schwedenlady

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Meine Schminkgeschichte als Blinde

Jetzt erkläre ich, warum ich meist schminkunabhängig bin. Seit meiner Jugend sagt man mir, ich hätte eine sehr gepflegte Haut. Und richtig pflegen, nicht überpflegen, muss ich. Meine Haut ist trocken und empfindlich. Deshalb muss die Grundpflege regelmäßig geschehen und ich darf sie nicht ausfallen lassen.

Mein Interesse am Schminken begann schon mit sechs Jahren. Ich fand es lustig, wenn mich eine 14-jährige Freundin schminkte. Das fühlte sich toll an und roch so anders.
Mit 13 oder 14 Jahren bekam ich von meiner Mutter den ersten Lippenstift. Geschminkt hat sie mich, wenn etwas Besonderes anstand. Ich benutzte meist nur Lippenstift.
Und ja, ich hatte gegen Ende meiner Schulzeit eine Phase, in der ich mir die Nägel lackierte und vorsichtig um die Nagelhaut herum einen Nagellackentferner benutzte. Ich spürte schnell, dass dies keine gute Idee war. Ich konnte meine Nägel nicht tischplattenglatt lackieren. Helfen ließ ich mir deshalb bei den Nägeln von greifbaren, weiblichen Erwachsenen. Mutter, Freundin, egal. Einen Tag vor der Hochzeit hat mir meine Nachbarin die Nägel lackiert, das weiß sogar noch der flauschigste Ehemann der Welt.

Jetzt wieder ein Zeitsprung zurück – zur Ausbildungszeit.
Ich wollte jetzt auch Rouge benutzen. Manche Schminkprodukte vertrage ich überhaupt nicht und habe in meiner Schmink-Anfangszeit kurz nach dem Kauf bereits Produkte an die Freundin verschenkt, mit der ich am Tag vorher noch einkaufen war. Dann war ich mit der Ausbildung fertig und hatte genügend Zeit und Geld, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Vor allem Zeit, Geduld und den Mut zur Fehlfarbe muss eine blinde Frau haben. Fehlfarbe deshalb, weil der Lady nicht die Farbe gefällt, die eine unkonventionellere Freundin auswählt. Zum Stil muss es auch passen. Wenn Freundinnen hier von sich auf andere anwenden, was ihnen gut steht, nicht aber der blinden Freundin, wird das Ergebnis evtl. unrund.

Wie habe ich das Schminken in dieser Zeit überhaupt erlernt? Es gab einen Kurs einer Holländerin auf Kassette. Leider habe ich den nicht mehr. Und auch ich besaß das 50 Jahre alte Buch „Die Kunst des Schminkens“ eines erblindeten Models. Eine Erzieherin hat sich während unserer Schulzeit vorher übrigens auch mit uns darüber unterhalten und Tipps gegeben. Fachlichen Rat ob der Farben erhielt ich zunächst von besagter Freundin von weiter oben im Text.
Dann ging ich zu einer Fachberaterin, ließ mir helfen und mir Produkte empfehlen. Seither lasse ich mich nur von Fachleuten beraten. Im Gegensatz zu Frau Sonntag wende ich auch Creme-Rouge an. Das hatte ich schnell raus. Creme auf Creme, Puder auf Puder. Man fühlt auch, wie sich das Rouge verteilt und wie viel man aufgetragen hat.

Wie lange ich mir die Haare schon färben lasse, weiß ich offen gesagt nicht. Es gab da so einen Übergang zwischen Tönen und Färben, den meine Friseuse selber vollzogen hat. „Wir färben doch schon lange“, meinte sie dann zu mir. Ich hatte da wohl andere Probleme und mich nicht darum gekümmert, ob das schaumige Schönheitsprodukt auf meinem Kopf sich jetzt „Farbe“ oder „Tönung“ schreibt.

Nach einer kurzen Phase mit künstlichen Nägeln nach meiner Ausbildung war ich die Bedarfsfalllackiererin. Wenn nötig, ließ ich mir helfen. So auch vor Presseessen.
2013 half mir meine Freundin Karin damit, eine echte Lady, dann ging’s ins Nagelstudio. Das wechselte ich kurz vor der Schulter-OP. Von China-Nägeln zu richtiger Qualität, die nicht giftig ist. Außerdem habe ich Augenbrauen- und Wimpernfärben, die Wimpernwelle (Dauerwelle für die Wimpern), das Wachsen der Beine sowie regelmäßige Fuß- und Gesichtspflege, in die Hände einer Fachfrau gelegt. Die Wimpern tusche ich mir zusätzlich manchmal auch.
Im Home Office lasse ich meine empfindliche Haut mit ihrer besten Freundin, der auf sie abgestimmten Grundpflege, allein. Die Haut ist – im wahrsten Sinn des Wortes - entspannt. Oft stand sie unter Spannung, bevor ich die richtige Pflege fand.

Ich mag es nicht, wenn meine Schminkprodukte stark riechen. Ich frage mich, was dann schon wieder meinem Gesicht zusätzlich an Stoffen angetan wird. Duften soll mein Parfum, nicht mein Make-Up.

Geschminkt bin ich stets zu besonderen Anlässen: Wenn ich mit meinem Mann groß ausgehe, bei Arbeitsessen, zum Mädelsabend in elegantem Ambiente, beim Treffen mit lieben Menschen, die man länger nicht mehr gesehen hat, bei Besprechungen mit dem Landrat, überhaupt, wenn ich einen guten Eindruck hinterlassen will. Wir waren zwar heute zweimal einkaufen, da war ich beispielsweise nicht geschminkt, trug aber ein Sommerkleid mit Pailletten. Meine perfekten Fingernägel, die gezupften Augenbrauen und die schönen Wimpern waren heute gut genug. Letzten Freitag war ich außerdem beim Friseur und meine Haut fühlt sich auch wohl. Ich fühle mich hübsch und gepflegt, das reicht für den Alltag. Schön und ausdrucksvoll hebe ich für die anderen Schminkanlässe auf.

30.7.19 16:39

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