schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Tagebuch

Noch ein Fußballfest

Samstag, 30. Juni 2018
Und wieder gab es ein Fußballfest: Frankreich gewann im ersten Achtelfinale gegen Argentinien mit 4 zu 3. Wir saßen draußen und im Pool. gehört haben wir den Fernsehton der Audiodeskription mit dem Bluetoothlautsprecher und das Bild kam vom Tablet.

6.7.18 15:32, kommentieren

Urlaubsabend

Mittwoch, 20. Juni 2018
Das war schön! Wie ein Urlaubsabend:
18.00 Uhr Abendessen, danach im kleinen Pool bei 24 grad C. Wassertemperatur plaudern, schließlich auf den Liegestühlen dösen. Danach hat der flauschigste Ehemann garten gegossen.
Und dann ging das Fußballfest los:
Die Nachbarn zwei Grundstücke weiter, sie Italienerin, er Spanier, hatten den Fernseher auf eine Fensterbank gestellt und sahen in zwei Reihen im Garten mit Familie und Verwandtschaft das Spiel Spanien gegen den Iran. Unsere direkten Nachbarn guckten mit. Der flauschigste Ehemann von allen sah das Spiel auf seinem Tablet, da seine Position zum Fernseher auf der Fensterbank zwei Grundstücke weiter doch sehr unbequem war. Ich lag auf dem Liegestuhl und hatte mir die Hörfassung vom 2. Tonkanal   per Bluetoothlautsprecher aus dem Wohnzimmer hergeholt. Die andere Nachbarin neben uns genoss einfach die Atmosphäre, wir waren ja alle für Spanien.
Einer der Nachbarn übte Vuvuzela. Diese klang eher wie ein kranker Esel mit Luftnot, in der zweiten Spielhälfte gab es dann sogar sanft angeblasene, schöne Töne. Spanien gewann, wir waren glücklich. Die Nacht war lau, der Himmel blau...

Danach stürzte die Temperatur tagsüber auf 13, nachts auf ungefähr sieben grad C. ab und krabbelt jetzt super laaaaaangsaaaaaaam nach oben. Und Schweden verlor am Samstag, 23. Juni gegen Deutschland. Wer das Tor in Überzahl nicht macht, verdient es nicht anders.

25.6.18 17:55, kommentieren

Wieder da

Myblog war seit rund 25. Mai offline und wir auf Island. Dazu später mehr. Da ich es nicht für nötig erachtete, geblogte Texte zu sichern, sie stehen ja hier im Blog, habe ich jetzt Arbeit. Ich möchte als alte Papiertagebuchschreiberin alles sammeln. Und wenn Myblog seinen Betrieb einstellen sollte, dann muss ich vorbeugen. Ich dachte, die Seite geht nie mehr online.

2 Kommentare 11.6.18 17:35, kommentieren

Pool und Fußball

So, 13.05.2018
Wir saßen viel draußen, waren italienisch Essen und - im Pool! Das Wasser hatte 19 grad C., war aber trotzdem angenehm.

 


So, 20.05.2018
Das war es mit Pool für die nächste Zeit aber auch. Es schlechtwetterte sich ein, wenn man Poolwetter als Sommergröße festlegt. Noch eine Sommeraktivität für 2018 nahm ich in Angriff: Einen Spielplan mit Fernsehzeiten für mich als Blinde erstellen, ohne ins Internet zu müssen. Die Datei übernahm merkwürdige Graphiken, Werbung, Fähnchen, keine Ahnung. Bis ich dann auf speziellen Fernsehseiten doch noch fündig wurde.

 

Da Özil und Gündogan für Erdogan posierten, gebe ich keinen Pfifferling mehr auf die Erdogan-Groupies. "Deutsche Nationalmannschaft" heißt das Geldnachlaufteam eh nicht mehr, die weiß schon, warum sie sich nur "die Mannschaft" nennt, da muss die Söldnertruppe aus Erdogan-Fanboys sich nicht festlegen. Ich sage nur:
Heja Sverige! Wie schon seit 2002. Diesmal hoffe ich, die seelenlose Deutschländermannschaft wird von Euch, ihr Wikinger, in der Vorrunde rausgehauen!
Huh! Áfram Island! Oder ihr macht Erdogans Mannschaft später fertig!
Beim Aufeinandertreffen hielt ich aus Sympathie immer zu Schweden oder Island, nicht zu „die Mannschaft“. Jetzt hoffe ich aber wirklich, dass Erdogans „Die (Brückenkopf)Mannschaft“ rausfliegt. Seit 2007 habe ich übrigens zwei schwedische Nationaltrikots. Ätsch! Erdogan kommt mir nicht in meinen Pool! Noch mal ätsch!

20.5.18 09:35, kommentieren

Pool

Samstag, 12. Mai 2018 Unser Pool ist nicht groß, er ist eher eine Sommerbadewanne, mit seinen 1,60 m Breite, 2.60 m Länge und 60 cm Höhe, aber, eine Abkühlung verschafft er immer. Es reicht, um mit einem Sommerdrink drin zu sitzen. Die Ecken kann man sozusagen als kleine Abstelltische verwenden. Der Pool ist für mich ein untrügliches Zeichen des Sommers. Ihn aufzubauen, ist für mich deshalb ein Festtag.

Im Baumarkt besorgten wir erst mal einen neuen Gartenschlauch.  An der Wicklung erkannte ich, welche Länge wir benötigten. Daheim putzte ich wieder mal die Gartenmöbel und Fensterbretter wegen des Blütenstaubs. Unser Gartentisch hat ja am Rand eine Leiste nach unten, von der fehlt ein Stückchen. Wenn Besuch kommt, muss ich das vorerst wohl mit einer Tischdecke kaschieren. Die Gartenstühle sind auch abgeschrammt. Außerdem ist unser Rasen ungleichmäßig. Der flauschigste Ehemann von allen mähte den Rasen, besorgte ein Rasenreparatur-Set und baute den Pool auf. Ich informierte mich derweil über Gartenmöbel. Um 14.45 Uhr fingen wir an, Wasser einzulassen. Das dauerte. Gegen halb sieben merkte mein Mann, dass die Pumpe nicht funktionierte und suchte einen offenen Baumarkt. Er fuhr weg, alles war still. Plötzlich hörte ich nach einiger Zeit unsere laufende Pumpe. Merkwürdig. Ich hatte nichts daran verändert, konnte meinen Mann aber nicht erreichen. So wartete ich. Kinder spielten Fußball. Gegen 20.15 Uhr waren Pool und Rasen fertig und die Sonne fort. Es wurde kühler und nichts war es mit dem Hineinsetzen und die Poolsaison eröffnen. Es fühlte sich so an, als ob Weihnachten abgesagt ist - schade.

13.5.18 10:39, kommentieren

Blütenstaubidylle

Jedes Jahr habe ich das Gefühl, als ob wir viel Blütenstaub hätten. Dieses Mal ist es aber wirklich extrem! Bereits nach einer halben Stunde könnte man schon wieder draußen alles putzen.
Dafür haben wir seit Samstag, dem 14. April 2018, „Arbeitnehmerwetter“. Sprich, an den Wochenenden ist es schön, wir Arbeitnehmer haben mal etwas davon. Draußen sitzen, lesen, Kaffee trinken, herrlich! Und das jedes Wochenende bis zum 13. Mai 2018. Oft saß ich sogar am Feierabend draußen. Wie schön ist es doch, in der App der Blindenhörbücherei die erweiterte Suche aufzurufen, „Sommer“ in das Suchfeld einzutippen und alle Erscheinungen seit 1974 durchzuforsten. Warum seit 1974? Damit die Ergebnisse wenigstens einigermaßen überschaubar bleiben. Idylle pur. Im Sommer, und wir hatten wirklich sommerliche Temperaturen, möchte ich über den Sommer lesen.

13.5.18 10:34, kommentieren

Bin wieder da

Lange schon habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Ich habe einen sehr bereichernden Selbstverteidigungskurs für Blinde und Sehbehinderte besucht, meine Schwiegermutter zum achtzigsten Geburtstag hochleben lassen und viel gearbeitet. Schön ist, wenn man Leute um Infos bittelt und bettelt, die dann doch nicht termingerecht bekommt und dann Sonderschichten machen muss. Ich wollte einfach in der Freizeit nicht auch noch am Computer sitzen.

1 Kommentar 30.3.18 10:29, kommentieren

Technik, die Kopfweh macht

Donnerstag, 1. Februar 2018
Siri ist mein absoluter Helfer im Alltag: Schnell mal jemanden anrufen lassen, den Kalender checken, aber, vor allem, Kalendereinträge erstellen. Das geht schnell und ist am Kundendesk diverser Dienstleister schnell erledigt.
Diesmal nicht. Siris normaler Ton erklang, aber sofort danach der tiefere Fehlerton. Sie ließ mich gar nicht erst sprechen. „Hey Siri“ funktionierte auch nicht mehr. Also stellte ich Siris Stimmen um, aktivierte und deaktivierte sie, stellte eine andere Sprache ein, tanzte Walzer für sie -  gut, das dann doch nicht... Ich führte am Gerät einen Reset durch, versuchte, die Hometaste neu zu kalibrieren, nichts half. Zum Schluss blieb nur ein verschlüsseltes Backup in Itunes und der virtuelle Holzhammer: Auf Werkseinstellungen zurücksetzen = zerstören sie ihr Gerät mit voller Absicht freiwillig. Mein IPhone 5S war auch aus dem W-Lan gefallen und die zwei-Faktor-Authentifizierung funktionierte nicht. Dann doch irgendwann, aber, die Geräte mussten vorher erst wieder ins W-Lan eingefriemelt werden. Siri funktionierte, mein neues IPhone war neu aufgesetzt. Und mein Kopf tat weh.

Freitag, 2. Februar 2018
Heute schaffte ich es, mein altes Handy ebenfalls zu schrotten. Ich konnte mich mit dieser Zwei-Faktor-Authentifizierung nirgends einloggen, nicht mal auf der Webseite von Apple. Ich hatte mich aus meinem Account gekegelt. Da keines der Geräte den Code empfangen konnte, das neue offensichtlich noch nicht, das alte Gerät nicht mehr, musste ich den Support anrufen. Kopfweh die Zweite. Die bei Apple Care waren allerdings unglaublich freundlich, geduldig und sehr hilfsbereit. Ich bin wieder im Account drinnen. Ab- und Anmelden hätte ja nicht geholfen. So würden Diebe ja auch vorgehen. Jetzt bin ich auf alle Fälle wieder im Account und die Geräte funktionieren. Warum der Fehler am Donnerstag bei Siri aufgetreten ist, weiß ich nicht. Wäre das Microsoft, hätte ich gesagt, „ist halt Kleinweich“. Manchmal sind eben auch die Äpfel halt faulig, die Leute in den Geschäften sind aber sehr engagiert und kompetent.

6.2.18 05:51, kommentieren

Alles nicht so einfach

Mein völlig aufgeladenes IPhone ließ mich im Stich, wenn ich den Flugmodus deaktivierte. Es ging kurz an, wollte ich aber jemanden anrufen oder navigieren, ging es aus. Erst nach Anschluss an eine Stromquelle erreichte es nach sehr kurzer Zeit 100 %. So konnte ich mich weder heim navigieren lassen oder den flauschigsten Ehemann von allen anrufen.
Schweren Herzens entschloss ich mich für ein neues Gerät. Da für mich als Blinde IPhones sehr gut laufen, die Sprachausgabe ist gleich implementiert, kam halt nur ein IPhone in Frage.

Also installierte ich ITunes hier auf dem Rechner, erstellte ein verschlüsseltes Backup und fuhr in die Stadt, um mich mit dem flauschigsten Ehemann zu treffen.
Klar konnte ich ihn nicht darüber informieren, dass ich unterwegs war. Das Handy machte schlapp, obwohl just aufgeladen. Ich hatte nicht mal den Flugmodus deaktiviert, sondern nur das WLAN.

Ich wollte innerhalb der S-Bahn die Stufen hinunter gehen, das ging nicht. „Vorsicht, da steht meine Tasche! Ich bewundere sie ja immer.“ Die Bewunderungsschallplatte sprang an, aber die Tasche in den Weg stellen, damit man auch nicht von der Treppe kann, wenn man sich am Geländer festhält. Das ist ungefähr so eine Großleistung wie die meines IPhones.

Wir besorgten Weihnachtsgeschenke für Sohnemann und waren bei Apple. Ja, der Akku ist kaputt. 85 Euro wären fällig, mein IPhone wird aber nächstes Jahr nicht mehr upgedatet. Also zum Mobilfunkanbieter, ein neues Gerät kaufen.
Der liebevollste Ehemann besorgte dann noch ein Geschenk, während ich den Vertrag klar machte.

Da mein Mann das Auto auf einen P&R-Platz gefahren hatte, bei uns wird der Zaun repariert, fuhren wir dort hin und er musste das Fahrzeug freikratzen. Sogar der Warnsensor für Rückwärtsfahrten war zugeschneit und piepte.

Ich vergleiche das folgende Geschehen mit einer Autofahrt:
Backup einspielen, wir fahren los.
Jetzt dachte ich, es geht ganz einfach: IPhone an den Computer klemmen und das verschlüsselte Backup einspielen. So wurde es mir von mehreren Leuten erzählt.
Tja, alles nicht so einfach:
Das neue IPhone hatte nicht die neueste IOS-Version und deshalb konnte kein Backup auf ihm hergestellt werden.
Selbstredend muss man immer dem Computer vertrauen und ständig dies am IPhone und PC bestätigen.
Um die neueste IOS-Version einzuspielen, braucht es aber eine Wlan-Verbindung, wurde mir gemeldet  und ich vermutete stark, wahrscheinlich erst mal die Apple-ID. Gerade diese Friemelei wollte ich mir durch das Backup schenken.

Vollbremsung: 
Mein neues IPhone sperrte sich nach 30 Sekunden. Das kann ich nicht brauchen, wenn ich ein IOS update mache. Dann bekomme ich als Blinde wahrscheinlich gar keine Meldungen über die aktuelle Lage mehr und muss auch sehen, wie ich es entsperre. Wie merke ich, wenn es bereit ist?
Also, erst mal im Web suchen, wie man die Sperrzeit verlängert und dann das regeln.
Geschafft!

Umweg und erster Zwischenstopp, Apple-ID einrichten:
Jetzt musste das Passwort eingegeben werden und dann ewig der Code. Dann tauchte eine Meldung auf, eine Nachricht mit einem Bestätigungscode würde an mein anderes Gerät gesendet.
Super, tolle Idee, gerade das alte Gerät funktioniert ja nicht mehr richtig.
Jetzt musste ich erst mal das alte IPhone zum Laufen bringen, es bockte natürlich. Dann hatte ich es ohne Simkarte im Wlan und es empfing den Code. Und dann wieder im neuen Gerät die Icloud konfigurieren, Passwort hier, Passwort da.
 
Es gibt eine Umleitung auf der Strecke:
Jetzt musste ich trotzdem mit dem WLAN verbunden werden. Wo ist diese komische Adresse, damit mein Mann das Gerät ins Netzwerk bringen kann? Wieder mal im Web suchen. Dann das lange Netzpasswort eingeben.
Und ich war drinnen.
Bis die Aktualisierung von IOS vorbereitet wurde, machte ich den gestern angesetzten alkoholfreien Glögg warm.
Ich tüftelte und mir fiel nach einigen Minuten siedend heiß, im wahrsten Sinne des Wortes, der Glögg auf dem Herd ein. Mein Mann kam gerade noch rechtzeitig zum brodelnden Topf.

Es wird holprig: 
Jetzt unterbrach der PC einfach so die Verbindung zum IPhone, ich nahm doch das neue Kabel... Und endlich ging das Herstellen des Backups los.

Vollbremsung! Umweg.
Ach nein! Das geht nicht, wenn „mein IPhone suchen“ in der Cloud aktiv ist. Auch das musste ich mit Passwort ausschalten.
Jetzt, endlich, ging es los.
Brach wieder ab, trotz Originalkabel vom neuen, nicht vom alten gerät. Dann konnte ich den Code nicht eingeben, irgendwann schafften der flauschigste Ehemann und ich es gemeinsam.
Wieder holperte die Kommunikation zwischen IPhone und PC. Dann war es vollbracht.

Ach nein, wir müssen doch kurz noch mal los:
Und wieder startete die Konfigurierung bei Apple. Ich konnte mich mittlerweile nicht mehr auf das Passwort konzentrieren und muss es wirklich zweimal falsch eingefriemelt haben.

Alle Apps sollten jetzt laufen wie vorher. Nur, WhatsApp weiß das offensichtlich nicht. Ich komme nicht richtig mit dem App-Umschalter klar. Zumindest hat das neue Gerät wirklich meinen Homebildschirm und meine Sprachen übernommen. Meine Navigationssoftware funktioniert und kennt noch ihre Favoriten. Mein Kalender ist auch da, die Hörbücherei und das Quiz Duell auch. Mehr wage ich noch nicht zu sagen.

9.12.17 06:26, kommentieren

Schwedenlady macht einen Bruch

Donnerstag, 9. November 2017
Gestern gegen 11.30 Uhr habe ich einen Bruch gemacht und Edelsteine aus dem Tresor geholt. Das war ganz schön schwer. Mit Schere und Messer kam ich nur bedingt weiter. Vor allem wollte ich die Edelsteine nicht beschädigen, ich hätte mir sonst mein ganzes Leben lang Vorwürfe gemacht. Da standen vor mir also die beiden Tresore. Darin die Edelsteine. Ich hielt den Atem an. Vor allem, bei einem der Edelsteine spürte ich es ganz genau: Er wollte unbedingt zu den anderen. Der andere Edelstein machte mir allerdings mehr Sorgen, da er so gar nicht aus dem Tresor wollte.
Das beunruhigte mich sehr und trieb mich zur Eile an.

Die fliegenden Edelsteine wurden mir per Tiertransport geliefert. Ich war vollkommen nervös. Reicht denen das Futter? Wie stressig war die Anreise?
Die Transportkäfige sahen aus, wie halbe Häuser. Hinten höher. Vorne war in der Dachschräge ein feinmaschiger Draht angebracht. Die „halben Häuser“ standen mit dem Rücken aneinander und bildeten ein Haus.
Ich bekam die Häuser nicht von der Pappe herunter, auf der sie standen und schaffte es nicht, den Tesafilm zu lösen. Aber, beim ersten Haus bog sich bei meinen versuchen der Draht auf und ja, da war ein Nägelchen. Ich riss mit beiden Händen. Das „Dachfenster“ war offen und ich griff den warmen, fedrigen, fliegenden Edelstein. Es war der, welcher mir Sorgen gemacht hatte. Schon war er drüben.
Beim anderen Drahtgeflecht waren es mehr Nägel. Die gingen nicht heraus. Ich wollte mit dem Messer nicht den Vogel verletzen. Sein Piepen und sein in der „Doppelhaushälfte“ kruschteln, steigerten meine Verzweiflung. Nachbarn erreichte ich nicht, also riss ich unter verzweifeltem Weinen am Draht. Es gelang mir. Ich hielt den von meinem Geheule verschreckten Edelstein in der Hand, er ruhte sich erst mal beim Umsetzen auf meinem Finger aus und flog dann aber weiter.
Erst beim Arbeiten nach dieser Mittagspause bemerkte ich, dass meine Hände völlig zerkratzt waren, ein Finger die Tastatur vollblutete und diese kleinen Wunden schmerzten.

Ich habe zwei Fehler gemacht:
Erstens waren die richtigen Türen die Rückwand der  Kästchen. Ich hätte mir die Mühe sparen können. Und zweitens waren die fliegenden Edelsteine so gut versorgt, dass sie für 48 Stunden Nahrung gehabt hätten. Ich hätte also auch auf den flauschigsten Ehemann warten können, bis er am Abend heim gekommen wäre und hätte kaltschnäuzig im Arbeitszimmer weiter meinen Dienst tun können. Die Gedanken wären jedoch stets im Wohnzimmer gewesen. Mal ehrlich: Wer kann schon warten, wenn die Vögel doch in diesen kleinen Kästchen sitzen und zwei Meter weiter das Paradies steht? Wer kann die Stille in einem und das fieberhafte hinübergieren im anderen Kästchen aushalten?

Am Samstag, dem 4. November hatten wir drei Vögel gekauft. Mit diesen hier sind es sechs. Kay ist ja aus dem Tierheim. Diese hier sind Timbrados und stammen vom Initiator der Timbradozucht in Deutschland. Er hat sie mir geschenkt! Womit ich das verdiene, weiß ich offen gesagt nicht. Ich bin zu Tränen gerührt und tief dankbar. Vielen herzlichen, unsagbaren Dank, Herr E.!

Timbrados sind die Tenöre unter den Kanarienvögeln. Die Bässe sind Harzer Roller. Die besten Timbrados, die ich bisher im Internet fand, klingen so: Zusammenschnitt Timbradogesang, Youtube, hier klicken.

1 Kommentar 12.11.17 07:19, kommentieren