schwedenlady

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Blinde Autistenmutter erzählt

Anstrengend

Das ist das einzige Wort, welches für unseren Familienausflug in die Wilhelma am Sa, 29.07.2017, galt. Der Zug von R. nach S. war überfüllt. Wir hatten erst Notsitze, nach Ulm verteilten wir uns im Wagen auf richtige Plätze.
In der Wilhelma fand ich es ebenfalls anstrengend. Viele Stufen auf den Wegen und in den diversen Themenhäusern, Pflanzen auf dem Boden, man muss sich sehr konzentrieren. Dieses mal hat Sohnemann mich auch mal in die Voliere mit den Wellensittichen gelassen und ist geduldig in den Themenhäusern von Voliere zu Voliere gezogen. Ich wollte wissen, wie die Vögel heißen, was ausgeschildert ist. Die Pinguine waren natürlich wieder das Highlight unseres Sohnes. Ich bin schon sehr froh, dass der flauschigste Ehemann der Welt mit dabei war. Jetzt ist im Büro auch nicht mehr Land unter, die Ferien beginnen.

4.8.17 04:37, kommentieren

Lerngespräch

Unser Sohn wird in die Berufsschule kommen. Das ist anvisiert. Natürlich ist diese speziell abgestimmt. Es wird auch Gewicht auf die Deutlichkeit der Aussprache gelegt. Sohnemann war gar nicht so negativ eingestellt, nach der Schule die gewohnte Umgebung zu verlassen. Vielleicht ist das für ihn zu abstrakt. Wir werden sehen. Jedenfalls gab es keine negativen Nachrichten wie beispielsweise noch bis 2012. Der Wechsel in die Außenklasse tat ihm damals gut und ihm gefällt es in der Schule, auf der Wohngruppe und bei uns gleichermaßen. Es wäre schlimm, würde er sich nicht wohl fühlen. Ich hatte in meiner Jugend Zeiten, da gefiel es mir in Schule und Internat besser als daheim.

6.4.17 17:05, kommentieren

Kein U-Bahnwochenende

Sa 18.03.2017
Unser Sohnemann schnupfte und hustete nach dem Aufwachen. Wir ließen das U-Bahnfahren sein, es regnete den ganzen Tag. Ich gab ihm einen Schleimlöser für die oberen Atemwege, Nasenspray zum Abschwellen, rieb ihn ein und hielt ihn zum Teetrinken aus sehr übergroßen Tassen an. Das tat er auch. Am Besten kamen die Hustenbonbons an.

 

Ich hatte die sprechenden Elektronikspiele „Bob It Moves“ (ist noch nicht geliefert worden) und „Echt jetzt“ bestellt. Letzteres ist ein Spiel mit Buzzer ab acht Jahren, bei dem er erst seine Farbe drücken und auf die Frage „stimmt‘s oder stimmt‘s nicht“ einen roten oder grünen Buzzer betätigen muss.
Seine Konzentration ließ zu wünschen übrig, da jammerte er noch dem verlorenen U-Bahntag hinterher. Aber, auf die Behauptung „Stimmt‘s oder stimmt‘s nicht: Die Arktis ist ein Kontinent.“ Drückte er richtig, also, nein. Er war nicht unsicher dabei. Geographie scheint ihm sehr zu liegen. Ansonsten haben wir ihm geholfen oder ihm bei Schnellraterunden den Vortritt gelassen. Insgesamt macht ihm das Spiel aber wenig Freude. Am PC hat er massenhaft Zeichnungen verfertigt und gedruckt.


Ich  vermute, das Spiel „Bob It Move“ wird ihm mehr Freude bereiten. Da muss er auf Kommando diverse Bewegungen ausführen, an Elementen ziehen, drehen, usw. Ich bin sehr gespannt darauf.

 

20.3.17 05:01, kommentieren

Weihnachten

So 18.12.2016
Ich hatte Sohnemann um Mithilfe bei einfachen Tätigkeiten gebeten, es prallte ab. Ich sagte: „Wenn du nicht mithilfst, fällt Weihnachten aus.“ Keine Reaktion. Ich glaubte nicht, dass er es sich so zu Herzen nahm. Die Gruppe erzählte, er hätte Angst gehabt, Weihnachten nicht heim zu dürfen und ich klärte den für mich kleinen Disput auf.
In Zukunft bin ich vorsichtiger mit solchen Äußerungen. Schließlich konnte ich früher auch an eine Wand appellieren und hinreden, ohne, dass es half. Anscheinend fruchtet doch mal etwas. Er half jedenfalls mit, und räumte seinen Müll weg und seine Sachen in die Geschirrspülmaschine. Auch an Heiligabend.

 

Wir waren bei seinem Opa im Krankenhaus. Beide fuhren heim, es war besser so. Ich  blieb alleine dort. Beide holten mich dann wieder ab.

 

Er war bei uns hier dann sehr still, er nahm offensichtlich die Atmosphäre wahr. Auf der Gruppe verhielt er sich äußerlich normal. Er verarbeitete es, indem er auf der Gruppe allein den Baum schmückte. Hier half ihm Papa. Papa und ich stellten den Baum auf, dann kümmerte sich Papa um die Kerzen, den Rest machten beide gemeinsam.

 

Heiligabend war stimmungsvoll. Er bekam eine neue Kamera, mit Stativ und Tasche und Papa zeigte ihm deren Bedienung. Ich hoffe, er kommt mit ihr zurecht. Ein neues Tagebuch und Süßigkeiten brachte das Christkind auch.

30.12.16 07:15, kommentieren

Erlebnis am Elterntag

Der Elterntag war schön. Bis auf eine Sache. Eine Mutter. Was die beruflich treibt, weiß ich nicht. „Das ist ja schön, wenn Sie im Haushalt mitarbeiten“, sagte sie herablassend zu mir. Ich hab sie gefragt, ob das ein Witz sein soll.
Ganz klar. Als Blinde kann Frau keinen Haushalt führen, sondern „nur“ mitarbeiten. Hoffentlich ist die Fallhöhe vom hohen Ross genau so groß wie die Unkenntnis dieser feinen Dame. Und ausgerechnet Leute, deren Verwandte im sozialen Bereich arbeiten, versteigen sich zu so etwas. Sehr beeindruckend. Auch gibt es die Blindenpädagogikausbildung in Heidelberg übrigens erst ein Jahr. Unsere Lehrer wurden, als ich Schülerin war, mit viel finanziellem Aufwand auf dem Mond geschult, da gibt es nämlich eine Nachtseite. Schade, dass sie so wenig über das schwebende Gefühl mit geringerer Schwerkraft erzählt haben.

Unser Sohn kann wunderbar sticken und der Vorfall, von dem ich berichtete, war auch schon wieder vergessen. Die Serie "Cobra 11" soll er künftig nicht mehr anschauen. Da sind die Gruppe und wir uns einig.

 

Wen es interessiert: Hier im "Blindenzoo" koche und wasche ich, mein Mann putzt. Wir fahren mit dem System sehr gut. 

9.10.16 14:35, kommentieren