schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Plötzlich nacht

Wenn die Sonne langsam untergeht, erschrickt man doch, wenn es plötzlich Nacht ist.
Die beste Schwiegermutter der Welt öffnet nie mehr ihre Arme weit und lacht nicht mehr.

Liebe Mama Erika,
danke für Deine Herzensgüte, deinen scharfen Verstand und Deinen brottrockenen Humor. Du fehlst mir so sehr. Du hast mich von Anfang an mit offenen Armen aufgenommen. Nicht jede Mutter wäre begeistert, wenn der Sohn seine blinde Freundin vorstellt. Dein „Herzlich willkommen“ klingt immer noch in mir, seit 26 Jahren. Es ist erhellend und bereichernd, Dich gekannt zu haben.

Du lebst in Deinen Kindern fort:
Deine Söhne sind alle liebevolle, fürsorgliche Ehemänner und Väter geworden, was heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Schaue ich mir Deine Enkel so an, treten sie in Deine Fußstapfen.
Deshalb bestehen Deine Herzensgüte und Liebe weiter fort. Dies ist Dein größtes Vermächtnis und Deine Angehörigen danken Dir dafür.

14.9.18 05:47, kommentieren

Ferienbeginn

Am Mittwoch, dem 25. Juli 2018, begannen für Sohnemann die Ferien. Das Zeugnis war in Ordnung. Er wird von der Außenklasse im Schulzentrum der Realschule sowie des Gymnasiums zur Berufsschule in die Sonderschuleinrichtung zurückwechseln.

26.07.2018
Der flauschigste Ehemann bekam ein Dauerblutdruckmessgerät angelegt, das nicht aktiviert war. Er bemerkte es, besorgte uns noch Getränke  und fuhr zurück zur Ärztin. So begannen Sohnemann und ich alleine die U-Bahn-Tour, mit der normalerweise letzten der Linien. Ich mischte mich raus, das Kind soll schließlich glücklich sein. Er stieg mit mir an einem Punkt um, den wir ansonsten kaum benutzen. Er kennt das Streckennetz auswendig. Ich telefonierte derweil mit dem flauschigsten Papa der Welt und wir erwarteten ihn am Flughafen. So setzten wir die Fahrt fort.

Samstag, 28. Juli 2018
Gestern fuhren wir nach H. zu Sohnemanns Gruppe und tranken noch Kaffee. Heute ging es mit ihm nach Stuttgart. Zwei Stationen nach unserer war der Kurzzug überlastet. Die durchgängige Verbindung nach Stuttgart riss in Ulm. Dort ging es mit einem anderen Zug weiter. Wir überlegen mal, warum ich als Blinde so ungern umsteige.
In Stuttgart vertrauten wir einem alten Schwaben, der uns falsch schickte. Es gab U-Bahnbaustellen auf dem Weg zur Wilhelma. Wir kürzten alles etwas ab, aber nicht Sohnemanns Highlights. Eine Schneekugel mit Gorilla und eine mit einem Pinguin mussten mit. Wir verpassten den Zug nach R. und fuhren eine Stunde später. Dann brachten wir Sohnemann zur Gruppe. Über meinen Ausflug allein mit unserem Sohn berichte ich noch.

13.8.18 18:35, kommentieren

"Deutsche Dreckskultur"

Im Netz stolpert man über den Begriff „deutsche Dreckskultur“. Auch ein Cicero-Artikel, den ich unten im nächsten Blogeintrag verlinkt habe, bezieht sich darauf. Ist mir meine „deutsche Dreckskultur“ unangenehm und schäme ich mich dafür?
Nein!

Warum soll ich mich für Max Reger, Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven, Joh. Seb. Bach, Georg Friedrich Händel, Johann Pachelbel sowie Jakob Wassermann schämen? Kennen diese geifernden Personen, welche von „Dreckskultur“ hasswüten und faseln, die beiden Letztgenannten überhaupt?

Bei Wassermann (in Fürth geboren) sind wir ja schon nicht weit von Albrecht Dürer weg. Gut, vielleicht sah Dürers Kleidung auch mal bekleckert aus. Das Endprodukt ist aber genial. Woher weiß ich das? Ich habe Dinge von ihm als Plastik angefasst.
Adam Kraft, Veit Stoß und Tilman Riemenschneider hatten vielleicht auch nicht gerade saubere Kleidung, doch, die Schreiberlinge sollten gerne das Frankenland und die Lorenzkirche in Nürnberg besuchen. Dies würde deren Horizont erweitern.

In Bayreuth begegneten diese Gift und Galle spuckenden Hasser nicht nur Richard Wagner, sie sähen auch die Bautätigkeit der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (Eremitage) und könnten (garantiert auch heute noch) im Markgräflichen Opernhaus ihre Kompositionen käuflich erwerben. Viel Vergnügen! Für barocke Kompositionen fehlt da aber wohl das Feingefühl, wenn schon von „Dreckskultur“ aggressiv und wütend geschäumt wird.

Ach, läsen die „Dreckskultur“-Begriffsbenutzer doch Jean Paul, der unsere deutsche Sprache um das Wort Schmutzfink und einige andere mehr bereicherte. Viel Spaß beim Entdecken. Da frage ich mich: Ist das Wort „Dreckskultur“ nicht auch eine Wortschöpfung und eine kulturelle Bereicherung? Jeder soll sich schließlich ausdrücken dürfen, wie es das vorhandene Niveau erlaubt.

Diese Leute bemerken nicht, wenn ihnen die Kultur ins Gesicht springt. Frei nach dem kleinen Kabarettgedicht von Thomas Freitag:
„Grass, Schiller, Goethe, Hegel,
Storm, Uhland, Brecht, Böll, Hauff,
die sind bei uns die Regel,
die fall‘n uns gar nicht auf.“

Lena Christ, der geniale Fitzgerald Kusz, Elke Heidenreich, Ellis Kaut, Michael Ende...

Die Firmengründerin Margarete Steiff, die gelähmte Frau, welche für sich, die Arbeitsplätze ihrer Näherinnen und damit ihr Unternehmen so mutig kämpfte, und mich als Kind mit schier unzerstörbaren Stofftieren erfreute - mein Sohn liebte auch die Wellensittiche - für diese Frau soll ich mich schämen? Sie soll mir unangenehm sein?
Die Schreiberlinge sollen sich schämen, Margarete Steiff und ihre Leistungen herabzuwürdigen!
Vielleicht hassen diese Schmutzfinken Behinderte?
Nein, ich schreibe nicht "Menschen mit Behinderung", je verschwurbelter, desto rücksichtsloser wird mit Behinderten umgegangen. Ich darf das, ich bin blind.
 
Eine blinde Kartoffel also, um in deren Neusprech zu bleiben. Eine schreibende, nicht aus Südamerika stammende, singende Kartoffel. Kein Köter, kein Tier, ich bin eine Pflanze.

Ohne Konrad Zuse könnten diese Wortschöpfer ihr Herumgetrampele auf Kultur- und Literaturschaffende aller Jahrhunderte auch nicht publizieren.
Einem Schweden würde es nicht einfallen, auf Astrid Lindgren, Selma Lagerlöf, Wilhelm Peterson-Berger, Hugo Alfvén, August Söderman, Dag Wirén, Hjalmar Söderberg, Vilhelm Moberg, und Herman Lindqvist zu spucken. Übrigens sind einige Lieder im schwed. Kirchengesangbuch auch nach „deutschen Dreckskultur“-Volksmelodien entstanden: "Tryggare kan ingen vara", beispielsweise. Es klingt fast wie „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“.
Es sind auch Texte von Martin Luther und Paul Gerhardt darin enthalten, diesen, deren Meinung nach, „Drecks...“ - naja. Ich werde wohl weiterhin Musik als sog. „Dreckskultur“ komponieren. Was bleibt mir auch anderes übrig. Wenn ich aus Schweden wär, würde ich keine „Deutsche Dreckskultur“ abliefern.
Warum regt mich das so auf? Weil man damit allen Kulturschaffenden aller Epochen Unrecht tut.

13.8.18 18:11, kommentieren

Hass im Netz

Hier ein interessanter Artikel: Rassismus-Debatte im Netz - Guter Hass, böser Hass | Cicero Online, hier klicken.

13.8.18 17:19, kommentieren

Wespennest

Am Dienstag, dem 24. Juli 2018, hing eine Wespe an meinem Kleid, die ich nicht bemerkte. Ich bewegte den Arm, sie stach mich durch das Satinkleid hindurch in die Seite. Trotz Antihistamin-Tablette und sofortiger Kühlung war es am Abend noch großflächig geschwollen. Mir war fast den ganzen Tag schwindelig. Den Stachel habe ich wohl offensichtlich rausgekratzt, herausgedrückt, weggeflucht, die Nachbarin fand nichts mehr davon.
Am Sonntag, dem 29. Juli erfuhr ich folgende unglaubliche Tatsache:
Zwei Gärten weiter hat eine Mieter-Familie mit Kleinkind ein Wespennest über einem Dachvorsprung. Dieses Nest ist mittlerweile auf Fußballgröße angewachsen. Die Mutter öffnet halt einfach das Fenster nicht mehr, dem Eigentümer ist es egal. Gegen das Wespennest hätte man von Beginn an schon vorgehen können. Ich dachte immer, ich nehme, sticht mich etwas, meine Tablette – und gut. Das kam so selten vor, dass ich einfach gut damit gefahren bin. Ich wollte mir aufwendige Prozeduren ersparen. Mit solch einem Wespennest, bei dem der Spaß wohl erst richtig anfängt, ist das unmöglich. Wespen haben natürlich auch Durst und der Pool wg. Der Chemie im Wasser keine Oberflächenspannung. Die Wespen ersaufen. Da ich nicht sehe, ob eine in den Pool gefallen ist und noch lebt, wenn ich im Wasser bin, kann ich den Pool ohne sehende Augen auch nicht mehr benutzen. Schade um die Mittagspausen bei dieser Hitze. Der flauschigste Ehemann hat an den letzten zwei Tagen drei Wespen und eine Hummel aus dem Pool gefischt. Zwei Wespen lebten noch.

Die dortige Hausverwaltung und der Wohnungseigentümer sind allerdings damit einverstanden, das Nest durch mich auf meine Kosten beseitigen zu lassen. Ja, dann geht es auf einmal. Selbst Geld in die Hand nehmen, das geht natürlich nicht. Sollen die Nachbarn es doch richten. Alles, was die Fassade betrifft, gehört zur Eigentümergemeinschaft. Es setzt ja auch nicht jeder eigene Fenster ein. Der eine Plastik- der andere Holzfenster. Andere Eigentümler, die anfänglich noch dafür waren, haben plötzlich kein Geld mehr. Ich teile die Kosten mit Nachbarn von hier. Auf die Familie wären 28,56 Euro zugekommen. Was wird erst bei Sonderbelastungen wegen deren Wohnung, sollte mal etwas sein?

Ich könnte nicht mehr schlafen, wenn ich unter diesen Bedingungen Eigentümer wäre. Sie hätten ja schon Hausmeistertätigkeiten übernommen und da hätte man ja von Anfang an etwas dagegen tun sollen. Ich bin nicht bei deren Eigentümlerversammlungen mit dabei und kann auch die Zeit nicht zurückdrehen. Die wollen halt nicht. Lieber in Kauf nehmen, dass die Allergie mal so schlimm wird, bis jemand stirbt. Wo ein Wespenvolk ist, traut sich kein anderes hin. Die Hausverwaltung wollte mir weiß machen, dass es ja noch andere Nester am Ort gibt. Wo, wusste sie auch nicht. Und in Biologie aufgepasst, wg. der fremden Wespenvölker und der Reviere, hat sie auch nicht.

 

Jedenfalls ließen wir uns schriftlich bestätigen, dass die Schädlingsbekämpfer das Grundstück betreten dürfen und wir es zahlen.
Diese konnten das Nest nicht erreichen, aber plötzlich wurden sie doch in die Wohnung gelassen, was angeblich vorher auch nicht möglich war. 142,80 Euro hat mich das gekostet. Die Kosten werden mit anderen Nachbarn aus unserer Hausgemeinschaft, die sich, das ist sehr lobenswert, daran beteiligen, übernommen.

13.8.18 17:08, kommentieren

Sommerfeste

Samstag, 21. Juli 2018
Seit April ist sozusagen Sommer! Aber ausgerechnet beim Nachbarschaftsfest regnete es in Strömen. Familie N. hatte ein Zelt aufgebaut – so konnten wir trotzdem feiern. Wir hatten alle viel zu viel Salate gemacht. Wieder war es herrlich und lustig. Der flauschigste Ehemann von allen fuhr die Nachbarn noch heim, die ihre Eltern besucht hatten, die hier wohnen. Sie feiern immer mit. Es ist einfach super.

 

Sonntag, 22. Juli 2018:
Die Spalter Sommernachtsspiele fanden draußen statt. Wie immer waren Aufführung und Atmosphäre mit Musik aus der Zeit des Theaterstücks drum herum sehr gut gelungen.

13.8.18 16:48, kommentieren

Noch ein Fußballfest

Samstag, 30. Juni 2018
Und wieder gab es ein Fußballfest: Frankreich gewann im ersten Achtelfinale gegen Argentinien mit 4 zu 3. Wir saßen draußen und im Pool. gehört haben wir den Fernsehton der Audiodeskription mit dem Bluetoothlautsprecher und das Bild kam vom Tablet.

6.7.18 15:32, kommentieren

Passbild

Samstag, 30. Juni 2018
Sohnemann brauchte ein Passbild für den Schwerbehindertenausweis. Bei der U-Bahntour gingen wir am Flughafen zu einem Fotoautomat. Leider schaute unser Sohn nach unten, die Aufnahmen waren für ein Passbild unbrauchbar. Das sagte der Automat, ließ aber keinen zweiten Versuch zu. Also noch einmal 10 Euro berappen, dann war alles in Ordnung. Natürlich gibt es auch wieder mal Bürokratie en masse. Ist das Kind so behindert, dass es Leistungen vom Staat benötigt, gibt es Papierkrieg ohne Ende...

30.6.18 17:00, kommentieren

Sommerpuppenhaus

Wer hat nicht als Kind "Vater, Mutter, Kind" oder "Mutter und Kind" gespielt? Da gab es Sätze wie: "Und Du musst jetzt zur Arbeit gehen." - "Du musst jetzt das Kind sein!“ „Du musst jetzt schlafen."
Ganz schön egoistisch, was man da alles "musste". Mir ist aufgegangen, dass da ein Kind seine Phantasie umsetzen wollte, den jeweiligen Film im Kopf. Oder das, was im Puppenhaus im Winter allein gespielt wurde. Das wurde auf das „Sommerpuppenhaus“ übertragen.
Ich fühlte mich in zwei "Sommerpuppenhäusern" wohl:

Das erste war ein Haus aus Holz auf dem Spielplatz der Blindenschule. Es hatte einen kleinen Balkon vor der Türe, zu der es einige Stufen hinauf ging.
Es wurde auch „Puppenhaus“ genannt und bestand aus einem einzigen Raum. Dort gab es eine kindgerechte Sitzgruppe und ein Schränkchen mit hölzernen Herdplatten. Überhaupt war alles aus Holz. Dort lagen auch Matratzen.

Das zweite „Sommerpuppenhaus“ war ein gemauertes Gebäude im Garten daheim. Im Raum nach der Eisentüre, eine stabile Türe wie bei einem Heizungsraum, lag dieses Reich. Dort standen die alte Eckbank, der alte Küchentisch, nebst den alten Küchenstühlen plus das alte Küchenbüffet mit dem alten Geschirr und Besteck. Meine Mutter hatte die Küche komplett neu eingerichtet, das Zimmer im Gartenhaus wurde zum Partyraum. Der angrenzende Raum war schlicht Lager. Es wurden dort jedoch nie Partys gefeiert. Mutter schlug vor, wir könnten doch mit dem Geschirr spielen. Wir, das waren meine Cousine und ich. Wir spielten "Freundinnen“. Wenn eine arbeiten ging, fuhr sie Taxi oder Straßenbahn mit meinem Kettcar. Wollte man fliegen, nahm man die Schaukel. Wir machten sozusagen auch Jobsharing. Eine war daheim und deckte den Tisch, die andere arbeitete als Pilotin, Stewardess oder eben als Taxi- oder Straßenbahnfahrerin. Und dann gab es Picknick am Wochenende. Das war auch ein Sommerpuppenhaus.
Eine Schaukel lässt Kinder in den Sommer hineinfliegen und jedes Mal ein Füllhorn an Träumen entstehen.

Und heute? Suche ich mir aus der Hörbücherei oder sonst wie ein Buch aus, ein "Sommerpuppenhaus" aus Papier. Ich habe dieses Mal ohne Eingrenzung nach dem Wort „Sommer“ gesucht. Das ergab über 900 Treffer.
Ich habe alle Inhaltsangaben gelesen und einige der Papierpuppenhäuser auf die Merkliste gesetzt. Ich möchte im Sommer auch Sommer lesen.
Und jetzt reise ich wieder zurück, decke den Tisch im Sommerpuppenhaus und esse mit meiner Cousine zu Abend.

30.6.18 08:41, kommentieren

Sommer bei Oma

  

Am Schönsten waren die Sommer meiner Kindheit bei Oma. Da gab es Kirsch- und Apfelbäume, eine Schaukel, im Hof stand ein Tisch und auf der Wiese wuchsen Gänseblümchen. Es gab Radieschen, Rhabarber, Gurken, Bohnen, Kopfsalat, der Garten war ein Paradies. Beim Hof waren die Blumenbeete. Im Garten waren rechts Beete und Bäume, links die Frühbeete, die wiese und in ihr Bäume. Dazwischen führte ein Weg entlang.

Hinten schloss der Garten mit dem Rhabarberbeet ab. Die gerade erwähnten Bäume beidseits des Weges spendeten Schatten und an dieser Wegstelle musste ich immer an folgende Stelle aus „Die zertanzten Schuhe“ der Brüder Grimm denken:

„Da ging die älteste an ihr Bett und klopfte daran: alsbald sank es in die Erde, und sie stiegen durch die Öffnung hinab, eine nach der andern, die älteste voran. ...

Da gingen sie vollends hinab, und wie sie unten waren, standen sie in einem wunderprächtigen Baumgang, da waren alle Blätter von Silber und schimmerten und glänzten.“

 

Wenn die Sonne durch die Bäume in Omas Garten fiel, war das für mich just dieser Baumgang. Vielleicht standen sich nur zwei Bäume so gegenüber. Als kleines Kind konnte man aber ganz langsam laufen, der Baumgang wurde dann sehr groß. Das Licht bekam durch die Blätter einen speziellen Glanz. – Klangen die Blätter nicht wie aus dünnem Silber im Wind? - Omas Garten verzauberte mich.

 

Viel habe ich dort entdeckt: Im Steinbrech, den Oma als Bodendecker in einem Beet gepflanzt hatte, saß eine Biene auf einer Blüte. Vorsichtig berührte ich ihren Rücken mit dem Zeigefinger und konnte die Schwingung der Flügel fühlen. Es fühlte sich wie eine vibrierende Gitarrensaite an. Schnell zog ich die Hand weg. Einen Hänfling fing ich, Der piepte - und war gerade flügge. Ich zeigte ihn Oma und setzte ihn dort hin, wo er vorher war. Den schönsten Fund machte ich in einem Blumenbeet: Eine „Blume“, die sich von all den anderen unterschied. Sie war handgroß und voller Blätter übereinander wie ein Baum. Ein kleiner Baum war  es auch, eine "zugeflogene" Birke, wie mein Onkel sagte. Später pflanzte er sie in einen Topf um. SIE wurde so groß wie ich und zu groß für den Topf. Da pflanzten meine Eltern sie bei sich ein.

Omas Garten war ja schon Sommervoll.

 

Wie schmeckte Omas Sommer? Nach Radieschen, Kopfsalat, Gurken, Erdbeeren, Süßkirschen und Bohnensalat. Die Bohnen habe ich liebend gerne im Hof geputzt. Der Sommer roch nach Gänseblümchen, Regentonnen, grünen Bohnen, nach Tomatenhaus, Wiese und Tagetes. Er versprach jeden Tag neue, zauberhafte  Gartenabenteuer.

30.6.18 08:16, kommentieren