schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Mein Kaffeevollautomat ist eine Nivona 9

Man half mir bei
La dolce vita & World of coffee
Untere Brauhausstraße 2-6
90518 Altdorf
Telefon: 09187/4677
Telefax: 09187/905595
Email: Ldvaltdorf@web.de
Öffnungszeiten: Mo - Fr 09.00 - 18.00 Uhr. Sa 09.00 - 13.30 Uhr

Mittwoch, 28.08.2019 

"Was? Die Nivona konnte man nicht mit der App verbinden? Das gibt's überhaupt nicht! Kommen Sie mit ihrem Mann vorbei." Wir waren richtig gut aufgehoben. Natürlich ließ sich die App mit den diversen Maschinen verbinden. Man musste nur die Verbindung wählen.
Gut, diese Taste ist ausgerechnet nur mit "Taste" gelabelt. Der Kaffeebezug klappte bei beiden Maschinen, der 7er und der 9er Serie. Ich bekam immer das bestellte Getränk. Auch hier funktioniert die Reinigung und Pflege (noch) nicht mit der App. Das gibt es offensichtlich bei keinem Anbieter. Wir probierten und testeten beide Maschinen. Bei der 9er Serie gab es den Unterpunkt "Pflege". Der enthält zwar noch keine Reinigungsprogramme, was nicht ist, kann aber noch werden. Bei "Mein Kaffee" war noch nichts am Gerät in der Firma  eingestellt. Außerdem kann man bei der 9er zwei Getränke gleichzeitig machen, beispielsweise zwei Espressi. Wir nahmen die Maschine mit, alles klappte wie am Schnürchen! Man hat sich sehr viel Zeit für uns genommen. Ich habe viel Kaffee dort zum Ausprobieren produziert, das war es wert. Ich kann das Geschäft nur jedem empfehlen. Die Verkäuferinnen sind sehr freundlich und zuvorkommend. Dort gibt es alles rund um das Thema Kaffee, nicht nur Vollautomaten.

Es stellte sich heraus, bei „Mein Kaffee“ verschwinden die programmierten Getränke aus der App.
Wir schrieben das Nivona, eine Woche später gab es ein Update, alles funktioniert. Ich bin sicher, Nivona macht seine Geräte auf lange Sicht für Blinde komplett bedienbar. Ein großer Schritt ist getan. Ich wohne auch in der Gegend und kann gern bei der Entwicklung mithelfen.

Ich bin sehr zufrieden. Die Reinigung übernehmen mein Mann und ich zurzeit noch gemeinsam. Ich freue mich, wenn ich das mal alleine kann.
Verschweigen möchte ich nicht, dass die App keine Rezeptkonfiguration mit der Bedienungshilfe Voice Over ermöglicht. Das ist schade, die Firma Nivona weiß es aber.
Wir haben das bisher durch den Getränkebezug gelöst.
1 Latte Macchiato mit 150 ml für unsere neuen Gläser für Gäste,
1 Cappuccino mit 150 ml für meine Cappuccinotassen,
1 Espresso zu 30 ml für meine Espressotässchen.
Will ich einen großen trinken, stelle ich einfach eine große Tasse unter und wähle zwei Tassen.
Jetzt, nach dem Update, werden mit den 9 Kaffeeeinstellungen auch mehrere Dinge möglich.
Es ist noch nicht alles perfekt für uns Blinde, aber, ich bin guter Dinge. Die Hauptsachen lassen sich einstellen. Alle Getränke lassen sich beziehen, ohne Abstriche. Man kann jedem Gast jedes verfügbare Getränk anbieten.
Ist kein Sehender mit im Haushalt, muss man halt mal in der Woche jemanden finden, der ein Auge drauf hat. Ansonsten spült man den Milchschlauch selber und reinigt ihn mit dem Schlauchbürstchen. Das zählt die Maschine zwar nicht mit, aber, wie gesagt, es ist da schon noch jemand von Nöten, der diese Schritte ausführt, damit die Maschine weiß, wir sind keine Nichthygieniker.

 

14.9.19 16:48, kommentieren

Die Suche nach einem Kaffeevollautomaten

Mein Nachbar hat eine De Longhi, die es aber auf dem deutschen Markt nicht gibt.

Ich erkannte recht schnell, der Touchscreen ist „in“.

Ein örtlicher Fachhändler schaffte es nicht, die Nivona und die App zusammenzubringen. Nach dem Einschalten erschien aber das letzte Rezept.

„Dann machen sie halt das und drehen einfach eins nach rechts oder links. Mehr braucht man ja nicht.“

Auf die Frage, ob die Dame unter diesen Umständen ernsthaft auch 1.300 Euro ausgeben würde, wäre sie an meiner Stelle, erhielt ich keine Antwort.

 

Bei Jura im Laden war es besser. App und Maschinen verbanden sich. Zwar war die App sehr träge, beim Rechtswisch überhüpfte sie mit der Bedienungshilfe Voice Over den Latte Macchiato, mit Linkswisch war er da. Ich tippte ganz schnell zweimal – Espresso kam. Das wurde leider nicht viel besser, ein Jammer.

Zwei Wochen später: Auf meinen Besuch im Laden hin gab es wohl ein Update, die App von Jura läuft jetzt mit Siri.

 

Viele Maschinen ließen nicht jedes Getränk ganz einfach für mich erreichen. Im Mediamarkt lud ich mir die App von Siemens, da stand auch eine Maschine. Leider wollte man dort nicht die Maschine und mich zum Testen ins W-LAN lassen, dann halt nicht. Ich kann die Katze nicht im Sack kaufen.

Ein Geschäft stand noch aus, dazu in einem gesonderten Eintrag mehr. Die haben mein Problem erkannt und alles getan, was in ihrer Macht stand, mir zu helfen.

 

Da ich diverse Firmen angeschrieben hatte, antwortete Elektro Engelhardt aus Eckental. Ja, die Siemens lässt sich mit der App Home-Connect und Alexa bedienen, sie haben sie aber leider nicht da. Ein Link zu einem Youtubefilm wurde mir geschickt und ich rief den Youtuber an. Ja, die Maschine macht Getränke per App, Reinigungsdialoge usw. gibt’s leider nicht über die App. Schade. Auch der Hinweis, dass die App einfach nur das Display ersetzen soll und wir Blinde auch Dialoge weiter klicken können, brachte beim Hausgerätedienst, der zu Bosch ausgelagert ist, (noch) kein Umdenken. Da ist man noch dabei, dem Blinden nicht zuzutrauen, eine Tasse unterzustellen, wenn die Maschine spült und man muss ja auch den Kaffeesatzbehälter leeren. Für uns wäre es einfach toll, wenn das IPhone auch sagt, was auf dem Display steht und man nach den jeweiligen Schritten den Dialog weiterklicken kann. Das Smartphone als Fernbedienung für das Gerät - anstelle des Touchscreens. 

14.9.19 15:34, kommentieren

Haushaltsgeräte für Blinde

Ein Kaffeevollautomat (oder Haushaltsgerät) für Blinde müsste:
Keine Sensortasten oder keinen Touchscreen haben. Man fühlt keinen Unterschied. Es darf keine Menüführung geben, da Menüs ohne Sprachausgabe nicht bedient werden können. Der Blinde weiß nicht, was auf dem Display erscheint.
Drehknöpfe sollten bei den diversen Stellungen einrasten.
Außerdem, markiert man den Drehknopf am „Zeiger“, darf er nicht durchdrehen. Das bedeutet: Kommt er oben auf der imaginären 12 Uhr wieder an, muss das Gleiche auf dem Display erscheinen wie vorher. Nichts anderes, kein anderes Getränk. Schön wäre ein Anschlag auf beiden Seiten, wie bei der Senderkurbel eines alten Radios.
Am Besten wären bei Haushaltsgeräten fühlbare Tasten und Schalter, deren Stellungsveränderung auch fühlbar bleibt.  Z. B. bis das Programm/der Vorgang abgeschlossen ist. Die Schalter und Tasten sollten dann bis zum Ablauf gedrückt oder gekippt bleiben.
Schön wären akustische Bestätigungssignale nach der Auswahl eines Vorgangs.
Spülmaschinen könnten ja auch beim Einschalten per Sprachausgabe signalisieren, ob sie Salz, Klarspüler oder ein Pflegeprogramm benötigen. Für Sehende leuchten Lämpchen.

Gegebenenfalls wäre die Bedienung durch eine App eine Option. Diese muss aber auch mit der Bedienungshilfe im Smartphone nutzbar sein, alle Tasten müssen für die Bedienungshilfe im Tooltip gelabelt sein, da darf nicht nur „immage1“, „Taste“ oder so auftauchen und für den Sehenden ein Bild erscheinen.
Unter diesen Voraussetzungen begann ich meine Suche nach einem Kaffeevollautomaten.

14.9.19 15:16, kommentieren

Argumente für einen Kaffeevollautomaten

Seit 1990 hatte ich eine Siebträgermaschine mit Dampflanze, heißt das – denke ich.
Jedenfalls besaß ich keine Kaffeemühle. Das hieß im Klartext:
Pulver in den Sieb einfüllen. Für zwei Espressi den großen Sieb, für einen den kleinen. Danach mit dem Stopfer andrücken und den Sieb im Siebträger platzieren.
Espresso/i machen. Die Maschine stoppte nicht, ich musste immer von Hand fühlen, wann die Tassen voll waren. Kein Problem, die Crema wurde nicht so heiß. Espresso/i wegstellen, Siebträger und Sieb sowie Dosierlöffel und Stopfer spülen, abtrocknen, aufräumen.
Danach die Arbeitsfläche putzen, den Brühkopf und die Maschine säubern. Dann die Milch aufschäumen. Ja, auch hier fühlen, wann genug Milch und Milchschaum in der Tasse waren, die Maschine stoppte ja nicht.  
Dampflanze säubern, an der Maschine wg. Milchspritzern und großzügig drum herum sauber machen. Espresso und Milch zusammenfügen. Waren Gäste da, war ich beschäftigt.
Das alles führte dazu, dass ich zwar liebend gern eine Latte Macchiato oder einen Cappuccino gehabt hätte, mir der Aufwand aber zu groß war. So stand der Espresso oft zwei Jahre lang und wurde geöffnet nicht besser.

Wie wäre es da mit einem Kaffeevollautomaten? Der mahlt die Bohnen frisch, nimmt gleich die richtige Pulver- und Wassermenge, schäumt die Milch auf und fügt alles zusammen.
Das Reinigen wäre auch leichter, weil es nicht so sehr spritzen würde, ich keine Siebe usw. spülen müsste und die Arbeitsfläche nicht so dreckig würde...
Ja, ich bin faul. Muss man aber alles von Hand regeln, die Laufzeit des Espressos, der Milch... Dann wird man es. Ein Gedanke – und die Sucherei geht los.

Was wäre, wenn ich einen Kaffeevollautomat kaufen würde

14.9.19 14:22, kommentieren

Mit Sohnemann allein im Hotel

Mittwoch, 04.09.2019
Ich habe Frau Helene besucht. Ihre Schwiegertochter war auch da und wir haben Seelen gegessen. Das ist eine oberschwäbische Spezialität, ähnlich einer Laugenstange, nur eben als Brötchen, so ungefähr. Gegen 18.30 Uhr habe ich mit dem Taxi Sohnemann abgeholt.
Der Rezeptionist ist mit uns im Hotel Residenz in Ravensburg zum 2. Stock hochgefahren, durch eine Glastüre, ins Treppenhaus. Dort gab es zur Hälfte der Treppe ein Geländer, dann ging’s ohne um die Kurve und weiter mit Geländer. Unter dem Dach befand sich das Apartment. Sohnemann wurde das Türsystem mit Chipkarte erklärt. Wir haben uns erst mal eingerichtet und dann noch im Hotel etwas im Lokal Muke getrunken. Mein Sohn erzählte, er hätte auf der Gruppe gegessen.
Gegen acht duschte er, ich danach. Er sah Fern, Sendungen über Käserei usw. auf dem 3. Programm „Baden-Württemberg“, wie er immer sagt. Ich war völlig fertig und schlief. Mein Sohn war im Wohnzimmer „Aufgebettet“, wie das Hotel so schön schreibt, ich im Schlafzimmer. Das Wohnzimmer hatte keine gesonderte Türe, wohl aber das Schlafzimmer. So schloss ich meine Türe und er hatte sozusagen auch ein Einzelzimmer. Um 22.00 Uhr stand ich auf, wollte ihn just an die „Bettzeit“ erinnern, wie er immer sagt, da war er aber schon im Bad, sich nachtfertig zu machen.

Donnerstag, 05.09.2019.
Beim Frühstück wurde uns hervorragend geholfen! Mein Sohn bekam einen Kakao, er bediente sich selbst am Buffet und ich bekam Hilfe. Hervorragend. Wir liefen zum Bahnhof. Das klappte ausgezeichnet, auch über die drei Ampeln. Dann mit der Bodenseebahn nach Friedrichshafen. Dort schafften wir den Katamaran Richtung Konstanz.
Ich organisierte ihm eine Cola, mir ein Wasser, eine Dame half uns mit den Getränken.
Sohnemann erkennt die Euroscheine, wenn ich ihn frage, was dieser oder jener Schein für einer ist.

Im Sea Life ging alles glatt - wie immer. Er fotografierte die Pinguine, „ohne Blitz“, wie er sagte. Er ließ sich wieder ein Fossil in einem Plastikwürfel schenken.
Dann gingen wir im Regen zur Pizzeria Casa Blanca. Er aß Nudeln in Butter geschwenkt, ich einen gemischten Salat mit Putenstreifen.
Es regnete – auch noch in Ravensburg – deshalb fuhren wir mit dem Taxi zum Hotel.

Wir ruhten uns bis 18.00 Uhr aus. Dann gab’s im Muke für uns Käsespätzle. Ich glaubte, ich hörte nicht richtig! Als wir nach einem kleinen Salat dazu gefragt wurden, bestellte mein Sohn einen (ich hatte ja mittags schon) und er aß ihn auch. Er wollte dann noch eine Kugel Eis, ohne alles, ich einen Kaffee.
Beim Abendessen sagte ich:
„Morgen müssen wir packen.“
Das Fläuschchen antwortete:
„Koffer packen. Koffer schwer machen.“
Ja! Ich liebe diesen feinen Humor! Morgen noch eine Kostprobe.
Er sah wieder „Baden-Württemberg“ und ich schlief, erinnerte ihn aber um 22.00 Uhr an die „Bettzeit“.

Freitag, 06.09.2019
Es wollte jemand um sieben aufstehen und tönte da gestern auch den ganzen Tag kräftig damit. Nein, nicht um halb acht. Also weckte ich um sieben. Grummelgrummel, im Bett umdreh.
„Bleib liegen bis um halb acht“, meinte ich und drehte die Reihenfolge im Bad um. Beim Frühstück bekamen wir wieder hervorragend Hilfe. Wir machten die Rucksäcke schwer und Sohnemann sah das Taxi zuerst.
In Stuttgart fand er den Weg zum Klo, „WC, Schild“ das Klo und ich gab ihm Kleingeld, 1 Euro. Wir wurden vorher angepampt, wir sollen warten, die andern machen das ja auch. Sohnemann hat’s wohl nicht so mit dem Umreißen von den Enden einer Schlange und ich sehe es nicht. Da passierte das Vordrängen unabsichtlich.
Hauptsache, Sohnemann ging. Ich hatte genug Stress und wartete bis N., nicht, dass ich wieder angeschnautzt würde, weil Pascal die Gepflogenheiten nicht erkennt und ich das Schlangenende nicht sehe. Es reichte mir. Ich ziehe mich dann meist zurück, wenn ich traurig bin. Ich kann ja auch nichts dafür.
Kurz vor unserer eigentlichen Ankunftszeit wurde eine andere Haltestelle angesagt, deshalb konsultierte ich die App „DB Barrierefrei“.
Dort übersah ich die Bahnhofstafel in N.
„Super, 10 Minuten Verspätung. Keiner teilt’s uns mit, dazu muss man die App befragen.“
Sohnemann darauf:
„Deutsche Bahn, langsam.“ Herrlich, wie gesagt, ich liebe diesen feinen Humor.
In N. holte uns der flauschigste Ehemann und Vater vom Bahnhof ab und auch meinem inneren technischen Druck wurde abgeholfen.

Ich finde es mit Sohnemann im Hotel besser als die ewige Taxikurverei zwischen Gruppe und den anvisierten Zielen. Es ist stressfreier. Kein Taxi muss so koordiniert werden, dass wir hinterher alle Züge erwischen. Sohnemann hat das mit der Chipkarte sehr großen Spaß gemacht. Ich glaube, ihm hat’s im Hotel gefallen.

14.9.19 13:54, kommentieren

Lilienthal kommt heim

Lilienthal konnte eigentlich nach fünf Tagen Antibiotikum in die Voliere zurück. Allerdings ließ ich sie noch zwei Tage zur Beobachtung im Einzelkäfig, bis ich sicher war, dass sie nicht schwer atmet. Interessant war, dass sie wenig begeistert war, als sie in meiner Hand saß. Zwei Schritte vor der Voliere wurde sie ruhig, es ging ja nur heimwärts, keiner wollte etwas seitlich in den Schnabel tropfen.

Wir hatten wunderschöne Sommersonntage, die wir im Garten verbrachten. Ansonsten war das Wetter nicht so sehr nach im Pool baden.

14.9.19 13:13, kommentieren

Rund um die Federkleidgesellschaft

Di, 04.06.2019
Loreley rieb sich ständig unter dem Auge am Gitter, es war geschwollen. Wir gingen mit ihr und Caruso zum Tierarzt, der flauschigste Ehemann dachte, Caruso hätte das Gleiche. Bei Caruso sahen wir Gespenster. Sicher ist allerdings sicher. Loreley hatte eine Sinusitis infraorbitalis. Sie wurde zweimal mit Punktion und oraler Antibiotikagabe nach Resistenztest behandelt. Der ganze Bestand bekam ein Antibiotikum. Hat man Nebenhöhlengeschichten in der Voliere, verbreitet sich das rasend schnell weiter. Das Antibiotikum lief bis zum 10. Juni.

Am Mo, dem 17. Juni, Schubberte Loreley wieder am Gitter. Es war wieder geschwollen, wenn auch weniger. Loreley wurde wieder unter dem Auge punktiert, ohne Narkose. Ich verstehe, dass bei so einem kleinen Organismus eine Narkose schwierig ist. Vögel sind allerdings schlau. Loreley konnte punktiert werden, ohne, dass jemand anders sie halten musste. Sie konnte von der Tierärztin allein gehalten und punktiert werden. Ich denke, Loreley hat begriffen, dass man ihr helfen und sie nicht aus purem Sadismus quälen wollte. Sie durfte zurück in die Voliere.
Der nette Mann der Tierärztin fuhr sie und mich heim, ich konnte schlecht laufen. Etwas merkwürdiges, wie ein Mückenstich, es war aber keiner, behinderte mich. Das Ding wurde vom Hausarzt unter Betäubung entfernt, da es sich ohne eben nicht wegschneiden ließ. Auch noch im Urlaub waren sitzen und stehen schwierig, liegen und laufen waren in Ordnung. Das Ganze wird eingeschickt, ich warte aufs Ergebnis.

Die Vögel bekamen noch mal vier Tage lang Antibiotikum. Aviconcept gab und gibt es ins Futter, da unsere Jungvögel in der Jugendmauser sind und ihr Erwachsenengefieder bekommen. Mit Aviconcept habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht: Wir hatten vor vielen Jahren einen Vogel gekauft, der am Kopf eine federlose Stelle besaß. Er hatte keine Milben. Die Tierärztin machte uns wenig Hoffnung, gab uns aber das Mittel mit. Es half. Und seither verwende ich es in der Mauser und bei bestehendem Bedarf.

Das habe ich gar nicht erzählt!
Lilienthal, unser so herrlich und viel fliegendes Kanarienweibchen, saß ganz ruhig und fest auf einem Nest. Sie ließ sich durch nichts stören. Am Samstag, dem 27. April, fühlte ich unter ihr keine Eier, sondern etwas flauschig Warmes.
Ich ließ mich überraschen. Zwei Jungvögel waren geschlüpft. Wer der Vater ist, Jussi oder Caruso, wissen wir nicht. Der flauschigste Ehemann tippt auf Caruso. Beide kümmerten sich liebevoll um Mutter und Kinder.
Am 15. Mai wurden die Jungen flügge. Der Weg führte erst mal abwärts.
Später schoss einer vom Boden aus hoch zum Dach der Voliere, Ikarus. Dädalus ließ es ruhiger angehen.

Und ich war unsicher, wann man Grünfutter geben darf, im Web waren unterschiedliche Zeitangaben zu finden. Also fragte ich die Tierärztin.
Lehrmeinung früher: Nach sechs Wochen. Lehrmeinung heute, nach zwölf Wochen. Grund ist die Umweltverschmutzung und es ist völlig egal, ob Bio, aus dem eigenen Garten  oder nicht. „Wir reden von Organismen mit wenigen Gramm.“

 

Kai brütete auch, wie so oft auf unbefruchteten Eiern. Aber, lieber sitzen lassen und den Bruttrieb abfangen als Eier wegnehmen. Sonst legt sie jeden Tag wie ein Huhn und belastet sich zu sehr.
Wenn Kai am Futter war, übernahm Loreley das Nest. „Rent a Brutvogel“, meinte mein Mann lachend. Allerdings sang Loreley aus vollem Herzen in dem kleinen Käfig, bevor sie wieder unter dem rechten Auge punktiert wurde. Ich hatte schon mal einen Kanarienhahn, der seine Henne beim Brüten vertreten hat. Loreley ist zwar ein Männchen, behält aber den Namen. Wir stiften sonst nur Verwirrung in der Kartei der Tierärztin. Dann wissen wir also, wer hier verbandelt ist und ich gönne es Kai, dem Vögelchen aus dem Tierheim (hier klicken).

Aber weiter:
21. Juni 2019
Als wir nach Schweden fuhren, lief das Antibiotikum den letzten Tag und die Vögel durften im Tierheim in Vogelzimmer noch nicht fliegen, damit keine anderen Vögel es trinken, wenn sie zu den Kanarienvögeln in den offenen Käfig fliegen. Es waren ein fast zahmer und im Garten aufgefundener Wellensittich und zwei Kanarienvögel – auch im Urlaub als Gäste abgegeben – da. Ich bin froh, dass die Vögel im Tierheim gleich in guten Händen gewesen wären, wenn Loreley weiterhin Hilfe benötigt hätte. Bei der Tierärztin bat ich um eine Mail, was Loreley gehabt hat und wie sie behandelt wurde. Diesen „Arztbrief“ mailte ich ans Tierheim weiter.

Donnerstag, 11. Juli. Allen Vögeln geht es gut, Loreleys Auge wird besser und „ich habe ein Attentat auf sie vor“, sagte Frau H. vom Tierheim. Der wirklich uralte Vogelgast ist im Tierheim gestorben. Seine junge Gespielin, sie ist zwischen zwei und drei Jahre alt und heißt Kiwi, „fliegt so schön mit ihren mit. Würden sie das Vögelchen nehmen?“.
Klar, ich werde. Die Besitzerin hat keine Zeit mehr. Ich verstehe, dass der Vogel angeschafft wurde, damit ihrer nicht allein ist. Irgendwann muss man halt einen Schnitt machen, wenn man die Vogelhaltung aufgeben will. Sonst bleibt in solch einem Fall immer ein Einzelvogel übrig. Will man das nicht, muss sich ein Vogelhalter finden.

Freitag, 12.08.2019
Endlich! Der Vogelchor ist wieder da und füllt die Wohnung. Kiwi hat eine Fußverletzung. Der flauschigste Ehemann bemerkte es. Ich versäumte es, sie beim Fangen anzufassen, Lutz fing sie mit dem Netz. Entweder hat sie nur noch eine Kralle oder steht auf dem Beinstumpf. Das hat sie von Geburt oder bei der Vor-Vorbesitzerin erworben. Sie kam im großen Vogelzimmer zurecht und wird es deshalb in der Voliere auch schaffen. Sie fliegt schön und landet sicher. Wenn es mal nicht mehr geht, richte ich ihr unten Wasser und Futter ein. Wir werden sehen.

Mi, 07.08.2019:
Lilienthal macht hin und wieder Atemgeräusche. Im strömenden Regen trug sie Lutz im kleinen Ausstellungskäfig unter den Fittichen eines Handtuchs mit mir zur Tierärztin. Lilienthal schaffte es fast, die Tierärztin an der Nase herumzuführen. Die Atemwege waren frei und die Geräusche traten erst wieder auf, als sie länger bei der Tierärztin in der Hand saß. Da aber auch nur leicht. Nur ich habe es von uns allen gehört. Deshalb dachten wir an Immunstimulanz. Als die Tierärztin ihr den Rücken kehrte, ging das Schnabelsperren los. Lilienthal bekommt im Einzelkäfig fünf Tage Antibiotikum vom flauschigsten Ehemann in den Schnabel. Ich halte sie. Begeistert ist sie nicht. Es ist ein Kampf. Wir waren so schnell, die Voliere braucht kein Antibiotikum. Es gibt keinen Auswurf bei Lilienthal, wir haben es frühzeitig abgefedert.

1 Kommentar 7.8.19 17:25, kommentieren

Der Geschmack von Lippenrot

Interview mit Jennifer Sonntag zu ihrem Buch „Der Geschmack von Lippenrot“ | kobinet-nachrichten, hier klicken. Dieses Buch, welches man in den Blindenhörbüchereien ausleihen kann, besticht durch gute und strukturierte Gliederung. Es ist ein Rundum-sorglos-Paket für alle Frauen mit Knick in der Optik (und auch ohne), die sich mit ihrer Außenwirkung beschäftigen. Ich finde es lesens- und hörenswert. Viele Denkanstöße und Tipps um Stil, Schminken, Körpersprache, die Wirkung von Wort und Stimme werden vermittelt. Wie man stilvoll geht, sitzt, der Händedruck... Kurz, die gesamte Person von Kopf bis Fuß steht im wohlmeinenden Focus und Frau kann sich, wenn gewünscht, teilweise oder ganz runderneuern.
Das Buch handelt auch von den diversen Phasen der Behinderungsverarbeitung. Diesen Abschnitt habe ich als Geburtsblinde übersprungen. Die Ratschläge sind nie befehlend. Hat jemand eine andere Schminktechnik, soll sie beibehalten werden.

Im gesamten Buch spricht, sozusagen, eine Freundin und teilt auch ihre Erfahrungen mit. Auch an Beispielen aus dem eigenen (Er)Leben.

Es gibt noch mehr Wortkunstwerke wie die Titelüberschrift. Die "Haarmonie" fand ich ja noch witzig. Wie ein Wimpernschlag klingt, weiß ich offen gesagt immer noch nicht. Manche Wortspiele sind - Entschuldigung - irgendwie albern. Darüber kann man allerdings locker hinwegsehen. Es ist ein lesenswertes Buch und hat mich dazu angeregt, mich zu fragen, warum ich so oft schminkunabhängig bin. Ich bin eine Mischform. Dazu später mehr.

1 Kommentar 30.7.19 16:46, kommentieren

Meine Schminkgeschichte als Blinde

Jetzt erkläre ich, warum ich meist schminkunabhängig bin. Seit meiner Jugend sagt man mir, ich hätte eine sehr gepflegte Haut. Und richtig pflegen, nicht überpflegen, muss ich. Meine Haut ist trocken und empfindlich. Deshalb muss die Grundpflege regelmäßig geschehen und ich darf sie nicht ausfallen lassen.

Mein Interesse am Schminken begann schon mit sechs Jahren. Ich fand es lustig, wenn mich eine 14-jährige Freundin schminkte. Das fühlte sich toll an und roch so anders.
Mit 13 oder 14 Jahren bekam ich von meiner Mutter den ersten Lippenstift. Geschminkt hat sie mich, wenn etwas Besonderes anstand. Ich benutzte meist nur Lippenstift.
Und ja, ich hatte gegen Ende meiner Schulzeit eine Phase, in der ich mir die Nägel lackierte und vorsichtig um die Nagelhaut herum einen Nagellackentferner benutzte. Ich spürte schnell, dass dies keine gute Idee war. Ich konnte meine Nägel nicht tischplattenglatt lackieren. Helfen ließ ich mir deshalb bei den Nägeln von greifbaren, weiblichen Erwachsenen. Mutter, Freundin, egal. Einen Tag vor der Hochzeit hat mir meine Nachbarin die Nägel lackiert, das weiß sogar noch der flauschigste Ehemann der Welt.

Jetzt wieder ein Zeitsprung zurück – zur Ausbildungszeit.
Ich wollte jetzt auch Rouge benutzen. Manche Schminkprodukte vertrage ich überhaupt nicht und habe in meiner Schmink-Anfangszeit kurz nach dem Kauf bereits Produkte an die Freundin verschenkt, mit der ich am Tag vorher noch einkaufen war. Dann war ich mit der Ausbildung fertig und hatte genügend Zeit und Geld, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Vor allem Zeit, Geduld und den Mut zur Fehlfarbe muss eine blinde Frau haben. Fehlfarbe deshalb, weil der Lady nicht die Farbe gefällt, die eine unkonventionellere Freundin auswählt. Zum Stil muss es auch passen. Wenn Freundinnen hier von sich auf andere anwenden, was ihnen gut steht, nicht aber der blinden Freundin, wird das Ergebnis evtl. unrund.

Wie habe ich das Schminken in dieser Zeit überhaupt erlernt? Es gab einen Kurs einer Holländerin auf Kassette. Leider habe ich den nicht mehr. Und auch ich besaß das 50 Jahre alte Buch „Die Kunst des Schminkens“ eines erblindeten Models. Eine Erzieherin hat sich während unserer Schulzeit vorher übrigens auch mit uns darüber unterhalten und Tipps gegeben. Fachlichen Rat ob der Farben erhielt ich zunächst von besagter Freundin von weiter oben im Text.
Dann ging ich zu einer Fachberaterin, ließ mir helfen und mir Produkte empfehlen. Seither lasse ich mich nur von Fachleuten beraten. Im Gegensatz zu Frau Sonntag wende ich auch Creme-Rouge an. Das hatte ich schnell raus. Creme auf Creme, Puder auf Puder. Man fühlt auch, wie sich das Rouge verteilt und wie viel man aufgetragen hat.

Wie lange ich mir die Haare schon färben lasse, weiß ich offen gesagt nicht. Es gab da so einen Übergang zwischen Tönen und Färben, den meine Friseuse selber vollzogen hat. „Wir färben doch schon lange“, meinte sie dann zu mir. Ich hatte da wohl andere Probleme und mich nicht darum gekümmert, ob das schaumige Schönheitsprodukt auf meinem Kopf sich jetzt „Farbe“ oder „Tönung“ schreibt.

Nach einer kurzen Phase mit künstlichen Nägeln nach meiner Ausbildung war ich die Bedarfsfalllackiererin. Wenn nötig, ließ ich mir helfen. So auch vor Presseessen.
2013 half mir meine Freundin Karin damit, eine echte Lady, dann ging’s ins Nagelstudio. Das wechselte ich kurz vor der Schulter-OP. Von China-Nägeln zu richtiger Qualität, die nicht giftig ist. Außerdem habe ich Augenbrauen- und Wimpernfärben, die Wimpernwelle (Dauerwelle für die Wimpern), das Wachsen der Beine sowie regelmäßige Fuß- und Gesichtspflege, in die Hände einer Fachfrau gelegt. Die Wimpern tusche ich mir zusätzlich manchmal auch.
Im Home Office lasse ich meine empfindliche Haut mit ihrer besten Freundin, der auf sie abgestimmten Grundpflege, allein. Die Haut ist – im wahrsten Sinn des Wortes - entspannt. Oft stand sie unter Spannung, bevor ich die richtige Pflege fand.

Ich mag es nicht, wenn meine Schminkprodukte stark riechen. Ich frage mich, was dann schon wieder meinem Gesicht zusätzlich an Stoffen angetan wird. Duften soll mein Parfum, nicht mein Make-Up.

Geschminkt bin ich stets zu besonderen Anlässen: Wenn ich mit meinem Mann groß ausgehe, bei Arbeitsessen, zum Mädelsabend in elegantem Ambiente, beim Treffen mit lieben Menschen, die man länger nicht mehr gesehen hat, bei Besprechungen mit dem Landrat, überhaupt, wenn ich einen guten Eindruck hinterlassen will. Wir waren zwar heute zweimal einkaufen, da war ich beispielsweise nicht geschminkt, trug aber ein Sommerkleid mit Pailletten. Meine perfekten Fingernägel, die gezupften Augenbrauen und die schönen Wimpern waren heute gut genug. Letzten Freitag war ich außerdem beim Friseur und meine Haut fühlt sich auch wohl. Ich fühle mich hübsch und gepflegt, das reicht für den Alltag. Schön und ausdrucksvoll hebe ich für die anderen Schminkanlässe auf.

30.7.19 16:39, kommentieren

Großes Abenteuer

Unser Sohn wollte mit der Münchner U-Bahn fahren. Also haben wir einen Ausflug gemacht und er hat zum ersten Mal in einem eigenen Hotelzimmer übernachtet, für einen Autisten eine große Leistung. Wir haben ihn allerdings darauf vorbereitet.

Samstag, 08.06.2019
Wir warteten auf gleis 8, wurden aber auf Gleis 7 geschickt, um zwei Minuten Später alle auf Gleis 8 zurückgescheucht zu werden. Wie alle rennen, sieht bestimmt von oben lustig aus.  Der ICE hatte schon fünf Minuten Verspätung und fing weitere ein. Anschlusszüge nach Italien wurden so nicht mehr erreicht. Das zum Thema Zug statt Flug. 

Unser Sohn fuhr sehr gerne mit der U-Bahn und sagte unsere Haltestellen beim Verlauf der U1 mit an. Die Münchner Linie ist wesentlich kürzer.
Am Rotkreuzplatz gibt es seit 1974 die beste Eisdiele Münchens und wir aßen dort Eis.
In Großhadern gibt es nicht nur ein Klinikum, sondern auch das familiengeführte Hotel Thalmair. Dort hatte unser Sohn ein Einzel- und wir hatten ein Doppelzimmer, direkt nebeneinander. Nebenan war ein italienisches Restaurant, Sohnemann wollte Nudeln mit Käse, trank Cola und war selig. Im Hotel erklärte Papa ihm den Fernseher und was er aus der Minibar trinken darf, Cola und Mineralwasser - und was nicht. Wir duschten und sahen Fußball. In der Halbzeit klopften wir bei Sohnemann. Er sah im MDR eine Musiksendung mit Sommerhits und den entsprechenden Videos. Frühstück gab es ab sieben, wir leisteten Überzeugungsarbeit,
dass "ab sieben" nicht "um sieben" heißt und er bis neun schlafen darf. Unser Sohn sagte, er möchte morgen früh duschen und umarmte uns beim Gute-Nacht-Sagen, was selten vorkommt. Wir hatten das Gefühl, er war sehr stolz, allein in einem Hotelzimmer zu übernachten.

 

Am nächsten Morgen weckten wir ihn. Er hat auch verstanden, dass er immer beim Verlassen des Zimmers die Chipkarte mitnehmen muss.
Beim Frühstück sagte er nur "leer", zur Servicedame, als die Saftflasche leer war. Wir erklärten seine Behinderung. Sohnemann meinte, das Haus sei 2014 gebaut worden. Er sah wohl eine Tafel. Beim Auschecken sagte die Rezeptionistin, das Hotel ist 2014 renoviert worden. Uns hat es dort sehr gut gefallen. Unser Sohn wurde mit seiner Behinderung angenommen wie er ist.

Wir fuhren noch die letzte U-Bahnlinie des Streckennetzes ab. Gestern wollten wir alle das nicht mehr.
Auf Gleis 23 warteten wir auf den ICE. Er fuhr auf Gleis 19, nein, Gleisänderungen teilt man nicht mit, die müssen von Vätern erfragt werden. Es kommt noch besser! Zum Erstaunen der Fahrgäste erscholl eine Durchsage, der Lockführer wartet auf eine schriftliche Fahrerlaubnis für eine Langsam-Fahrstelle. "Wenn ich das erzähle, glaubt mir das kein Mensch", meinte ich. Wir kamen wieder mit Verspätung an.

 

Unser Sohn hat begriffen, wie eine Hotelübernachtung funktioniert und ich denke, das ist ein großer Schritt für ihn: Neues ist nicht schlimm, sondern nur neu. Das wird ihm sicher auch beim selbständigeren Wohnen und im Job helfen.

 

Der Familienausflug zur Wilhelma am Samstag, dem 27. Juli war schön und bei heißem Wetter wie immer.

30.7.19 16:25, kommentieren