schwedenlady

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Sommerausflug mit Sohnemann

Ich wollte ja "noch" über den Ausflug mit Sohnemann berichten. "Noch" - ist jetzt:

 

Donnerstag, 09.08.2018
Das Taxi holte erst mich im Hotel und dann mit mir Sohnemann ab. In R. war der Taxifahrer felsenfest der Ansicht, der Zug führe auf gleis eins. Sohnemann sagte immer „Gleis drei“ und streckte mir den Arm hin, nach dem Motto: „Jetzt komm endlich, Mama.“
„Ihr Sohn hat Recht!“ Rief der Taxifahrer und wir zogen los.
In Friedrichshafen ging es mit dem Katamaran Richtung Konstanz. Unser Sohn führte mich perfekt aufs Schiff und fand auch Plätze für uns.
Im Sea Life in Konstanz machte ein netter Herr Bilder mit meinem Handy von Sohnemann bei seinen Lieblingstieren, den Pinguinen.
Später ließ unser Junge sich von mir einen kleinen Bernstein in einem Würfel und ein Halstuch schenken.
Die Leute merken oft nicht, dass er Autist ist. So war es beim Einkauf des kleinen Plastikwürfels mit Bernstein. Ich fragte den Kassierer, was er sich da ausgesucht hat, der schwieg konspiratorisch. Erst als ich sagte: „M mein Sohn ist Autist, er spricht wenig“, erhielt ich Auskunft. Nein, wenn er einen Goldbarren aussuchen würde, dürfte ich das als blinde Mutter natürlich nicht wissen. Dämlack.

Die hervorragende und wirklich von Italienern geführte Pizzeria Casa Blanca fand unser Sohn wieder auf Anhieb. Es schmeckte wie immer vorzüglich. Da wir einige Stufen erhöht saßen und noch die Rucksäcke oben lagen, als wir vom stillen Örtchen kamen, ließ mich Sohnemann unten stehen und brachte erst meinen, dann seinen Rucksack. Die Rückfahrt lief wieder problemlos. Sohnemann zeigt mir auch immer die Haltestange innen im Zug, wenn wir einsteigen.

 

Am nächsten Tag fuhren wir heim. Im Stuttgarter Baubahnhof wollte Sohnemann zu McDonald’s, ich aber zum Klo. Er fand es – und war weg. Ich fragte das Personal, er war zum Herren-Klo gegangen, ich ließ mir das Behinderten-WC zeigen. Es ist oft größer und deshalb unübersichtlicher für mich als Blinde. Ich bevorzuge das normale Klo, wollte aber nicht diskutieren. Sohnemann kam und rief meinen Vor- und Nachnamen. Er wusste, wo ich war. Früher, als er noch eine hohe Stimme hatte, fragte er vor der Türe: „Mama?“ Und drei Damen antworteten. Das umgeht er seither mit dem Namen.
Das Personal nahm nicht mal Geld an. Die Dame meinte, ich hätte es schwer genug. Ich ließ es so stehen, denn, mit dem Aufpassen auf zwei Rucksäcke und dem Schrecken als Sohnemann plötzlich weg war, hatte ich nicht nur noch die Panik im Gesicht, sondern fühlte sie immer noch. Eigentlich weiß ich tief in mir drinnen, er verschwindet nicht einfach so. Trotzdem – die Schrecksekunde bleibt.
Bei McDonald’s suchte er sich irgendwas aus, ich zahlte und setzte mich erschossen daneben.
Sohnemann fand das Gleis und sagte zu einem fremden Mann „Rutschen!“
Er: „Das ist eine Unverschämtheit!“ Ich erklärte, mein Sohn ist Autist, woraufhin mein Sohn „Mama blind!“ rief. Der Mann verstand alles und erklärte Sohnemann den Wagenstandsanzeiger.
Sohnemann fand dann auch den richtigen Wagen, bei den Sitzplätzen haperte es. Und hier musste ich wieder den Umsitzenden Leuten erklären, warum ich Hilfe beim Herausfinden der reservierten Sitzplatznummern benötige.
Der Zug hatte von Anfang an ungefähr eine Stunde Verspätung.
Der flauschigste Ehemann und Vater holte uns in N. ab.

24.11.18 07:24

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maccabros (11.12.18 06:28)
das klingt anstrengend, aber doch auch sehr schön

Lg und Euch vorab schöne Feiertage

Maccabros

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