schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Für Blinde und Interessierte

No Light Dinner

No Light Dinners, Dunkelrestaurants usw. gibt es in vielen Städten. Ein Beispiel dafür wäre das No Light Dinner, im Restaurant Estragon Nürnberg, hier klicken. Mittwoch, 11. Oktober 2017
Unser Chef lud uns zu einem No light Dinner ein. Es war eine Erfahrung, über die am Besten nur jeder aus seiner eigenen Sicht berichten sollte, was ich jetzt auch tue. Man kann nicht davon reden, wie das die Anderen empfinden.

Es war sehr interessant, auch für mich. Nicht nur, dass ich mich gefühlt habe wie immer, logisch. Auch habe ich bemerkt, dass mir meine Augen Fenster vorgaukeln, wo mein Bewusstsein sie gerne hätte. Das ist mir schon woanders aufgefallen, ich verbuche es als sehr amüsant.

Die größere Erkenntnis gewann ich allerdings im Kollegenkreis. Ich tat genau das, was wir als Blinde nicht mögen. Ich fasste alle an der Schulter an, wenn ich mit ihnen sprach. Das empfinden viele Blinde als erschreckend, eine Berührung aus dem Nichts, oder gar als bedrohlich.
Besonders dann, wenn der freundliche männliche Helfer vorher etwas sehr riechbar ins Glas geguckt hat. Ich bekomme in solch einem Fall leicht Angst, da mich schon zwei Besoffene angegriffen haben, in die ich versehentlich hineingelaufen bin. Einer hatte mich mehrfach geschlagen, ein anderer mich gewürgt.
Was ich noch schlimmer finde, ist das Getätschele, wenn man Hilfe erhalten hat. Mir kommt es immer vor wie: „Braves kleines Mädle, jetzt hab ich deinen Schnuller aufgehoben, jetzt ist alles wieder gut.“
Tätschel, tätschel, tätschel. Ich empfinde das als entmündigend und entwürdigend. Also, selbst ich muss mir da an die Nase fassen.

Im Restaurant war ich die, welche sich um den Tisch herum besser auskannte und deshalb bin ich bei allen öfter kurz mal vorbei gegangen. Ich sprach alle darauf an, wie sie es empfunden haben, von mir an der Schulter berührt zu werden. Sie empfanden das nicht als unangenehm, wir kennen uns ja schon länger. Außerdem habe ich auf das abschließende Getätschele verzichtet, bevor ich zum Nächsten weitergelaufen bin. Trotzdem war es interessant in der umgekehrten Situation zu sein und meinen, jeden an der Schulter anfassen zu müssen, damit er weiß, er ist  angesprochen. Das ist völlig unnötig, ich habe etwas fürs Leben gelernt. Nun kann ich die Sehenden besser verstehen.

Als ein Teelicht herein gebracht wurde, blendete es alle anderen. So kann selbst jedes kleinste Licht die Finsternis erhellen.

2.11.17 05:08, kommentieren

Schminktipps für Blinde

Blind schminken? Klar doch! Die seit ihrem 16. Lebensjahr blinde Tina Sohrab zeigt, dass es geht.
Auf
dieser Seite, hier klicken, sind die Videos zu finden. Es gibt auch Menschen, die nicht ganz blind sind, sie können noch Videos ansehen. Aber auch Interessierte und Freundinnen finden die Videos sicher hilfreich.

23.10.17 06:03, kommentieren

Anders und doch gleich

Aus dem Newsletter von BBSB Inform. Carina Tillmann schreibt: 

"Wir sind eine Gruppe, die aus über 20 blinden, sehbehinderten und sogar einem gesetzlich taublinden jungen Menschen besteht. Wir leben in Deutschland, Rumänien und den USA, aber uns alle verbinden zwei Dinge: Wir sprechen alle gut genug Deutsch, um ganze Sätze schreiben zu können und wir haben alle ein Handicap. Gemeinsam haben wir ein Projekt gestartet: Dabei handelt es sich um einen Blog, der unter dem Link 

Blog "Anders und doch gleich", hier klicken, zu finden ist. Wir denken, dass man sich von seiner Behinderung nicht behindern lassen sollte, denn schließlich kennt man als Betroffener seine eigenen Grenzen am besten. Wir haben so zum Beispiel eine sehbehinderte Medizinstudentin, einen Taubblinden Tänzer, eine blinde Journalistin oder einen Jungen, der sich wie eine Fledermaus orientieren kann, unter unseren Autoren. Auch ein Mädchen, die trotz nur noch 5% Sehkraft einen Sport-LK gewählt hat, ist mit dabei.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie unsere Seite besuchen, uns ins Gästebuch schreiben, unsere Beiträge kommentieren und den Link zu unserem Blog teilen. Besonders freuen wir uns natürlich über Menschen, die sich bereit erklären, uns als (Gast)Autor zu unterstützen. Bei Interesse nutzen Sie einfach das Kontaktformular auf unserer Seite."

 

Dieses Blog findet man auch bei mir, unter den Freunden. Ob aus Schule, Studium, Beruf oder aus dem Alltag berichtet wird: Man kann sich gut in die Situation von Menschen mit Behinderung hineinversetzen. Auch ich finde es interessant, wen mir jemand mit einer anderen Behinderung erzählt, wie er sein Leben wahrnimmt.

 

Viel Spaß beim Lesen,

 

wünscht Schwedenlady

12.10.17 21:34, kommentieren

Kann eine Blinde eine echte Lady sein? Erster Teil

Diese Frage versuche ich subjektiv zu beantworten. Ich selber kann nur noch den Unterschied von Tag und Nacht wahrnehmen. Als Betroffene möchte ich mich diesem Thema nach fünf Jahren bewusster Verfeinerungsarbeit annähern.

Im ersten Teil geht es darum, was eine echte Lady überhaupt ist.
Der zweite Teil befasst sich mit dem ganzheitlichen Erscheinungsbild der Lady und gibt der blinden Leserin kleine Hilfestellungen an die Hand.
Im dritten Teil werden Fallstricke erwähnt und wie diese umgangen werden können.
Der vierte und letzte Teil behandelt, was blinden Ladys schon mitgegeben sein dürfte und somit weniger hart erarbeitet werden muss.

Was macht eine echte Dame aus? Dies ist schwer zu greifen. Hier einige Denkanstöße, welche mich auf meinem Weg begleitet haben:

Marks of an Accomplished Lady - elegantwoman.org, click here. Die zehn Lady-Regeln | Lady-Blog, hier klicken.

Von welchen Autorinnen die "Ladysünden" sind, konnte ich nicht mehr recherchieren. Hier ist dieser Abschnitt ohne Quellenangabe:Was eine Lady nicht macht:
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Lästern
Eine Lady spricht "nie" schlecht über Menschen ... auch nicht, wenn diese nicht anwesend sind. Eine Lady verhält sich immer fair, ehrlich und zuvorkommend.

Auslachen
Eine Lady lacht prinzipiell "nie" über andere Menschen. Jeder Mensch kann selbst in eine dumme Situation geraten und Gefahr laufen, ausgelacht zu werden.
Alkohol
Eine Lady ist in der Öffentlichkeit "nie" betrunken, da sie weiß, dass ein Mensch in der Öffentlichkeit mindestens von sieben anderen Menschen beobachtet wird. Ein kleiner Ladyschwipps ist allerdings jeder Frau gestattet.

Essen
Eine Lady spricht oder lacht nie mit vollem Mund. Eine echte Lady schöpft bei einem Apéro oder Buffet prinzipiell nie zu viel auf ihren Teller.

Flirten:
Eine Lady lässt sich "nie" billig und stillos von einem Mann ansprechen. Eine Lady bestraft ihn eher mit stiller, aber sehr gezielter Ignoranz.

Egozentrik und Narzissmus
Eine Lady möchte nie im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen und nur durch ihren kurzen Minirock oder ihre offene Bluse auffallen. 

Diskretion
Eine Lady hat die gleichen moralischen Pflichten wie ein Gentleman. Eine echte Lady würde nie ihre Sex- und Liebes-Beziehungen oder ihr Flirtleben an fremde Menschen ausplappern ... sie geniesst und schweigt!

Altlasten
Eine Lady trägt keinen durchsichtigen und vollen Rucksack mit irgendwelchen Altlasten von ihren Exmännern oder negativen Erlebnissen mit sich herum. 

Verlässlichkeit
Eine Lady hält "immer" ihre Versprechen oder vereinbarten Termine pünktlich und korrekt ein!

Dankbarkeit
Eine Lady bedankt sich lieber zweimal zu viel, als einmal zu wenig.
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 Checkliste über die Basisgarderobe der Lady, Lady-blog, hier klicken. Anmerkung zur Checkliste: Eine Vollblinde Dame wird nicht unbedingt eine Hand mit Stock oder Hundeleine und die andere mit einem Schirm belegen wollen. Regenmäntel sind eine gute Alternative. Ich breche mir mittlerweile auch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich eine Regenhose trage und sie dann in einem Rucksäckchen verstaue, wenn ich wirklich durch einen Platzregen gehen muss. Ab den Waden durchnässt zu sein, ist kein Vergnügen.

Eine blinde Lady braucht unbedingt Rückgrat und Selbstbewusstsein. Für jede wird es Schwierigkeiten geben und Abstriche, die sie machen muss, aber es gibt auch Dinge, die automatisch schon vorhanden sind, ohne, dass sich die blinde Lady darüber noch Gedanken zu machen braucht. Mehr darüber in den folgenden Abschnitten.

1.9.17 13:00, kommentieren

Kann eine Blinde eine echte Lady sein? Zweiter Teil

Wer von sich kann behaupten, eine vollkommene Dame zu sein? Dieser gratuliere ich mit sehr großer Anerkennung, höchstem Respekt und ehrlicher, tiefer Bewunderung.
Ich arbeite noch daran, denn ich war früher oft zu ungeduldig und ertappe mich heute noch beim Lästern über andere mit Freundinnen, eigentlich ein absoluter Verstoß gegen das Benehmen einer wirklichen Dame.

Was ich damit ausdrücken möchte: Eine Lady sein - immer und über all, 365 Tage im Jahr, ist eine Lebensaufgabe, welche nebenbei, im Alltag, mit Freude angenommen werden will.
Meiner Meinung nach ist es ehrwürdiger, die inneren Werte einer kultivierten und gebildeten Dame zu vervollkommnen als teure Markenkleider zu tragen. Mich hat erschreckt, was da manchmal an Respektlosigkeiten, Vorurteilen und Pauschalisierungen aus Mündern und Fingern der Damen floss, die von vielen als Ladys angesehen werden und auch so wohnen und leben.
An sich selber ständig zu arbeiten, seine Antennen auf andere Personen jederzeit so auszurichten, damit jeder in der Umgebung sich wie eine Königin oder ein König fühlen kann, ist eine sehr große Herausforderung. Auch der Paketbote soll spüren, er wird wertgeschätzt und selbst dieser kurze Besuch soll bei ihm einen guten Eindruck hinterlassen, also ein Lichtblick in seinem stressigen Tagesablauf sein.

Daneben erscheint das Organisieren der Lady-Garderobe als ein Kinderspiel. Selbst, wenn man dazu eine Begleitperson finden muss. Das ist in 99 % aller Fälle nötig. Es sei denn, man kennt die Modedesignerin. Sie will nicht, dass man in schlechter Garderobe, die nur einfach verkauft werden wollte, ihren Ruf ruiniert. Die Begleitperson muss jemand sein, der man vertrauen kann und die ein wirkliches Interesse an der Sache hat. Auch ist es vorteilhaft, mit Verkäuferinnen Termine abzusprechen. Wann sind mehrere im Laden und eine einzige kann sich ganz der blinden Kundin widmen?
Ob sich Stoffe gut anfühlen, kann man ertasten. Ob Kleidungsstücke gut passen, kann man in den meisten Fällen erspüren. Man muss sich nur darin bewegen, bücken, strecken und sitzen.

Ich erwarte von den Verkäuferinnen beim abschließenden Urteil über ein Kleidungsstück Ehrlichkeit, das kommuniziere ich auch. Es zahlt sich für die Geschäfte eher aus, mich gut zu beraten, als kurzfristigen Verkaufserfolg zu erzielen. Als zufriedene Kundin komme ich schließlich immer wieder.
In dieser Hinsicht bin ich gesegnet, mein Mann hat guten Geschmack und viel Geduld. Er möchte schließlich selber eine schöne Frau neben sich sehen. Als Blinde ist es nicht leicht, sich die Lady-Garderobe zu beschaffen, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. Ich möchte alle blinden Damen dazu ermutigen:
Es dauert wahrscheinlich länger, alles zu haben, was benötigt wird, hat man die Dinge aber, weiß man, wo man immer wieder Ersatz bekommt. Zu stures und dickköpfiges Suchen bringt oft wenig. Urplötzlich "finden" mich die Dinge, nach denen ich ewig gesucht habe oder ganz andere, die "einfach so" auftauchen. Öffnen sich die Antennen, um als Dame durchs Leben zu gehen, kommen auch unerwartete Einkäufe vor.
Eine Dame ist man nicht erst mit dem kompletten Erwerb der Ladygarderobe, es ist eine Sache der Ausstrahlung.

Kleine Hilfen:
Hänge zusammenpassende Outfits auf einen Bügel, oder nebeneinander.

Sortiere Dein Makeup in dünne Plastiktütchen ein. Zum Beispiel: Das Makeup für den Alltag, das Makeup für den Silberschmuck und am Abend, das Makeup zu Goldschmuck und am Abend, das Makeup für dieses und jenes Outfit.
 
Erstelle eine Datei: Beschreibe das Kleidungsstück, auch gerne mit eigenen Worten (die weiße, steife Bluse mit dem Monogramm) und schreibe die Pflegehinweise dazu.

Erstelle in einer Datei ganze Outfits:
Passende Oberbekleidung, evtl. passendes für darunter, dazu passende Strumpfhose und Schuhe. Dann noch die dazugehörigen Accessoires, Schmuck, Haarband, die Gestaltung der Frisur und das Makeup und evtl. den Nagellack. Beschreibe die Beschaffenheit des Lippenstiftes beispielsweise sehr genau. Der Lippenstift aus Metall, oben etwas abgeschrägt usw. Dies ermöglicht Dir auch noch nach einem Jahr, dieses Outfit gleich in seiner Vollkommenheit kombinieren zu können.
Gib Variationsmöglichkeiten an.
Je genauer und fröhlicher Du schreibst, umso schöner ist es, just dieses Outfit wieder auszuwählen.

Steht ein für Dich wichtiges Ereignis an, nimm die Oberbekleidung ggf. zum Ansehen ins Nagelstudio und zur Kosmetikerin mit oder lasse Dir von einer Freundin helfen.

Wenn Du für ein Outfit spontanes Lob erfährst, notiere das Outfit so detailgetreu wie möglich in dieser Datei. Schon hast Du auf die Schnelle eine Kombinationsmöglichkeit mehr an der Hand und musst nicht lange überlegen.

Wenn Du magst, notiere auch Kombinationen, die weniger gut angekommen sind. Ich merke mir diese von Haus aus schon und konzentriere mich auf die positiven Beispiele. Das ist schöner. eine Lady sein muss schließlich Spaß machen.

Hast Du gefärbte Haare, frage immer jemanden, der einen Blick dafür hat, ob Farbe und Schnitt noch in Ordnung sind. Du kannst auch regelmäßig alle sechs Wochen zum Friseur gehen. Den Schnitt kannst Du ertasten. Du erspürst selber die Haare und deren Beschaffenheit. Wenn nicht, Du wirst das Gefühl dafür entwickeln. Deine Lady-Antennen wachsen in die Tiefe.
Taste dazu vor einem perfekten Tag, wenn Du wie aus dem Ei gepellt bist oder wurdest, Dich selber vorsichtig ab und präge Dir alles genau ein. So entwickelst Du dieses Empfinden. Deine Finger sind Deine Augen, Deine Hände und Dein Gedächtnis sind der Spiegel. Du wirst Dich ganz neu begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt allerdings auch Fallstricke, denen kannst Du abhelfen. Es passieren aber auch Dinge, die muss eine Dame gegebenenfalls hinnehmen, darüber stehen, die virtuelle Krone zurechtrücken und weitermachen. Außerdem verfügt die blinde Lady oft über Dinge, welche sie nicht erst mühsam erwerben muss. Hier kann sie völlig in sich selber ruhen und auf ihre Begabungen sowie Fertigkeiten vertrauen.

1.9.17 12:45, kommentieren