schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Tagebuch

Verrohung und Vandalismus

Unsere Stadt bekommt, wie viele andere auch, eine Sicherheitswacht. Diese soll  Ansprechpartner für die Bürger sein und bei größeren Schwierigkeiten die Polizei verständigen.

Am Dienstag, dem 12. März 2019 gegen 01.30 Uhr in der Nacht zogen junge Männer grölend durch die Siedlung. An unserem Garten wurde eine Zaunlatte abgebrochen. Ich habe Angst vor eindringenden Hunden, usw. Im Gegensatz zu Leuten mit Blindenhund fürchte ich mich, seit einem Erlebnis in der Kindheit,  vor Hunden. Daher fühle ich mich durch diesen Vorfall angegriffen.
Unser Nachbar hat mich auf den Schaden am Zaun aufmerksam gemacht. Mein Mann hatte auf dem Weg zur Arbeit die Stelle nicht im Blick, ich sehe sie nicht.

Wir haben die Hausverwaltung und die Polizei verständigt. Mein Mann ist seit dem Vorfall in der Facebookgruppe der Stadt. Dort hat Userin M. einen dieser Randalebrüder so gut gesehen, sie kann ihn beschreiben. Leider nützt das nichts, man hätte, laut Polizei, die Tat beobachten müssen.

Wer Eigentum anderer nicht achtet und respektiert, entwickelt sich auch schnell zum Dieb und Raubmörder, das ist meine Sorge.

Am Mittwoch, dem 30. Januar 2008 hat jemand ein kaputtes Fahrrad auf die 4. Oder 5. Treppenstufe zur S-Bahnunterführung runter abgestellt. Als ich zum Dienst fahren wollte, blieb ich gegen 6.45 Uhr mit dem Blindenstock im Fahrrad hängen und fiel mit Stock und Rad die Treppe hinunter. Prellungen am ganzen Körper, ein nicht erkannter Mittelhandwurzelknochenbruch und eine Verschlimmerung der geschädigten Schulter waren die Folge.
Diese Vorfälle erlebte ich als Einzelperson und unsere Stadt hat rund 12.000 Einwohner.
In der Facebookgruppe las mein Mann auch von Fahrerflucht usw.

Einmal ist keinmal, zweimal ist einmal zu viel. Das ist der zweite Angriff, den ich erlebe. Und ich fühle mich nicht mehr sicher. Was macht der Nächste? Die Gartenmöbel abtransportieren? Die Scheiben einschmeißen? Uns ausrauben? Uns umbringen? Vor einigen Jahren gab es auch Dämmerungseinbrüche. Ich sperre seit Jahren zur Dämmerung immer Fenster und Türen ab. Die Polizei berät uns, was wir sicherheitstechnisch verbessern können. Das wird Punkt für Punkt umgesetzt. Denn, ich fühle mich in dieser Stadt verletzlich und habe auch Angst, allein unterwegs zu sein. Wer weiß, was für verkommene Subjekte herumstreunen.

Evtl. sehen einige die Ängste als übertrieben an, es war ja "nur" der Gartenzaun und „nur“ ein Fahrrad, das man auf den Stufen zur Unterführung abgestellt hat. Das sei „normal“. Ich will mich aber nicht an dieses „normal“ gewöhnen und sehne mich nach den sicheren Zeiten zurück, in denen ich aufgewachsen bin.

Eine andere Dame aus unserer Stadt empfindet, die Grölereien und Aggressionen der Männerhorden nehmen zu. Es ist vorletzten Sommer anscheinend eine Mülltonne explodiert. Wir beide hörten den Knall und tauschten uns über WhatsApp darüber aus.
Langfristig helfen nur noch Gated Communitys.

23.3.19 11:44, kommentieren

Wer will fleißige Handwerker seh'n

Muss zur Schwedenlady geh‘n...
Du kennst doch den Vorführeffekt. Du willst jemandem erklären, dass etwas kaputt ist, dann funktioniert es – aber sonst nicht.

Wieder war die Heizung defekt, ungefähr sechs Wochen nach dem letzten Ausfall. Ich hörte den Sanitärfachmann auf der Treppe und schnappte ihn mir gleich. Bei uns im Klo läuft der Spülkasten sehr langsam ein. Er klingt dabei, als ob Wasser in die Regenrinne läuft. War das Fenster offen, fragte sich mein Mann, was da zu plätschern aufgehört hatte; der Regen, oder die Spülung. Man musste ewig warten, bis man wieder spülen konnte. Manchmal, so mein Eindruck, ging das Auffüllen des Spülkastens wieder relativ zügig.
Der Installateur drückte mit Schmackes die Spülung, ich hielt die Luft an. Jetzt allerdings trat der umgekehrte Vorführeffekt auf. Was da jetzt in den Spülkasten rinnsalte, spottete jeder Beschreibung. „Das Einfüllventil ist kaputt. Wir kommen zu ihnen, wir rufen sie vorher an. Sie haben ja ein Gäste-Klo.“. So gingen wir durch das Wochenende und am Mittwoch darauf wurde es repariert. Ich bin immer noch im Geschwindigkeitsrausch, wenn ich das Einfüllen höre und noch im Bad bin. „Was, schon fertig?“, denke ich jedes Mal.

Einen Tag später:
Mein Mann lüftete das Wohnzimmer, ich die Küche. Er wollte just das Zimmer verlassen, da gab es ein Zischgeräusch und machte ganz weich und hohl „plopp“.
„Was war das?!“ Rief er erstaunt aus.
„Das frage ich mich auch...“ Er drehte sich um. Der Vorhang vor der Terrassentüre war auf einer Seite heruntergefallen. Das war das Zischgeräusch. Das „plopp“ kam von der innen hohlen Vorhangstange, die weich auf dem Vorhanghaufen gelandet war. An der Stange hängen zwei Vorhänge. Am durchgehenden System die Übergardine und dahinter ist mit Halterungen der dünne Vorhang eingepasst. Letztes Jahr war die eine Seite der Halterung ermüdet, jetzt die andere.

Am Nachmittag rief die Schlosserei an, die unser Geländer bei der Terrasse sowie die vor den beiden Hauseingängen angebracht hat. Unser Geländer vor der Haustüre ist locker, ob sie morgen von mir Strom haben könnten. Ja, können sie. Auch Kaffee, wie der Installateur.

Das Geländer wurde stabilisiert, mein Mann passte den Vorhang ein und tauschte die Glühbirnen zum Keller hin. Auf dieser Treppe war er ja verunfallt.

Und dann war da noch die Sache mit der Zaunlatte. Aber, das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls gab es auch hier einen fleißigen Handwerker.

23.3.19 10:45, kommentieren

Geschafft

Wir haben alles geschafft.
Baum abschmücken:
Ich nahm die oberen Äste, der flauschigste Ehemann setzte sich auf einen Stuhl vor den Baum und schmückte ab, er verschob den Stuhl seitlich um den Baum, bis er drum herum war. Den Christbaumschmuck legte er auf einen Tisch daneben, ich ordnete alles ein.

Den Baum entsorgen:
Ich nahm ihn mit der rechten Hand und hielt mich an meinem Mann mit der linken fest, der auf Krücken lief. So fand ich den Weg.

Einkaufen:
Mein Mann hielt sich am Einkaufswagen fest, legte die Sachen hinein, ich trug alles im Rucksack heim. Mittlerweile nimmt er auch schon einige Sachen in seinen Rucksack und läuft nur noch mit einer Krücke.

Weihnachtsschmuck von Deckenhaken entfernen:
Unser Sohn hat geholfen. Er hat z. B. die Engel und Sterne an einer Kordel abgehängt und gegen eine mit Schmetterlinge und Perlen getauscht.

U-Bahn fahren:
Ja, das war etwas komplizierter, es ging aber auch.
Wir fühlen uns für mich ungeschickt und breit im öffentlichen Raum an. Mein Mann mit Krücke, ich mit Blindenstock und ggf. mit Rucksack. Was soll’s. Hoffentlich geht das bald vorüber.

2 Kommentare 15.2.19 18:34, kommentieren

Müllers Kuh

Der Musikverein Lauf wird 50 und schlug deshalb dienstlich bei uns auf. Der flauschigste Ehemann der Welt hat das ja mit dem guten Rutsch wörtlich genommen, geht mit Bänderdehnung auf Krücken und ist krank geschrieben. Deshalb konnte ich ihn auch letzte Woche tagsüber fragen:
"Wo ist die Neuwindeckhalle in Lauf?"
Er antwortete versonnen:
"Weiß ich nicht. Kenn ich nicht."
Ich sah ins Impressum der Homepage und bekam Schnappatmung:
77886 Lauf. Zum ersten Mal seit 1988, meinem Dienstantritt,  habe ich Lauf a. d. Pegnitz mit dem anderen Lauf verwechselt.

Gleichzeitig vereinbarte der flauschigste Ehemann am Tablet mit den Pfadfindern hier bei uns in X., dass sie den Baum bei uns im Garten am Zaun abholen. Er kann ihn nicht zum Sammelplatz bringen und für mich als Blinde ist es auch schwierig.
Die Zusage kam. Und meine im Gleichklang mit mir lebende bessere Hälfte gab unsere Adresse weiter. Daraufhin antworteten die Pfadfinder, dass es diese Straße in ihrem Ort nicht gibt. Sie holen die Bäume in X bei Z. ab.
"Schönen Gruß aus X bei Y.", antwortete der beste Ehemann der Welt.
Ich musste lachen und meinte:
"Zuerst ist mir das passiert. Dann dir. Ein Wahnsinn. Ich und du."
Mein Mann:
"Müllers Kuh."

18.1.19 14:19, kommentieren

Entspannung und Anspannung

6. Juni – kein Programm
Also einfach mal ausschlafen, frühstücken und in die Stadt gehen. Wir suchten ein paar kleine Geschenke für unseren netten Nachbarn, die zu Hause auf unsere Wohnung aufpassten. So etwas fanden wir bei „Idontspeakicelandic“. Wir gingen noch einmal in die Hallgrimskirkja. Ähnlich wie in der  Domkyrka in Uppsala kann man dort eine Kerze anzünden, um jemand zu gedenken. Wir taten es für Dietmar, unseren verstorbenen Freund in Schweden. Er hätte sich bestimmt gern Island angesehen. Wir kauften dort CD's – Weihnachtsmusik mit der Orgel und dem Motettenchor, weitere klassische geistliche Musik fanden wir im Laden der Isländischen Kirche. Unser Weg führte uns dann in einen Buchladen, in dem wir Geschichten über das verborgene Volk kauften. Mittagessen gab es in unserem Restaurant neben dem Hotel. Und Packen – und ein wenig faul sein - und noch schnell ein paar Kleinigkeiten im Bónus-Supermarkt kaufen. Das war Entspannung.

7. Juni - Anspannung
Der Tag unserer Abreise

Wir haben gefrühstückt und gegen 9 Uhr fuhren wir zunächst zum BSÌ, dann wechselten wir auf den Bus zum Flughafen. Noch einmal schaukelten wir so über Islands Hauptverkehrsstraße. Der Flug hatte 20 Minuten Verspätung. Aber das Boarding lief dann ganz flott. Wir tauschten mit anderen Passagieren unsere Plätze und dann fuhr der Flieger los – auf eine Parkposition. Während wir auf Island maximal 13 grad  C. hatten, hatte Deutschland eine Hitzewelle mit schweren Gewittern. Ein solches tobte sich gerade über Frankfurt aus. Und richtete einige Schäden in der Stromversorgung an, wie wir später noch erfahren durften. Jetzt waren nette Isländerinnen damit beschäftigt, Essen zu verteilen, als der Pilot nach 2 Stunden die Energie von der Mikrowelle zunächst auf die Triebwerke leitete. Wir starteten und verließen Keflavík und Island und als wir oben waren, wurde weiter Essen zubereitet. Damit waren die Stewardessen für die Hälfte des Fluges beschäftigt. Auf dem Anflug in Frankfurt touchierten wir eine größere Turbulenz, Schwedenlady geriet in Panik, gut, dass der Pilot ruhig blieb. Er wechselte den Kurs und brachte uns in mehreren aufeinander abfolgenden Spiralen nach unten, es wurde noch einmal kurz unangenehm vorm Aufsetzen und.. ja die Landung selbst war auch härter als auf dem Hinflug in Keflavík.
Takk og bless Wow Air, nun hatte Deutschland uns wieder und wir warteten auf das Gepäck, begaben uns zum Bahnhof. Unser ursprünglicher Zug war natürlich weg, wenn er nicht ausgefallen war. Die Deutsche Bahn AG hatte Schäden im Fahrstromnetz und so kam dann der nächste Zug statt gegen 22 Uhr erst 23:20 Uhr. Wir waren hundemüde und stiegen ein. Der Zug hatte einen Speisewagen und so ein Durchhaltekaffee wäre jetzt was Feines gewesen, aber der Speisewagen fuhr ohne Personal - wohl aus Gewohnheit mit.
Gegen 02:30 Uhr erreichten wir N., nahmen ein Taxi, das wir glücklicherweise erwischten, und kamen in R. an.

Für Schwedenlady war die Reise ein Reinfall, weil sie so wenig von der Landschaft hatte und es überall jede Menge Touristen gab, aber sie auch nicht alle Wege laufen konnte. Das Hotel fand sie ganz schön, aber das warme Wasser, das nach Schwefel roch, (Duschen, Zähneputzen, Haarewaschen) störte sie. Sie fand die Tour Reykjavík gut, die Blaue Lagune und den letzten Tag, den wir in Reykjavík verbrachten. Sie ist wohl eher ein Städtetouren-Mensch, meinte sie.

Anmerkung: Eine schwedische Blinde, welche die gleiche Tour machte, war total begeistert. Ich wäre auch als Sehende eher die Städtereisende. Mich störten auch die Touristenfregatten-Abfüllstationen neben Sehenswürdigkeiten. Wenn kleinere Busse fahren würden, wenn man Wert auf sanfteren Tourismus legen würde. Stattdessen werden überall noch Hotels hingeklotzt, auch in der Hauptstadt. 340.000 Einwohner und 2,5 Mio. (bald 3 Mio.) Touristen im Jahr. Auch Isländer stöhnen über die hohen Preise. „Man kann gar nicht mehr zum Abendessen gehen. Man sollte zum Lunchen in ein Restaurant.“ Nun, wer den Hals nicht voll kriegt, dem kann man nicht helfen... 

Mir tut es leid, dass Schwedenlady so wenig Freude hatte, ich fand die Landschaft einmalig, die Preise teuer, was tatsächlich daran liegt, dass es derzeit sehr viele Touristen gibt. Die Isländer fand ich nett und hilfsbereit.
Erst wollte Schwedenlady im Sommer generell nicht mehr verreisen, aber im Herbst mussten wir uns auf den Weg nach Dithmarschen machen: Meine Mutter verstarb Ende August. Das ist ein großer Einschnitt, aber wir durften für unseren Aufenthalt das Gästezimmer in der Gaststätte nutzen, obwohl die Wirtsleute verreist waren.
Danke dafür – und wie sagte Nadine, die Wirtin: "Barkenholm ist der ideale Startplatz für eine Reise nach Schweden..."

21.12.18 15:20, kommentieren

5. Juni – Goldener Kreis

Dienstagmorgen, unsere letzte große Tour. Nach dem Frühstück ließen wir uns wieder einsammeln und fuhren zum BSÍ. Dort stiegen wir um und fuhren dann zunächst Richtung Süden – Glücklicherweise, denn 1 Fahrgast war nicht im falschen Film, sondern im falschen Bus. Also stoppten wir im Süden von Reykjavík an einer Tankstelle und er stieg um.Zunächst folgten wir dem anderen Bus Richtung Süden, dann bogen wir ab nach Hveragerði. Unser erstes Ziel war ein Gewächshaus, in dem Tomaten angebaut werden. Zum Bestäuben verwendet man Hummeln, die aus den Niederlanden importiert werden. Der Betrieb versorgt Island ganzjährig mit Tomaten. Die Heizung und der Strom dafür werden durch Erdwärme gespeist.

Von der Gewächshauswelt von Hveragerði fuhren wir weiter nach Geysir. Geysir bedeutet Springquelle und der inzwischen nur selten aktive Große Geysir hat dem Phänomen den Namen gegeben. Wir mussten aufpassen, auf den Wegen zu bleiben, denn hier fließt viel heißes Wasser, in dem man sich verbrühen könnte. (Man hört es im Podcast richtig blubbern.)
Neben dem Großen Geysir gibt es den kleinen Geysir, der aber auch nur selten aktiv ist und das „Butterfass“ Strokkur. Ein echter Vorführgeysir, etwa alle 5 Minuten schießt das heiße Wasser in die Höhe. Die Touristen kommentierten den Vorgang mit lauten „Ahs“, „Ohs“ und „uhs“, was die Tonaufnahme erschwerte.

Schwedenlady meint dazu:
Im gleichen Podcast und beim dritten Mal mit höherer Aussteuerung. Dass die Leute nicht einfach mal den Mund halten und dieses Schauspiel auf sich wirken lassen können. Nein, sie müssen jede Tonaufnahme zerstören. Hauptsache, Bilderchen werdn schön. Was jemand mit einer Tonaufnahme wohl anfängt? Hier ins Netz stellen. Ich bin reichlich sauer und fassungslos. Wie primitiv können Menschen einerseits sein, die sich andererseits eine Islandreise leisten können. Phänomenal. Und man muss wieder den Beitrag im Podblog anklicken und dann die Datei entweder abspielen oder downloaden:

Tonaufnahme beim Strokkur, hier klicken. Bild vom strockur, hier klicken. Der flauschigste Ehemann erzählt weiter:
Aber es war trotzdem eindrucksvoll, zeigt sich hier die Energie aus der Erde, mit der Gewächshäuser und Schwimmbäder betrieben werden und Strom gewonnen wird. Neben dem Geysir befindet sich eine Art Supermarkt für Trekkingtouren mit einem Restaurant. Dort haben wir zu Mittag gegessen.

Nach dem Mittagessen fuhren wir zum Gullfoss. Eigentlich sollte er zur Energiegewinnung genutzt werden, aber man hat sich dagegen gewehrt, weil er schon früh Touristen angezogen hat, die nicht wie wir mit dem Bus kamen, aber mit Pferden. Nach einigem Hin und Her ist er dann so belassen worden, wie wir ihn heute finden, wenn man von den gesicherten Wegen einmal absieht. Der Gullfoss besteht aus 2 Stufen, über die sich das Wasser hinabstürzt. Bis zur unteren Stufe bin ich mit Schwedenlady gegangen.
Dann bin ich allein zum 1. Katarakt gegangen über einen engen und vom Wasserfall sehr nassen Weg.
Oben angekommen, ist man mit dem Wasser annähernd auf einem Niveau.
Dann kam ich wieder in den trockenen Bereich.
Danach sind wir zum Bus gegangen, um in das Herz von Island zu fahren, also da, wo Island begann. Zum einen geologisch, weil es aus dem Meer gestiegen ist und auch heute noch die amerikanische Platte und die eurasische Platte in diesem Bereich der Insel auseinanderdriften. Zum anderen historisch, denn in dieser Bruchzone tagte das Allthing. Zunächst mussten wir mit dem Bus hinkommen und wir fuhren um den þingvallavatn, von Osten her, dann um die Nordspitze und wir erreichten einen Parkplatz an der Allmännerschlucht. Ich stieg aus, Sandra blieb im Bus, die Tour war für sie anstrengend. Der Bus fuhr weiter an unser 2 km entferntes Wanderziel. Auf dem Weg kamen wir zunächst zum Drykkingarhylur. Was heutzutage ein kleiner See mit einem kleinen Wasserfall ist, diente während der Besatzung durch die Norweger dazu, Frauen zu ertränken. Erst mit der Besatzung wurde mit der Todesstrafe ein überprüfbares Strafsystem eingeführt. Vorher wurden die Verurteilten friedlos gesprochen, damit waren sie vogelfrei und flüchteten sich in abgelegene Täler oder gingen nach Grönland. Der bekannteste friedlose dürfte ein gewisser Leifur Eiriksson gewesen sein.. Männliche Straftäter wurden zu Zeiten der Norweger geköpft. Heutzutage hat Island einen humanen Strafvollzug ohne Todesstrafe. Es ist eines der Länder mit sehr niedriger Kriminalitätsrate.

Von den Straftätern zurück auf den Weg. Aus der Schlucht führt der Weg zu einem Hang, an diesem Hang trafen sich die Allthingsmänner. Damit der Lögretta, heute würde man wohl vom Vorsitzenden sprechen, gut gehört wurde, sprach er gegen den Hang, der seine Stimme verstärkte. Heutzutage weht über dem Hang die isländische Fahne – Hier begann die Republik. Und auch am 17. Juni 1944 wurde hier die neue Republik verkündet. Östlich davon liegt im Tal der See, eine kleine Kirche und 5 kleine Häuser, die als Sommersitz der Ministerpräsidentin dienen.

Am zweiten Parkplatz angekommen, traf ich Schwedenlady wieder, die dort auf einer Bank saß, direkt vor einer 3-D-Karte der Umgebung. Die Karte habe ich ihr dann gezeigt.

21.12.18 14:45, kommentieren

4. Juni 2018, Blaue Lagune

Der flauschigste Ehemann erzählt weiter:
Montagmorgen, während andere zur Arbeit müssen, konnten wir wieder länger schlafen, so langsam passt man sich an die isländische Zeit an. Gegen Mittag fahren wir wieder zum BSÍ, tauschen dort Fahrkarten und fahren zur Blauen Lagune. Sie befindet sich nicht weit weg vom Flughafen. Am Eingang gab es einen größeren Stau, aber wir wurden freundlich in Empfang genommen und haben den Umkleidebereich für Behinderte für uns.
Darin gibt es eine bestimmte Anzahl von Schränkchen, die man abschließen kann, wie im normalen Badebetrieb auch. Aber, man ist allein oder zu zweit. Das ist sehr sinnvoll, man würde sich als Blinde kaum zurecht finden. Es ist nicht so einfach wie bei normalen Hallenbädern:
Vorne in die Umkleide rein, hinten zur Schwimmhalle hin raus.
Wir wuschen uns die Haarre und nutzten danach den Conditioner, der hier notwendig ist. Man muss ihn drauf lassen. Ich habe das an einer kleinen Stelle der Haare versäumt, die werden wie stroh. Dann gingen wir an einer Bar vorbei nach draußen. Zwischen Tür und Wasser fühlten sich die 13° Lufttemperatur kühl an, aber im Wasser war es sehr angenehm, mit 37°C wie eine richtig große Badewanne. Zum Angebot gehörte eine Maske, die man sich an der im Wasser befindlichen Station abholt – und ein Getränk, dass ebenfalls an einer Bar erhältlich ist, die ins Wasser gebaut ist. Eine herrliche Entspannung, die wir genossen haben. Mit uns auch ein Entenpärchen, das dann auch vertrieben wurde, um die Wasserqualität zu erhalten. Wir hatten strahlend blauen Himmel, waren mehr als 4 Stunden im Wasser.. damit auch in der Sonne. Wir gingen gegen 18 Uhr aus dem Wasser, zogen uns wieder um und fuhren gut gewärmt und entspannt nach Reykjavík zurück, wer hat schon einen Sonnenbrand auf 64° nördlicher Breite...

20.12.18 09:52, kommentieren

3. Juni 2018, Reykjavík

Und wieder schreibt der flauschigste Ehemann von allen. Ich habe nur Sprachberichte erstellt.
Sonntag, und damit konnten wir ausschlafen. Wir haben später gefrühstückt als sonst und sind ein wenig durch den Laugavegur gelaufen. Um 12:30 Uhr wurden wir an unserer Haltestelle abgeholt und machten eine kleine Tour in und um Reykjavík. Zunächst fuhren wir durch die Innenstadt zum Hafen, vorbei am Parlament am Austurvöllur. Im Hafen war wegen des Tages der Fischer festliche Stimmung.

Für unseren nächsten Stopp fuhren wir westwärts zum Leuchtturm von Seltjanarnes, durch Vorortsiedlungen.Das ist schon etwas eigenartig: Auf der einen Seite Häuschen mit Garten, auf der anderen Seite etwas Uferbefestigung und ganz am Ende der Leuchtturm.

Von Seltjarnarnes fuhren wir zurück in die Stadt zur Hallgrimskirkja und dem Denkmal von Leifur Eiriksson. In den Sagas wurde berichtet, das Leifur westlich von Grönland in Vinland siedelte. Man fand in Neufundland in L'Anse aux Meadows die Reste einer Wikingersiedlung. Er gilt daher als Entdecker Amerikas. Das Denkmal ist ein Geschenk des amerikanischen Volkes an die Isländer zum 1000 jährigen Bestehen des Allthings. Die Kirche ist sehr eigenwillig, auf der Westseite mit dem Hauptturm mit Säulen, die an Säulenbasalt erinnern, im Osten ein kleinerer Zwiebelturm. Alles aus Beton gebaut und daher wird der Ostteil der Kirche auch renoviert. Die Kirchenfenster tragen keinen Schmuck, so ist es taghell in der Kirche, die Kirchenbänke sind so konstruiert, dass sie sich umklappen lassen, damit man beim Orgelkonzert den Blick Richtung Orgel haben kann. Es gibt keine Kirchensteuer in Island und so wird alles aus Spenden finanziert. Das bedeutet umgekehrt, dass eine Renovierung länger dauert.

Bild, Hallgrimskirkja innen, hier klicken. Schwedenlady plappert dazwischen:
Leider finde ich bei Podhost (darüber läuft mein Podblog) keine Möglichkeit mehr, Tondateien direkt zu verlinken. Man muss also auf den Beitrag im Blog klicken und dann die Datei entweder abspielen oder downloaden.
In diesem Fall der Kunstkopfstereoaufnahme lohnt es sich.
Kunstkopfstereoaufnahme Hallgrimskirkja, schwedenlady.podspot.de, hier klicken. Diese Aufnahme entstand: Beim Gang in die Kirche und in der Kirche selber. Sie fand eigentlich am 6. Juni 2018 statt, da ich am Sonntag technische Probleme hatte.

Jetzt erzählt wieder der flauschigste Ehemann von allen:
Dann ging es weiter zum Rathaus, das in den Stadtteich gebaut ist. Auf der unteren Etage ist ein Saal, bei dem man auf Höhe der Wasseroberfläche ist.
Weiter ging es zum Höfði-Hús, in dem Reagen und Gorbatschow das Ende des Wettrüstens einleiteten. Es ist ein aus Norwegen in Gänze importiertes Haus und das Gästehaus der Regierung.

Wir verließen noch einmal die Stadt Richtung Südwesten und fuhren nach Bessastaðir, dem Sitz des isländischen Präsidenten. Die davor liegende Kirche gehört zur benachbarten Gemeinde, dahinter liegt das gesperrte Gebiet, Nicht sehr groß, es gibt keinen Zaun. Lediglich ein Polizeiwagen steht vor dem Haus des Präsidenten. Noch ein kurzer Stopp an der Skulptur des Sonnenreisenden, die an ein Schiff erinnert, direkt an Meer.
.. und schließlich das Konzerthaus Harpa, Islands Stolz aus der Krise. Es war das einzige Gebäude, das in der großen Finanzkrise weiter gebaut wurde.

20.12.18 09:40, kommentieren

2. Juni Halbinsel Snæfellsnes

Und hier mit freundlicher Genehmigung der Bericht meines Mannes:

Wir sind gegen 06:0 Uhr aufgestanden und haben auch früh gefrühstückt. Ich hatte für uns einen ruhigeren Platz weiter weg vom Büffet gesucht und so konnten wir das Frühstück genießen. Um 07:30 Uhr gingen wir zu unserer Bushaltestelle zum Pick Up und ließen uns pflücken. Dann fuhren wir zunächst zum BSÍ. Wir durchquerten das Gebäude und fanden unseren Bus, an dem uns Sverrir in Empfang nahm. Die Wolken hingen tief und wir machten uns gegen 8 Uhr auf den Weg.
Auf dem Weg zu unserem ersten „technischen Halt“ erklärte uns Sverrir, wie die Isländer leben, was für ein Gesundheitssystem sie haben und wie auf die wichtigsten Einnahmequellen der Isländer hin: Fisch, Energie zur Aluminiumproduktion und Tourismus. Wir durchfuhren einen Tunnel unter dem Hvalfjord und erreichten Borganes nach etwa einer Stunde. Der Halt diente dazu, den „inneren technischen Druck“ auszugleichen, wie Sverrir es nannte, eine große Tankstelle mit Supermarkt, Restauration und einer großen Toilettenanlage. Danach fuhren wir weiter westwärts auf die Halbinsel, dort fing es an zu regnen und der Bergrücken von Snæfelsnes blieb in den Wolken. Wir fuhren ans Meer, an eine Stelle, an der man Seehunde beobachten kann, aber leider konnten wir keine ausmachen. Wohl aber spürte man die Wucht des Nordatlantiks und wir hörten die Vögel. Wir fuhren weiter Richtung Arnarstapi, der Gletscher versteckte sich weiter in den Wolken. Wir kamen in Arnarstapi an, einem Dörfchen mit Hafen und wanderten etwa 2 km entlang den Klippen, konnten die Vögel aufnehmen, die dort brüteten. Es war dort windig, immerhin regnete es nicht mehr. Aber der Wind ruinierte die Aufnahmen.
 
Von dort aus fuhren wir etwa 2 Kilometer weiter nach Hellnar und gingen in ein kleines Café, das Kaffi Primus. Alles sehr einfach. Gunnar, unser Busfahrer aß Fleischbällchen, also das, was die Schweden als Köttbullar kennen. Nun, „ wenn ein Busfahrer die ist, müssen die gut sein,“ dachten wir uns und nahmen dasselbe. Würzig, handgefertigt mit frischen Kartoffeln, sehr gut. Die Ikea kann da nicht mithalten und auch das Smaka in Göteborg kann sich dahinter verstecken.

Wir fuhren weiter, vorbei an einer ehemaligen Radarstation der Amerikaner. Und bogen ab nach Djúpalónssandur. Dort gibt es ein angespültes Schiffswrack. Wir gingen zum Aussichtspunkt, es war windig und vor uns lag der offene Nordatlantik, rechts von uns die Wrackteile, der Weg zum Wrack war zu unwegsam. Wir trafen Gunnar, unseren Busfahrer, der richtig stolz wurde, als ich ihm erzählte, dass ich einen Bruder habe, der auch Gunnar heißt. Unser nächster Halt war der Vulkankrater Hólarhólar, in den wir mit dem Bus hinein fahren konnten. Der Rand ließ sich besteigen und hier gab es sehr kleine Pflanzen, die sich im rauen Wetter eingerichtet haben. Immer wieder faszinierend, wie schön unsere Natur ist, wenn man auf die kleinen Dinge achtet. Danach ging es weiter zum Saxhóll, einem Vulkankrater zum Besteigen. Eigentlich eine einfach zu laufende Treppe, aber der Wind pfiff mit Sturmstärke um den Berg, so dass ich auf der Hälfte umkehrte, allerdings nicht, ohne Fotos gemacht zu haben. Die Fahrt ging weiter entlang der Nordküste von Snæfellsnes, vorbei an einigen Dörfern und in Olafsvík hielten wir für eine technische Pause, wie Sverrir sagte. Die Sonne kam durch die Wolken und schaute, was wir so machen. Und sie blieb bei uns hier an der Nordküste, achtete aber sorgsam darauf, dass wir den Gletscher nicht zu sehen bekamen. Es ging weiter zu einem Fotostopp am Kirkjufell .. und siehe da, die Wolken waren weg und er zeigte sich in seiner ganzen Schönheit. Ein wirklich eindrucksvoller Berg direkt an der Küste. Wir machten später noch ein zwei Fotostopps in der Sonne und dieser „Mondlandschaft“ ehe wir uns wieder über Borgarnes auf den Heimweg machten.

Die Isländer benötigen mehrere Jobs, um gut leben zu können, aber eben auch, damit alles läuft. Deshalb fangen die Mädchen oft schon in der Schulzeit an, in Teilzeit als Kassiererin im Supermarkt zu arbeiten. Er war früher Lehrer und bezieht eine Pension, die wohl aber auch nicht reicht, um es wirklich gut zu haben.. Andererseits machte er nicht den Eindruck, dass er unter der Arbeit leiden würde, er zeigt wohl gern den Touristen sein Land.
Natürlich ging es wieder unter die Wolkenschicht und in den Regen, bis kurz vor Reykjavík, hier ließ sich die Sonne noch einmal kurz sehen, damit die Fußballfans auch sicher den Weg ins Stadion finden – wir fuhren direkt dort am Laugardalsvöllur vorbei - Es gab vor der WM ein Testspiel gegen Norwegen, zu dem die Massen strömten. Und dann wurden wir wieder verteilt, bedankten uns bei Sverrir und Gunnar.Wir gingen ins Hotel und sahen uns auf ruv, dem isländischen Fernsehen, das Fußballspiel an, das die Isländer 0:1 verloren.

19.12.18 11:26, kommentieren

Island, Tag zwei

1. Juni 2018

Sieben Uhr, aufstehen. Es war etwas eng im Restaurant beim Frühstück. Dann zur Bushaltestelle 200 m weiter, zum Busbahnhof von  BSÍ. Auf der anderen Seite der Halle stand unser Bus zur Südküste und uns nahm Hilde aus Hamburg in Empfang - und gleich die Unterlagen für 2 Reisen weg, weil sich die heutige und die nächste Tour auf einer Seite befanden.
Nein, die Seite einfach durchreißen? Wo kämen wir denn da hin. Jetzt müssen wir also der Reisebestätigung für die nächste Tour auf Island nachlaufen/telefonieren, im Computer ist sie ja, die Reiseleiter benötigen aber Papier. Traumhaft.
 
Hilde erzählte uns einiges über die Energie- und Wasserversorgung von Reykjavík. Wir fuhren an einem Thermalkraftwerk vorbei und verließen dabei die amerikanische Platte und waren in dem, was sie „Neu-Island“ nannte. Wir erreichten die euroasiatische Platte.

Wir fuhren noch zu unserem ersten Stopp, eigentlich nur Toilette und Kaffee im Museum in Hella. Dort gab es aber auch eine Island Reliefkarte, die mir der flauschigste Ehemann zeigte. Weiter ging es  zu einem kurzen Fotostopp an einem Bauernhof, der unmittelbar unter der Ausbruchstelle des Eyafjallajökulls lag.

Bild des Eyafjallarjökulls, aufgenommen am 1. Juni 2018 auf Island, hier klicken. Dann ging es weiter nach Osten bis nach Skogar, vorbei an kleineren Wasserfällen. Am Skogafoss stoppten wir.
Ein gewaltiger Wasserfall, 64 m hoch und 22 m breit. Ich kann nur 30 KB kostenlos jeden Monat ins Podblog stellen. Dieses Bild ist zwar bei meinem Mann vorhanden, er hat es mir aber nicht explizit beschriftet. Da hätte er auch was zu tun. So viele Bilder hat er gemacht. Wer seine Fotos und Videos sehen will, kontaktiert mich. Es findet sich eine Lösung. Mein Mann ist bei Facebook.

Wir fuhren nach Reynisdrangar zum Schwarzen Strand. Die UNESCO sagt, dass es einer der 10 schönsten Strände der Welt ist. Allerdings wird es gefährlich, wenn man zu nah ans Wasser geht. Auf dem Strand sinkt man im Sand etwas ein, muss also beim Gehen aufpassen.
Wir machten uns danach auf den Rückweg mit einem Abstecher zum Sólheimajökull. Die Seitenstraße war etwa 5 km lang und unsere Reiseführerin sagte, als sie vor 50 Jahren nach Island kam, lag die Gletscherzunge direkt an der Hauptstraße .Es gibt dort einen Parkplatz, nicht weit von der Gletscherzunge. Mein flauschigster Ehemann ist allein gegangen, da der Fußweg für mich nicht sicher genug war. Ich telefonierte derweil mit unserem Reisebüro in Deutschland und wir müssen die Buchungsbestätigungsproblematik vor Ort regeln. Super, ganz toll. Ich bin begeistert, heute noch.

Ein Ziel hatten wir noch, es wurde wegen des Lichtes am Nachmittag angefahren: Der Seljalandsfoss. Dort kann man hinter den Wasserfall gehen, aber man muss sich aufs Nass werden einlassen. Ich blieb vorne und nahm auf. Allerdings macht ein frontal aufgenommener Wasserfall nicht viel her. Später habe ich weit schönere Kunstkopfstereoaufnahmen gemacht.

Und dann ging es wieder nach Reykjavík, wir wurden in der Innenstadt abgesetzt und sollten uns wegen der Tour am nächsten Tag an das Hotel wenden. Ich war darüber sauer und der flauschigste Ehemann von allen regelte das.
Hulda an der Rezeption ist der gute Geist des Hotels Frón. Sie rief bei Reykjavík Excursions an und wir bekamen für alle weiteren Touren einzelne Buchungsbestätigungen.

28.2.05 17:13, kommentieren