaft. Dem Besitzer ist es, sofern er physikalische Gegebenheiten beachtet (und die Genehmigung des Vermieters vorliegt), freigestellt, wie er die Landschaft gestaltet. Ein Pool mit starker Hanglage oder auf Untergrund, der mit Kieselsteinen belegt wurde, ist nicht zu empfehlen.
Auch sollte man – bei langfristigem Interesse an einem großen runden Pool mit aufblasbarem Rand - diesen möglichst nicht neben einen Rosenstrauch positionieren. Dieses Beispiel entspricht der Realität und ist nicht erfunden.

Klima:
Meist gut, es kann aber immer einen Spielverderber geben.

Wetter:
Wie in den Nachbarländern. Meist zieht man im Urlaub das Schlechtwetterlos, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Regierungsform:
Meist werden demokratische Beschlüsse gefasst, in traurigen Fällen herrscht Diktatur.

Staatsform:
Meist Republik, in Adelskreisen auch Monarchie.

Schulsystem:
Keines. Freiwilliges Lesen und Hören von Lyrik, Belletristik, Sach- und Fachbüchern und das Ansehen und Hören entsprechender Sendungen sind freundlich erlaubt.

Feste:
Spontane und geplante Partys, Fußballspiele und sonstige Großveranstaltungen, die im Fernsehen übertragen werden.

Tiere:
Meist Hunde und Katzen, in den Räumen oftmals Fische, Vögel, Hasen, Hamster, Mäuse usw. Seltener Pumas oder Krokodile. Letztere, äußerst exotische Lebewesen, entlaufen zumeist und man findet sie im nächsten Sommerloch in den Medien wieder.

Sonstiges: Allen wünsche ich einen schönen Urlaub!

© Schwedenlady 18.08.2012, und Schwedenlady 18.06.2015

18.6.15 17:51, kommentieren

Mahner und Aufdecker

Nachrufe und Kommentare zu Günter Grass gibt es viele, in diesen Chor muss ich mich nicht auch noch einreihen. Was ich mich frage, ist:
Wo sind die Mahner? Die nicht glatt gebügelten, gestriegelten, stromlinienförmigen und auf unsichtbare Linie gebrachten Rufer in der Wüste?  Der Wüste des Lobbyismus, der Wirtschaftsinteressen und der scheinbaren Alternativlosigkeit?
Wer wird jetzt die Stimme erheben und Dinge sagen, die manche erst als absurd empfinden, vor denen man aber 25 Jahre später nicht mehr die Augen verschließen kann? Wo sind sie geblieben? Wer erhebt die Stimme und den Finger? Wer ist unbequem?

Folgendes formuliere ich geschlechtsneutral, damit keine Rückschlüsse gezogen werden können.
Es gibt jemanden: Traut sich nur zu einzelnen, ausgewählten Personen leise  sagen, was sensibel tief im Innersten gefühlt und erkannt wird, beobachtet mit feinen Antennen und weiten Sinnen sehr gut, erspürt und sieht die Gefahr.
Es gibt jemanden: Sieht zwar ganz genau, was aus den Fugen gerät, unternimmt aber nichts, greift dem Rad nicht in die Speichen.
Es gibt jemanden: Hat man mit Richtlinien bedroht, die Zensur im Kopf leistet von vorne herein mit ihren Scharfen Scheren ganze Arbeit, schnipp, schnapp. Jedes Wort kann ein Wort zu viel sein.
Es gibt jemanden: Wird so eingespannt, dass für Drahtbürstengedanken quer zur Schallplattenrille kein Raum mehr bleibt.

Diese Mahner hätten alle zu viel zu verlieren, egal, in welcher Hinsicht. Geschickt wurden sie außer Gefecht gesetzt. Sie sollen, um mit Günter Eich zu sprechen, nicht mehr Sand im Getriebe der Welt sein.
Das gilt auch für alle, die Skandale und Machenschaften aufdecken. Unbequeme, wie Klaus Bednarz einer war, sind ungern gelitten. Man wird sich ihrer zu erwehren wissen. Es gibt viele Freunde, die alle Daten speichern. Danach hagelt es Repressalien. Sand im Getriebe knirscht schließlich zu sehr.

10.5.18 18:48, kommentieren