schwedenlady

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Blinde Autistenmutter erzählt

Warum ein Autist ein Gentleman sein kann

Viele denken, das widerspricht sich, denn Autisten können nicht mit Gefühlen anderer umgehen.
Schon in den 90ern las ich ein Interview mit der Autistin
Temple Grandin – Wikipedia, hier klicken. Sie erlernte vieles durch Nachahmen. Sie übernahm vorgelebte Verhaltensweisen. Das machen andere Kinder auch. Unser Sohn sieht von Kindesbeinen an wie wir miteinander umgehen. Eltern sind einfach in dieser Hinsicht das Vorbild. Gehen wir respektvoll miteinander um, so lernen dies die Kinder. Ich denke, das ist der ganze Zauber. Auch hielt ich ihn immer an, sich zu bedanken. Erst in Gebärdensprache, später mit dem Wort „Danke“.
Unser Sohn spricht Zwei- und Dreiwortsätze. Das klingt wenig, ist aber viel im Vergleich zu vorher. Da verwendete er Gebärdensprache und später einen Kommunikationsordner mit Wort, Bild und Gebärde des jeweiligen Themas.
Deshalb ist er auch eher ein „Mann der Tat“, der die Türe aufhält und so weiter. Kommunikation ist nicht seine starke Seite.
Allerdings hilft er auch, wenn er kann. Ihm entgeht nichts. So ließ ein Mann beim Aufstehen in der U-Bahn seinen Schlüsselbund fallen, bemerkte es nicht und wollte aus der U-Bahn sprinten. „Halt! Schlüssel!“ Rief unser Sohn. Mein Mann erklärte es, weil „Schlüssel“ bei ihm wie „Schnüssel“ klingt. Ich freue mich, dass unser Sohn sich so verhält.

12.10.17 21:13, kommentieren

Der Gentleman

Am Mi, 06.09.2017, stieg ich in S. um, damit ich nach R. fahren konnte.
Beim Warten lernte ich eine reizende ältere Dame aus R. kennen. Wir verabredeten uns für den Abend zum Essen. In meinem Hotelangebot war ein Essen mit drei Gängen inkludiert. Ich lud Frau H. ein. Wir hatten gutes Essen und gute Gespräche. Dieser erste Abend war rund um gelungen.

Am Do, 7. September, holte ich mit dem Taxi Sohnemann ab. Diese Fahrt und die dann nach Friedrichshafen kosteten 100 Euro.
Da ich vorher Computerprobleme ohne Ende hatte und mit meinen Gedanken völlig woanders war, vergaß ich daheim Bargeld abzuheben. So überlegte ich, wie ich sparen könnte. Das Hotel konnte ich mit Karte zahlen, allerdings nicht das Taxi. Und mir fiel etwas für die Rückfahrt ein.

Mit knapper Not erreichten Sohnemann und ich erst mal den Katamaran nach Konstanz. Dort waren wir im Sea Life und natürlich waren die Pinguine sehr interessant.
Wir aßen wieder im Casa Blanca Pizza und mein Sohn bekam ein Halstuch, das er sich aussuchte.
Er zeigte mir die Bank und wir saßen und warteten auf den Katamaran.
Dieser legte an und einige versuchten durch den Ausgang, aus welchem vorher die Leute kamen, auf das Schiff zu gelangen.
Nicht mein Sohn. Er wartete und nahm den richtigen Einstieg.
In Friedrichshafen fragte ich ihn, ob er bei der Bodenseebahn den Zug nach R. finden würde. Das tat er. So fuhren wir also nach R. und sparten bei der Rückfahrt mit dem Taxi ganze 61 Euro.

Freitag, 8. September
Beim Frühstück erfuhr ich, dass ich nicht bis 13.00 Uhr bleiben konnte, das Zimmer war verbucht. Als ich den flauschigsten Ehemann darüber informieren wollte, war er schon auf dem Weg zu mir. Er hatte sich so etwas schon gedacht. So holte er mich um 11.00 Uhr ab und wir nahmen Sohnemann mit.

Unser Sohn ist wirklich ein Gentleman geworden und hat dabei seinen Autismus bewundernswert im Griff:
Papas Handy gab bei der U-Bahnfahrt den Geist auf und unser Sohn wartete im Laden ausgesprochen geduldig, bis wir überhaupt dran und dann fertig waren. Am Tag darauf öffnete er mir die Autotür, wartete, bis ich eingestiegen war und schloss sie dann. Wie charmant sind doch die jungen Leute! Sage mir niemand etwas Schlechtes über die heutige Jugend!
Er hat übrigens eine interessante Art, mich anzusprechen.
Als er noch eine höhere Stimme hatte und ich auf dem öffentlichen Damen-WC saß, wartete er vor der Türe. Als es ihm zu lange dauerte, fragte er „Mama?“
„Ja“, Antworteten mit mir noch zwei andere Damen.
Dieses Mal sprach er mich in Konstanz durch die Außentüre mit meinem Vor- und Nachnamen an.
Da kann auch nur ein Autist drauf kommen. Ich finde das bewundernswert. Er weiß sich zu helfen und wird mit diesem Einfallsreichtum das Leben im Rahmen seiner Möglichkeiten meistern.

Aber natürlich gibt es ob seiner Behinderung wieder mal Verwaltungsk(r)ampf. Wer ist es? Die Krankenkasse.

 

1.10.17 19:13, kommentieren

Anstrengend

Das ist das einzige Wort, welches für unseren Familienausflug in die Wilhelma am Sa, 29.07.2017, galt. Der Zug von R. nach S. war überfüllt. Wir hatten erst Notsitze, nach Ulm verteilten wir uns im Wagen auf richtige Plätze.
In der Wilhelma fand ich es ebenfalls anstrengend. Viele Stufen auf den Wegen und in den diversen Themenhäusern, Pflanzen auf dem Boden, man muss sich sehr konzentrieren. Dieses mal hat Sohnemann mich auch mal in die Voliere mit den Wellensittichen gelassen und ist geduldig in den Themenhäusern von Voliere zu Voliere gezogen. Ich wollte wissen, wie die Vögel heißen, was ausgeschildert ist. Die Pinguine waren natürlich wieder das Highlight unseres Sohnes. Ich bin schon sehr froh, dass der flauschigste Ehemann der Welt mit dabei war. Jetzt ist im Büro auch nicht mehr Land unter, die Ferien beginnen.

4.8.17 04:37, kommentieren

Lerngespräch

Unser Sohn wird in die Berufsschule kommen. Das ist anvisiert. Natürlich ist diese speziell abgestimmt. Es wird auch Gewicht auf die Deutlichkeit der Aussprache gelegt. Sohnemann war gar nicht so negativ eingestellt, nach der Schule die gewohnte Umgebung zu verlassen. Vielleicht ist das für ihn zu abstrakt. Wir werden sehen. Jedenfalls gab es keine negativen Nachrichten wie beispielsweise noch bis 2012. Der Wechsel in die Außenklasse tat ihm damals gut und ihm gefällt es in der Schule, auf der Wohngruppe und bei uns gleichermaßen. Es wäre schlimm, würde er sich nicht wohl fühlen. Ich hatte in meiner Jugend Zeiten, da gefiel es mir in Schule und Internat besser als daheim.

6.4.17 17:05, kommentieren

Kein U-Bahnwochenende

Sa 18.03.2017
Unser Sohnemann schnupfte und hustete nach dem Aufwachen. Wir ließen das U-Bahnfahren sein, es regnete den ganzen Tag. Ich gab ihm einen Schleimlöser für die oberen Atemwege, Nasenspray zum Abschwellen, rieb ihn ein und hielt ihn zum Teetrinken aus sehr übergroßen Tassen an. Das tat er auch. Am Besten kamen die Hustenbonbons an.

 

Ich hatte die sprechenden Elektronikspiele „Bob It Moves“ (ist noch nicht geliefert worden) und „Echt jetzt“ bestellt. Letzteres ist ein Spiel mit Buzzer ab acht Jahren, bei dem er erst seine Farbe drücken und auf die Frage „stimmt‘s oder stimmt‘s nicht“ einen roten oder grünen Buzzer betätigen muss.
Seine Konzentration ließ zu wünschen übrig, da jammerte er noch dem verlorenen U-Bahntag hinterher. Aber, auf die Behauptung „Stimmt‘s oder stimmt‘s nicht: Die Arktis ist ein Kontinent.“ Drückte er richtig, also, nein. Er war nicht unsicher dabei. Geographie scheint ihm sehr zu liegen. Ansonsten haben wir ihm geholfen oder ihm bei Schnellraterunden den Vortritt gelassen. Insgesamt macht ihm das Spiel aber wenig Freude. Am PC hat er massenhaft Zeichnungen verfertigt und gedruckt.


Ich  vermute, das Spiel „Bob It Move“ wird ihm mehr Freude bereiten. Da muss er auf Kommando diverse Bewegungen ausführen, an Elementen ziehen, drehen, usw. Ich bin sehr gespannt darauf.

 

20.3.17 05:01, kommentieren