schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Fragen

Welchen Beruf kann unser Sohn ergreifen?
Muss er sich schon am ersten Tag für ein Praktikum entscheiden, kann es sein, dass ihn die Wahl unter- oder überfordert?
Wo soll er arbeiten?
Wo soll er wohnen? Ihm gefällt es am jetzigen Standort, da möchte er wohnen, er kann sich nichts anderes vorstellen. Da ist aber nur die Schule, nichts, wo er arbeiten und später leben kann.
Fragen, die mir Angst machen und die auf uns zukommen. Auf Gruppe, Schule, uns. Wir alle haben das erst mal zusammengetragen. Ich hoffe, einem von uns fällt etwas ein. Ich stehe im Augenblick wie das Kaninchen vor der Schlange. All das hat meine Freude am Bloggen und Quizduell getrübt. Allerdings machen wir mit unserem Sohn einen Kurzurlaub. Den hat er sich selber gewünscht und er wird zum ersten Mal als Autist in einem eigenen Hotelzimmer schlafen. In den Appartements hätte er kein abgeschlossenes Zimmer gehabt. Vielleicht kann man ihn so darauf hinweisen, dass etwas Neues nur neu und nicht schlimm ist.

1 Kommentar 1.6.19 10:50, kommentieren

Wie Technik mein Leben verändert

Wie Technik mein Leben verändert

Als ich ein Kind war, hätte ich mir nie träumen lassen, auf einem glatten Bildschirm per Tippen Texte einzugeben, geschweige denn, darauf Blindenschrift zu schreiben – und jeder kann es lesen.
Jetzt beispielsweise ist mein Rührkuchen im Ofen, ich sitze im Garten, höre den Amseln zu und tippe diesen Text mit den Fingern, als ob das Smartphone eine Blindenschriftschreibmaschine wäre. Ob das Gerät die Buchstaben auf einer virtuellen Quertz- oder Blindenschrifttastatur erhält, beeinflusst nur die Eingabe, nicht den Ausgabemodus. Vor der Stäbchenprobe erzähle ich euch nun von meinem bisherigen Tag und wie mir technische Geräte den Alltag erleichtern.

Heute stand ich leise auf, mein Mann konnte länger schlafen. Ich war schon frisch und munter. So sah ich erst mal auf dem Smartphone nach, wie das Wetter wird und überflog die Schlagzeilen. Dann wollte ich ein geführtes Workout mit einer App beginnen - und stolperte fast über den Mikrofonständer. Klar, gestern habe ich mit meinem Tonstudio im Laptop und dem mit Midi verbundenen E-Piano Aufnahmen gemacht und danach noch gesungen. Das wäre in dieser Professionalität für Blinde heutzutage am Computer mit Menüführung kaum ohne technische Hilfe möglich. Wie funktioniert solch ein Tonstudio? Alle Inhalte auf dem Bildschirm werden gesprochen. Mit Tastenkombinationen kann ich es bedienen. Das gilt für viele Anwendungen und Programme: Alles, was auf dem Bildschirm steht, wird vorgelesen oder auf eine Blindenschriftzeile übertragen. Das ist, sozusagen, eine Leiste, auf deren Oberfläche zeilenweise der Text in Blindenschrift dargestellt wird. Viele Übersetzungsprogramme machen so etwas im Hintergrund  möglich.

Jetzt schnell das Mikrofon an seinen Platz räumen und weiter zum eigentlich angedachten Training. Die Smartwatch spricht und sagt alles an, was Sehende lesen können. Nach dem Training schaue ich kurz auf das sprechende Innen- und Außenthermometer. Ja, heute wird ein schöner Tag. Mein Mann ist aufgestanden, ich kann also im Schlafzimmer die sprechende Personenwaage befragen und mir mit Hilfe des Farberkennungsgeräts (oder der entsprechenden App) ein passendes Outfit heraussuchen. Hält man das Farberkennungsgerät (oder die Kamera des Smartphones) gegen ein Kleidungsstück, wird die Farbe angesagt. Ob Licht brennt, wird ebenfalls erkannt. Sogar Leuchtdioden erkennt das Farberkennungsgerät. Nach dem Frühstück gehen wir zur Arbeit, wie viele andere auch.

Nach dem Abfragen der dienstlichen Mails folgt die Internetrecherche und ich erledige meine heutigen Aufgaben. Was ich im Amt oder Internet nicht erfahren kann, frage ich telefonisch bei den betreffenden Organisationen usw. ab. Da ich von zuhause aus arbeite, Maile ich alles an meinen Vorgesetzten. Aufträge erhalte ich auch per mail, weniger in Papierform.

Geschafft, es ist Wochenende. Schnell noch den Kontostand online überprüfen und eine Überweisung tätigen. Die TAN wird mir auf das Smartphone gesendet, ich trage sie im Bankprogramm ein. Auch hier wird alles vorgelesen. Genau wie bei meinem Festplattenrekorder. Das Fernsehprogramm der nächsten Wochen und Sendungsinhalte sind zu sehen. Ich kann alles problemlos per Sprachausgabe bedienen und nehme unsere Lieblingssendungen für später auf. Jetzt noch schnell den Kuchen backen, dann kann ich mich raus in die Sonne setzen.

Die Küchenwaage hat eine große Schüssel und spricht. So kann ich Mehl, Butter und Zucker bequem abwiegen. Flüssigkeiten messe ich mit einem Messbecher ab, der fühlbare Markierungen hat.  Die Spülmaschine ist auch fast voll. Jedes Programm hat eine Taste. Die Waschmaschine hat dafür einen Drehregler, den ich bei bestimmten Programmen auf der Fläche außen herum mit Punkten versehen ließ. Der Regler ist nicht ganz rund, sondern pfeilförmig. So kann ich erkennen, auf welches Programm er zeigt.
Haushaltsgeräte mit Menüauswahl und reinen Sensortasten sind für Blinde ungeeignet, wenn das gerät über keine Sprachbedienerführung verfügt. Bietet die Bedienung durch Apps hier eine Alternative? Ja, aber.... Das Smartphone muss allerdings dann immer zur Hand sein und Updates dürfen die Apps nicht unbrauchbar für uns machen, was manchmal der Fall ist, bei meinem Kalorientagebuch geschah dies. Es lässt sich für Blinde nur noch im Browser am Smartphone oder Computer bedienen. Überhaupt bedarf es Übersetzungsprogrammen, damit Inhalte adäquat für uns nutzbar gemacht werden können. Das vergessen viele Entwickler, wir fallen aus Gedankenlosigkeit oft wieder "hinten runter", obwohl die technischen Entwicklungen uns eigentlich so unabhängig machen könnten, wie noch nie zuvor. Es wäre wunderbar, würden uns Onlinehändler, Programmierer von Webseiten, Haushaltsgeräte- sowie Geldautomatenhersteller berücksichtigen und nicht vergessen.

Bei welchen Tätigkeiten hätte ich heute sehende Hilfe benötigt?
Ich bin mir nicht sicher, ob es früher schon Personenwaagen gab, die fühlbar waren, wie eine Blindenuhr oder eine Küchenwaage - ebenfalls mit fühlbarem Zeiger. Als ich mir die erste leisten konnte, gab es schon sprechende Personenwaagen. Bei der Kleiderwahl hätte ich einen Sehenden fragen müssen, wenn ich die Farben vergessen hätte. Die Arbeit von Zuhause aus, das Aufnehmen mit dem Tonstudio, das Programmieren des Videorekorders und Banküberweisungen zu tätigen sowie den Kontostand abzufragen, wäre ohne fremde Hilfe nicht möglich gewesen. Die kleinen technischen Helferlein machen uns Blinde unabhängiger von sehenden Personen.

Und schon vibriert und klingelt der Timer meiner Smartwatch, der Kuchen ist fertig. Nächste Woche backe ich eine Prinsesstårta. Ja, mein Smartphone und der Pc verfügen auch über eine schwedische Sprachausgabe. Jetzt aber zur Stäbchenprobe, ganz ohne Technik.

 

Dieser Text ist Teil der Blogparade von "Anders und doch gleich", hier klicken. Zur Startseite von "Anders und doch gleich", des informativen Blogs der jungen Menschen mit Handicap, hier klicken.

1.6.19 10:11, kommentieren

Verrohung und Vandalismus

Unsere Stadt bekommt, wie viele andere auch, eine Sicherheitswacht. Diese soll  Ansprechpartner für die Bürger sein und bei größeren Schwierigkeiten die Polizei verständigen.

Am Dienstag, dem 12. März 2019 gegen 01.30 Uhr in der Nacht zogen junge Männer grölend durch die Siedlung. An unserem Garten wurde eine Zaunlatte abgebrochen. Ich habe Angst vor eindringenden Hunden, usw. Im Gegensatz zu Leuten mit Blindenhund fürchte ich mich, seit einem Erlebnis in der Kindheit,  vor Hunden. Daher fühle ich mich durch diesen Vorfall angegriffen.
Unser Nachbar hat mich auf den Schaden am Zaun aufmerksam gemacht. Mein Mann hatte auf dem Weg zur Arbeit die Stelle nicht im Blick, ich sehe sie nicht.

Wir haben die Hausverwaltung und die Polizei verständigt. Mein Mann ist seit dem Vorfall in der Facebookgruppe der Stadt. Dort hat Userin M. einen dieser Randalebrüder so gut gesehen, sie kann ihn beschreiben. Leider nützt das nichts, man hätte, laut Polizei, die Tat beobachten müssen.

Wer Eigentum anderer nicht achtet und respektiert, entwickelt sich auch schnell zum Dieb und Raubmörder, das ist meine Sorge.

Am Mittwoch, dem 30. Januar 2008 hat jemand ein kaputtes Fahrrad auf die 4. Oder 5. Treppenstufe zur S-Bahnunterführung runter abgestellt. Als ich zum Dienst fahren wollte, blieb ich gegen 6.45 Uhr mit dem Blindenstock im Fahrrad hängen und fiel mit Stock und Rad die Treppe hinunter. Prellungen am ganzen Körper, ein nicht erkannter Mittelhandwurzelknochenbruch und eine Verschlimmerung der geschädigten Schulter waren die Folge.
Diese Vorfälle erlebte ich als Einzelperson und unsere Stadt hat rund 12.000 Einwohner.
In der Facebookgruppe las mein Mann auch von Fahrerflucht usw.

Einmal ist keinmal, zweimal ist einmal zu viel. Das ist der zweite Angriff, den ich erlebe. Und ich fühle mich nicht mehr sicher. Was macht der Nächste? Die Gartenmöbel abtransportieren? Die Scheiben einschmeißen? Uns ausrauben? Uns umbringen? Vor einigen Jahren gab es auch Dämmerungseinbrüche. Ich sperre seit Jahren zur Dämmerung immer Fenster und Türen ab. Die Polizei berät uns, was wir sicherheitstechnisch verbessern können. Das wird Punkt für Punkt umgesetzt. Denn, ich fühle mich in dieser Stadt verletzlich und habe auch Angst, allein unterwegs zu sein. Wer weiß, was für verkommene Subjekte herumstreunen.

Evtl. sehen einige die Ängste als übertrieben an, es war ja "nur" der Gartenzaun und „nur“ ein Fahrrad, das man auf den Stufen zur Unterführung abgestellt hat. Das sei „normal“. Ich will mich aber nicht an dieses „normal“ gewöhnen und sehne mich nach den sicheren Zeiten zurück, in denen ich aufgewachsen bin.

Eine andere Dame aus unserer Stadt empfindet, die Grölereien und Aggressionen der Männerhorden nehmen zu. Es ist vorletzten Sommer anscheinend eine Mülltonne explodiert. Wir beide hörten den Knall und tauschten uns über WhatsApp darüber aus.
Langfristig helfen nur noch Gated Communitys.

23.3.19 11:44, kommentieren

Wer will fleißige Handwerker seh'n

Muss zur Schwedenlady geh‘n...
Du kennst doch den Vorführeffekt. Du willst jemandem erklären, dass etwas kaputt ist, dann funktioniert es – aber sonst nicht.

Wieder war die Heizung defekt, ungefähr sechs Wochen nach dem letzten Ausfall. Ich hörte den Sanitärfachmann auf der Treppe und schnappte ihn mir gleich. Bei uns im Klo läuft der Spülkasten sehr langsam ein. Er klingt dabei, als ob Wasser in die Regenrinne läuft. War das Fenster offen, fragte sich mein Mann, was da zu plätschern aufgehört hatte; der Regen, oder die Spülung. Man musste ewig warten, bis man wieder spülen konnte. Manchmal, so mein Eindruck, ging das Auffüllen des Spülkastens wieder relativ zügig.
Der Installateur drückte mit Schmackes die Spülung, ich hielt die Luft an. Jetzt allerdings trat der umgekehrte Vorführeffekt auf. Was da jetzt in den Spülkasten rinnsalte, spottete jeder Beschreibung. „Das Einfüllventil ist kaputt. Wir kommen zu ihnen, wir rufen sie vorher an. Sie haben ja ein Gäste-Klo.“. So gingen wir durch das Wochenende und am Mittwoch darauf wurde es repariert. Ich bin immer noch im Geschwindigkeitsrausch, wenn ich das Einfüllen höre und noch im Bad bin. „Was, schon fertig?“, denke ich jedes Mal.

Einen Tag später:
Mein Mann lüftete das Wohnzimmer, ich die Küche. Er wollte just das Zimmer verlassen, da gab es ein Zischgeräusch und machte ganz weich und hohl „plopp“.
„Was war das?!“ Rief er erstaunt aus.
„Das frage ich mich auch...“ Er drehte sich um. Der Vorhang vor der Terrassentüre war auf einer Seite heruntergefallen. Das war das Zischgeräusch. Das „plopp“ kam von der innen hohlen Vorhangstange, die weich auf dem Vorhanghaufen gelandet war. An der Stange hängen zwei Vorhänge. Am durchgehenden System die Übergardine und dahinter ist mit Halterungen der dünne Vorhang eingepasst. Letztes Jahr war die eine Seite der Halterung ermüdet, jetzt die andere.

Am Nachmittag rief die Schlosserei an, die unser Geländer bei der Terrasse sowie die vor den beiden Hauseingängen angebracht hat. Unser Geländer vor der Haustüre ist locker, ob sie morgen von mir Strom haben könnten. Ja, können sie. Auch Kaffee, wie der Installateur.

Das Geländer wurde stabilisiert, mein Mann passte den Vorhang ein und tauschte die Glühbirnen zum Keller hin. Auf dieser Treppe war er ja verunfallt.

Und dann war da noch die Sache mit der Zaunlatte. Aber, das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls gab es auch hier einen fleißigen Handwerker.

23.3.19 10:45, kommentieren

Arbeit wurde nicht erfunden, um uns glücklich zu machen

Diesen Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Ja, das Glück muss man nach Feierabend finden. Meine Mutter hätte eigentlich während der Schwangerschaft mit mir daheim bleiben und nicht zur Arbeit gehen dürfen. Der Arbeitgeber drängte, es wäre so viel los, sie solle doch kommen. Sie kam, ich auch, als Frühgeburt. Ich bin deshalb aufgrund von Sauerstoffmangel im Brutkasten blind. Was hat sie vom Arbeitgeber dafür bekommen? Einen Hundsfott. Lieb Kind machen und die Arbeit über alles stellen... Im Artikel geht es unter anderem um einen Chef, der fragt, was er gegen seine Mitarbeiterin tun kann, weil sie pünktlich geht. Ja, sie macht trotzdem gute Arbeit. Das ist krank. Suchen wir also das Glück woanders. Warme Worte bringen nichts. Ich wünsche dem ehemaligen Chef meiner Mutter, er möge in der Hölle braten. Volker Kitz : Arbeit wurde nicht erfunden, um uns glücklich zu machen | ZEIT Arbeit

3 Kommentare 21.2.19 05:35, kommentieren

Geschafft

Wir haben alles geschafft.
Baum abschmücken:
Ich nahm die oberen Äste, der flauschigste Ehemann setzte sich auf einen Stuhl vor den Baum und schmückte ab, er verschob den Stuhl seitlich um den Baum, bis er drum herum war. Den Christbaumschmuck legte er auf einen Tisch daneben, ich ordnete alles ein.

Den Baum entsorgen:
Ich nahm ihn mit der rechten Hand und hielt mich an meinem Mann mit der linken fest, der auf Krücken lief. So fand ich den Weg.

Einkaufen:
Mein Mann hielt sich am Einkaufswagen fest, legte die Sachen hinein, ich trug alles im Rucksack heim. Mittlerweile nimmt er auch schon einige Sachen in seinen Rucksack und läuft nur noch mit einer Krücke.

Weihnachtsschmuck von Deckenhaken entfernen:
Unser Sohn hat geholfen. Er hat z. B. die Engel und Sterne an einer Kordel abgehängt und gegen eine mit Schmetterlinge und Perlen getauscht.

U-Bahn fahren:
Ja, das war etwas komplizierter, es ging aber auch.
Wir fühlen uns für mich ungeschickt und breit im öffentlichen Raum an. Mein Mann mit Krücke, ich mit Blindenstock und ggf. mit Rucksack. Was soll’s. Hoffentlich geht das bald vorüber.

2 Kommentare 15.2.19 18:34, kommentieren

Müllers Kuh

Der Musikverein Lauf wird 50 und schlug deshalb dienstlich bei uns auf. Der flauschigste Ehemann der Welt hat das ja mit dem guten Rutsch wörtlich genommen, geht mit Bänderdehnung auf Krücken und ist krank geschrieben. Deshalb konnte ich ihn auch letzte Woche tagsüber fragen:
"Wo ist die Neuwindeckhalle in Lauf?"
Er antwortete versonnen:
"Weiß ich nicht. Kenn ich nicht."
Ich sah ins Impressum der Homepage und bekam Schnappatmung:
77886 Lauf. Zum ersten Mal seit 1988, meinem Dienstantritt,  habe ich Lauf a. d. Pegnitz mit dem anderen Lauf verwechselt.

Gleichzeitig vereinbarte der flauschigste Ehemann am Tablet mit den Pfadfindern hier bei uns in X., dass sie den Baum bei uns im Garten am Zaun abholen. Er kann ihn nicht zum Sammelplatz bringen und für mich als Blinde ist es auch schwierig.
Die Zusage kam. Und meine im Gleichklang mit mir lebende bessere Hälfte gab unsere Adresse weiter. Daraufhin antworteten die Pfadfinder, dass es diese Straße in ihrem Ort nicht gibt. Sie holen die Bäume in X bei Z. ab.
"Schönen Gruß aus X bei Y.", antwortete der beste Ehemann der Welt.
Ich musste lachen und meinte:
"Zuerst ist mir das passiert. Dann dir. Ein Wahnsinn. Ich und du."
Mein Mann:
"Müllers Kuh."

18.1.19 14:19, kommentieren

Stöckchen Jahresende 2018

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr? 8

2. Zugenommen oder abgenommen?
Gleich geblieben körperlich, an Erfahrung zugenommen.

3. Haare länger oder kürzer?
Gleich lang.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Im Durchschauen von Menschen und Welt weitsichtiger, das wird jedes Jahr schlimmer. Ich verstehe verbitterte Leute. Es wird nicht mehr langfristig gedacht, sondern nur noch mittelfristig.

5. Mehr Kohle oder weniger?
Gar keine. Ich kann mal zum Nachbarn laufen, der dürfte Grillkohle haben. Wir heizen anders. Unsere Heizung spinnt ständig. Mal ist dies defekt, mal das. Irgendwann sollte sie runderneuert sein, macht aber trotzdem ständig Ärger. Eine Diva eben.
Gestern hatten wir im Erdgeschoss kein Warmwasser. Die Zirkulationspumpe war es.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Den gleichen Job und immer noch Mehraufgaben, die immer mehr werden und periodisch erdrücken.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Wahrscheinlich genau so viel, eben für andere Dinge.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Kleider machen Leute. Eine Frage, die ich mir immer schon stellte, ist beantwortet. Wie wirke ich am Besten unauffällig? Und zwar wurde die Frage auch negativ beantwortet: Wie schaffe ich es, dass mir keiner das zutraut, mir leisten zu können, was ich kaufen möchte? Das ist aber im Endeffekt von Vorteil, muss man mit den Öffentlichen oder womöglich noch bei Dunkelheit fahren.

9. Mehr bewegt oder weniger?
Gleich viel.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Eine richtig schlimme.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Kieferhöhlenentzündung plus alle Bausteine für Mittelohrentzündung vorhanden. Durch die Flüssigkeit hinter den Trommelfellen hat sich Druck aufgebaut. Eine Woche Ohrenschmerzen, zwei Wochen kaum etwas gehört. In der dritten Woche war die Welt übermäßig laut.

12. Der hirnrissigste Plan?
Urlaub auf Island zu machen.

13. Die gefährlichste Unternehmung?
Fliegen. Ich zweifele daran, dass die Sicherheitskontrollen wirklich alle gefährlichen Dinge erkennen, die ein Terrorist mit sich führt. Und, vor allem: Sind die Kontrollen an allen Flughäfen gleich gut?


14. Die teuerste Anschaffung?
Kommt darauf an. Etwas funktionierendes zu einem hohen Preis ist günstiger, als Billigplempel, der ständig ersätzt werden muss.

15. Das leckerste Essen?
Im Bärengarten in Ravensburg und im Scandinavian in Reykjavík.

16. Das beeindruckendste Buch?
Die fremde Braut - von Necla Kelek - Kiepenheuer & Witsch.

17. Der ergreifendste Film?
Keiner.

18. Die beste CD?
Eine von Anne Sofie von Otter, sie heißt "Vingar i natten". Die gefiel mir aber schon 2013, sie ist zeitlos, schön und ausgewogen zusammengestellt.

19. Das schönste Konzert?
War in keinem. Beeindruckend ist die englische Fassung des Musicals „Kristina från Duvemåla“ von Benny Andersson. Eine der wenigen Live-Aufnahmen, die mir gefallen. Sonst finde ich Studioalben besser. Ich habe das englische Musical im Musikstreamingdienst gefunden.

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Arbeiten.

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner Familie.

22. Zum ersten Mal getan?
Beruflich: Für ein Symposium von vier diversen Organisationen deren Schwerpunkte zusammengefasst sowie Alleinstellungsmerkmale und Unterschiede herausgearbeitet. "Eine halbe Doktorarbeit", nannte das mein Dienstvorgesetzter. 
Privat: An einem einwöchigen Selbstverteidigungskurs für Blinde teilgenommen. Auf Island gewesen. Einen Gastwellensittich hier gehabt.

23. Nach langer Zeit wieder getan?
Im Theater gewesen, Gartenmöbel gekauft.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Das Wespennest in der Nachbarschaft. Der flauschigste Ehemann ist heute gestürzt, der Fuß ist geschwollen. Sylvester im Bett. Keine Feier, keine Bowle.
Ach ja: Wer interessiert sich schon noch für die Terroranschläge heuer in London, Paris, Straßburg, die Gruppenvergewaltigung in Freiburg, den Mord an Susanna F.... Usw.?
Das angezündete Mädchen im Kölner Hauptbahnhof? Die Apothekerin wollte er anzünden... Das verletzte Mädchen wird so nebenbei im Artikel erwähnt. Polizeigroßeinsatz in Köln: Geiselnehmer soll gedroht haben, Frau anzuzünden - WELT, hier klicken. Das alles sollen wir vergessen. Focus, Prügeltour durch Amberg, hier klicken. Das ist der aktuellste Fall. Versteht jemand, dass ich Angst habe, als Blinde allein unterwegs zu sein? Ich hoffe, meine Gegenmaßnahmen würden greifen.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Keiner lässt sich "überzeugen", von was auch immer. Man kann nur noch hoffen, dass die eigenen Befürchtungen just Befürchtungen bleiben.

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Der flauschigste Ehemann las Gedichte, ich sang und spielte auf unserer Verschenke-CD. Das kam bei allen gut an, bis auf meine Patin. Sie hätte lieber Lieder von mir gehabt, als „ganz normale“ Weihnachtslieder.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Oft hat mich der flauschigste Ehemann reich beschenkt! Er hat mich oft eingeladen, viele "Kleinigkeiten" gemacht, die das Leben erleichtern. Ich habe Tischwäsche bekommen. Obwohl das Wirtsehepaar nicht da war, durften wir zur Beerdigung meiner Schwiegermutter dort übernachten. Der Schlüssel wurde bei der Großtante meines Mannes hinterlegt. Gezahlt haben wir dann bei der Mutter der Gastwirtsfamilie. Vielen Dank für die Herberge! Das hat uns viel Sucherei erspart und ich durfte mein gewohntes Zimmer haben.


28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Die Tierärztin lobt immer beim Check-up meine Vogelhaltung. "Die sind wirklich gut gehalten!" Dies sogar mehrfach.

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich sage immer: "Pass gut auf Dich auf." Wenn ich dies sage, meine ich das auch und es kommt aus tiefster Seele. Ansonsten wünsche ich den Leuten in schweren Zeiten immer viel Kraft.

30. Dein Wort des Jahres?
"Passt alles." Sagen mein Mann und mein Sohn immer, wenn sie zufrieden sind und ich nachfrage, ob sie noch etwas benötigen.

31. Dein Unwort des Jahres?
Wespennest.

32. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Es kam kein Blog hinzu.

33. Neue Rubrik, Dank:
Tausendfacher Dank an den flauschigsten Ehemann, Du bist meine Sonne!
Danke, für Deinen Witz, Sohnemann, Du Fläuschchen.
Dank an meine Freunde und meine Kolleginnen P. und A. Schön, dass es Euch gibt. U., ich vermisse Dich!
G. vermisse ich als Kollegen immer noch, habe weiterhin einen erfüllten Ruhestand.
Und jetzt geht auch noch Frau L.-B. Dass ist richtig schlimm.
Danke, Frau Helene, es hat mich außerordentlich gefreut, Sie wieder zu treffen!
Dank an all die netten Menschen, die mir weitergeholfen haben! In Webshops (niederegger), wenn ich mich ob der für mich unübersichtlichen Seiten komplett verirrt habe. Dank an all die freundlichen Leute in Geschäften, Restaurants usw. Danke an all die Menschen, die mir auf meinen Wegen außer Haus mal geholfen haben.
Dankeschön, ihr treuen Leserinnen und Leser für Eure Begleitung.   

34. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchen vom vorigen Jahr: Stöckchen Jahresende 2017, hier klicken.

1 Kommentar 31.12.18 14:56, kommentieren

Weihnachtsurlaub

Freitag, 14. Dezember, endlich Urlaub. Der flauschigste Ehemann hat schon seit 7. Dezember. Ich hatte ja die eine Woche Selbstverteidigungskurs und einige Einschubtage.
Wir waren mit allen Vögeln bei der Tierärztin zum Check-Up. Allen geht es sehr gut, die Haltung wird gelobt. Einer sperrt mit dem Schnabel, hat aber keine Kropfentzündung. Er bekam, mit der ganzen Federkleidgesellschaft, etwas Homöopathisches. Es scheint zu helfen.

Am Montag danach hatten wir den ersten von zwei Einkaufstagen: Der flauschigste Ehemann von allen bekam das Angebot, sich mit Anzügen usw. einzudecken. Das wird sein Weihnachtsgeschenk, plus ein neues Navi fürs Auto.
Er wollte erst nicht, ich sagte mehrfach, er soll nicht so dumm sein, wenn er solch ein Angebot bekommt. Schließlich will ich ja auch einen schönen Mann haben. Ihm standen zwei Anzüge, zwei Krawatten und drei Hemden. Ich kaufte mir noch etwas Schmuck. „Perlen bedeuten Tränen“, heißt es, wenn man sie sich schenken lässt.
Ich durfte mir ein Schmuckkästchen aussuchen. Das wird das Weihnachtsgeschenk des flauschigsten Ehemannes von allen. Meines ist mir offen aus dem Schrank aus der Höhe oberhalb der Kleiderstange gefallen. Das haben einige Schubladen nicht überlebt. Die waren nach 40 Jahren, ich habe das Schmuckkästchen mit zehn Jahren bekommen, schlichtweg an der Vorderseite offen. So lange hatte ich dieses Schmuckkästchen schon. Viele Erinnerungen hingen daran.
Alles zog ich um. Sogar die Haarspange, die ich bei meinem ersten Sologesangsauftritt trug. Die andere ist leider verschollen. Die Spange hat für mich ideellen Wert.
Der Auftritt fand zur Schulweihnachtsfeier für die Eltern am Samstag, dem 18. Dezember 1982 statt. Das Lied war „O Jesulein zart“.

Der zweite Einkaufstag brachte die Geschenke für Sohnemann und mir einen Wintermantel, etliche weiße Blusen sowie einen Großeinkauf bei Triumph. Die Firma hat das Geschäft in der Innenstadt aufgegeben. Jetzt bekommt man die Miederwaren in einem Einkaufszentrum der Trabantenstadt.

Donnerstag, 20. Dezember
Wir holten unsere Nordmanntanne bei einem Bauern. Ich habe sie am Montag telefonisch bestellt.

Freitag, 21. Dezember 2018
Wir haben den Baum geschmückt. Sohnemann hat in nur fünf Minuten eine Krippe gebastelt. Sie steht dieses Jahr auf dem Sideboard. Dort befindet sich normalerweise mein Tonstudio. Der Esszimmertisch wird dieses Jahr einen gefiederten Urlaubsgast beherbergen. Wir essen ja immer in der Küche.

1 Kommentar 22.12.18 07:46, kommentieren

Weihnachtszeit, schöne Zeit

Am Samstag, dem 17. November 2018, habe ich das Engelsgeläute aufgebaut. Der flauschigste Ehemann von allen hat für unsere Verschenke-CD Gedichte aufgelesen. Die Gedichte wurden durch das leise Änglaspel untermahlt.

Am Mittwoch, 28. November löste ich ein Weihnachtsrätsel beim Bit-Zentrum, dem Textservice des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes.
Fragen waren unter anderem, was die vergoldeten Nüsse und Rauschgoldengel symbolisieren, eine „Lütten-Weihnacht“ ist und was am 6. Dezember 1941 für ein Tag war.
Da bekomme ich bei Teilnahme wenigstens keine Werbung von Drittanbietern ins Haus und meine Adresse wird nicht herumgereicht.
   
Die Vorweihnachtszeit begann aber so richtig für mich am ersten Advent, dem 2. Dezember. Da habe ich eine Weihnachtsrede für jemanden im privaten Bereich verfasst. „Langsam gehen mir die Zitate aus“, dachte ich. Aber ich fand:

"Die Weihnachtsmaus" – von James Krüss, Weihnachten, Tagesspiegel, hier klicken. Sehr gut, das kann von einem Kind vorgelesen werden und lockert die Rede des Vereinsvorsitzenden auf.

Am Samstag, dem 8. Dezember buk ich Lussekatter und am 2. Advent besuchten wir den schwedischen Weihnachtsmarkt und deckten uns mit Lebensmitteln ein.

Am Montag, dem 10. Dezember fand die letzte Kreistagssitzung des Jahres in einem Landhotel statt und ich war auch mit eingeladen. Die Mail hatte ich gelöscht und erfuhr davon vier Tage zuvor mündlich. „Du kommst doch?“ Solche offiziellen Dinge, zumal, wenn noch Essen in der Öffentlichkeit in vornehmer Kleidung angesagt ist, machen mich sehr nervös. Zwar wollte die Suppe unbedingt mit meiner weißen Bluse flirten, die Kolleginnen, der Vorgesetzte sowie der Medienvertreter der Heimatzeitung sahen das aber locker.
Ich meinte: „Das nächste Mal mache ich die ganze „runde“ mit:
Kreistagssitzung, Jahresabschlussfeier im Amt (12. Dezember) und Presseessen (13. Dezember).“

Halt! Stopp! Das tue ich doch nicht. Zumindest nicht, wenn ich Urlaub geplant habe. Gott Lob hatte ich mich in weiser Voraussicht (es könnte ja vor dem Urlaub unaufschiebbare Arbeit warten) nicht zur Jahresabschlussfeier angemeldet. Das Presseessen habe ich wegen Lucia abgesagt. Lucia ist mir heilig.

Jeder muss sich seinen Urlaub im Vor- und Nachgang erkaufen. In der Tat musste ich für meinen Urlaub ebenfalls teuer bezahlen. Ich hätte gar keine Zeit gehabt, zur Jahresabschlussfeier zu gehen. Ohne Homeoffice wäre das alles nicht möglich gewesen.

Lucia, 13. Dezember 2018
Eigentlich hätte ich wirklich tot müde sein müssen, wachte aber um 6.30 Uhr auf. Kurz danach stand der flauschigste Ehemann auf, buk die Lussekatter auf und wir versuchten ein technisches Problem zu beheben. Wir konnten dann aber den Luciamorgon mitverfolgen.
Unsere schwedischen Freunde und wir kommunizierten nach Feierabend fleißig über die sozialen Medien, nur, ich fand am Abend kein Luciakonzert, dafür aber jede Menge Podcasts bei Sveriges Radio in der App. Ich hörte fleißig.

22.12.18 07:29, kommentieren