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Großes Abenteuer

Unser Sohn wollte mit der Münchner U-Bahn fahren. Also haben wir einen Ausflug gemacht und er hat zum ersten Mal in einem eigenen Hotelzimmer übernachtet, für einen Autisten eine große Leistung. Wir haben ihn allerdings darauf vorbereitet.

Samstag, 08.06.2019
Wir warteten auf gleis 8, wurden aber auf Gleis 7 geschickt, um zwei Minuten Später alle auf Gleis 8 zurückgescheucht zu werden. Wie alle rennen, sieht bestimmt von oben lustig aus.  Der ICE hatte schon fünf Minuten Verspätung und fing weitere ein. Anschlusszüge nach Italien wurden so nicht mehr erreicht. Das zum Thema Zug statt Flug. 

Unser Sohn fuhr sehr gerne mit der U-Bahn und sagte unsere Haltestellen beim Verlauf der U1 mit an. Die Münchner Linie ist wesentlich kürzer.
Am Rotkreuzplatz gibt es seit 1974 die beste Eisdiele Münchens und wir aßen dort Eis.
In Großhadern gibt es nicht nur ein Klinikum, sondern auch das familiengeführte Hotel Thalmair. Dort hatte unser Sohn ein Einzel- und wir hatten ein Doppelzimmer, direkt nebeneinander. Nebenan war ein italienisches Restaurant, Sohnemann wollte Nudeln mit Käse, trank Cola und war selig. Im Hotel erklärte Papa ihm den Fernseher und was er aus der Minibar trinken darf, Cola und Mineralwasser - und was nicht. Wir duschten und sahen Fußball. In der Halbzeit klopften wir bei Sohnemann. Er sah im MDR eine Musiksendung mit Sommerhits und den entsprechenden Videos. Frühstück gab es ab sieben, wir leisteten Überzeugungsarbeit,
dass "ab sieben" nicht "um sieben" heißt und er bis neun schlafen darf. Unser Sohn sagte, er möchte morgen früh duschen und umarmte uns beim Gute-Nacht-Sagen, was selten vorkommt. Wir hatten das Gefühl, er war sehr stolz, allein in einem Hotelzimmer zu übernachten.

 

Am nächsten Morgen weckten wir ihn. Er hat auch verstanden, dass er immer beim Verlassen des Zimmers die Chipkarte mitnehmen muss.
Beim Frühstück sagte er nur "leer", zur Servicedame, als die Saftflasche leer war. Wir erklärten seine Behinderung. Sohnemann meinte, das Haus sei 2014 gebaut worden. Er sah wohl eine Tafel. Beim Auschecken sagte die Rezeptionistin, das Hotel ist 2014 renoviert worden. Uns hat es dort sehr gut gefallen. Unser Sohn wurde mit seiner Behinderung angenommen wie er ist.

Wir fuhren noch die letzte U-Bahnlinie des Streckennetzes ab. Gestern wollten wir alle das nicht mehr.
Auf Gleis 23 warteten wir auf den ICE. Er fuhr auf Gleis 19, nein, Gleisänderungen teilt man nicht mit, die müssen von Vätern erfragt werden. Es kommt noch besser! Zum Erstaunen der Fahrgäste erscholl eine Durchsage, der Lockführer wartet auf eine schriftliche Fahrerlaubnis für eine Langsam-Fahrstelle. "Wenn ich das erzähle, glaubt mir das kein Mensch", meinte ich. Wir kamen wieder mit Verspätung an.

 

Unser Sohn hat begriffen, wie eine Hotelübernachtung funktioniert und ich denke, das ist ein großer Schritt für ihn: Neues ist nicht schlimm, sondern nur neu. Das wird ihm sicher auch beim selbständigeren Wohnen und im Job helfen.

 

Der Familienausflug zur Wilhelma am Samstag, dem 27. Juli war schön und bei heißem Wetter wie immer.

30.7.19 16:25

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