schwedenlady

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In Schrift gestelltes

Neuer Job

Manchmal habe ich das Gefühl, aufgrund der anfallenden Arbeiten im privaten Bereich schlicht meinen Beruf wechseln zu müssen.
Denke ich darüber nach, was ich dann arbeiten soll, bin ich ratlos. Nehmen wir doch als Beispiel den letzten Monat.

Bankgehilfin: 1 Stunde für Überweisungen und Auszahlungen. Früher hat das der Mitarbeiter erledigt. Heute muss ich Online die IBAN usw. eintippen und bin bei Auszahlungen nur noch ein Fall für den Geldautomaten.

Einzelhandelskauffrau in diversen Läden mit Selbstbedienung: 4 Stunden. Oft waren die Mitarbeiter „nicht zuständig“, liefen aktiv davon oder kannten sich genauso gut aus wie ich, nämlich gar nicht.

Hotelangestellte: 30 Minuten.
Ich habe mir mein Frühstück selber am Buffet zusammengestöpselt und vor Stress ob meiner Blindheit plus der mittelmäßigen Ortskenntnis die Hälfte vergessen. Es gab deshalb Brötchen, nur mit Butter, ohne Käse, das ist kein Standard.
Am nächsten Tag rief ich entnervt vom Frühstücksraum aus mit meinem Handy die Rezeption an und bat um Hilfe. Ich wollte etwas essen, keinen Polterabend veranstalten. Neben dem Selbstbedienungskaffeevollautomaten standen die Tassen in diversen Größen kopfüber gestapelt. Auf dem jeweiligen Tassenboden befand sich die dazugehörige Untertasse. Nachdem ich einen Turmbau zu R. gehörig klirrend in Schieflage brachte, gab ich entnervt auf.

Bahnangestellte: 0 Minuten. Fahrkarten muss ich mir nicht selber organisieren. Im Nahverkehr kann ich das Getippe an für mich nicht zugänglichen Automaten aufgrund meines Schwerbehindertenausweises vermeiden, in anderen Fernzügen darf ich ohne Aufschlag Karten lösen. Ich atme ob dieser Erleichterungen hörbar auf.

Des Weiteren bin ich eine relativ schlechte Apple-IT-Spezialistin: 5 Stunden, 30 Minuten.
Mein Update von IOS 8.5 auf IOS 9.5 am letzten Freitag beweist es. Schon das Updaten von IOS 7.schieß-mich-(nicht)-tot auf IOS 8.5 beschäftigte mich 2015 einen Abend lang und am nächsten Morgen. Ich musste den neu dazu gefügten, systemimmanenten Apps im letzten Jahr abgewöhnen, mich zu orten, auszuhorchen oder eventuelle Musikstream-Abos zu installieren, welche sich dann evtl. klamm heimlich verlängern. Selbstverständlich hatte mein Iphone damals alle professionellen Sprachausgaben vergessen, welche nachgeladen werden wollten.
Letzten Freitag klappte das mit den Apps besser, ich war wohl geübter, updatete alle Apps wie verrückt – und die hochwertige deutsche Sprachausgabe (ohne Nuscheleien und Sprachfehler) ließ sich wieder nicht adäquat installieren. Laden, ja, mit ihr arbeiten, nein. Sie gebärdete sich wie ein störrischer Esel.

Ich musste jemanden anrufen, der diese Fitzelarbeiten auch im „Nebenjob“ erledigt. Allerdings kommt er hauptberuflich aus der Branche, hat die nötige Fachkompetenz und die Ruhe weg. Er stellte gelassen fest:
„Die Sprachausgabe lässt sich nicht richtig installieren, wenn das IOS vorne die Ziffer ändert. Das ist aber halb so wild.“
Unter seiner fachkundigen Anleitung klappte es.
Wer soll den Mann für seine Hilfe jetzt bezahlen? Apple oder ich?

Im letzten Monat gab es also Nebentätigkeiten für diverse Firmen und Betriebe insgesamt von:
11 Stunden.

Das ist alles von den Unternehmen kalkuliert und der „arbeitende Kunde“ wird bewusst bei der jeweiligen Firmenpolitik mit eingeplant und eingerechnet.
Eigentlich sollte man uns dann aber auch dafür bezahlen. Das schenkt man sich bewusst. Den Ärger und das Minus an Freizeit haben allerdings wir Kunden.

Als was soll ich jetzt meinen weiteren beruflichen Werdegang bestreiten?
Als Bankgehilfin, Einzelhandelskauffrau, als (mangelhafte) Hotelangestellte oder (ungenügende) Apple-IT-Spezialistin?

Mir scheint, die Berufsbezeichnung "Depp vom Dienst im unbezahlten Ehrenamt ohne Aufwandsentschädigung" umschreibt es auf vortreffliche Weise.

1 Kommentar 1.9.16 05:49, kommentieren

Lieb Vöglein hold

Sing, lieb Vöglein hold im Strauch,
sing vor lauter Frühlingsfreude,
mit Dir singt mein Herz nun auch.
Federglück, wir singen beide!

Doch fällt Graupel, Regen, Schnee,
Kälte hat sich festgebissen.
Schreckensstarr ich frierend steh.
Gott hat dir dein Lied entrissen.

 

© Schwedenlady; Mi, 27. April 2016

27.4.16 17:17, kommentieren

Verpackungstücken

Du kennst sie! Diese Dinger, mit denen sich gefütterte Briefumschläge zusammen klammern lassen. Man kann auch wunderbar schnell mal zwei Blätter
bei der Lochung so heften, daß man eine Doppelseite erhält.... Diese auseinander
biegbaren - wie heißen diese Metalldinger gleich? - Ach ja!
Musterbeutelklammern!
Da muß man erst mal drauf kommen! Vor allem muß man an sie ran kommen.
Ich erwarb einmal fünf solcher Plastikschächtelchen je 100 klammern.
Alle waren gemeinsam in einer sehr leicht kaputtbaren Zellophanfolie verpackt. Jede Schachtel war mit einem schwer ablösbaren Papieretikett versehen. Man
rupft und zupft am Etikett, kriegt es nur teilweise ab, rupft am Deckel eines Schächtelchens und - wusch! Alles katapultiert sich geschoß- oder Springkrautartig
durchs Zimmer.
Du hältst verdattert die Schachtel (ohne Flugklammern) in der Hand, holst Deinen Mann zu Hilfe und gemeinsam sammelt ihr auf.
Die meisten ins Schächtelchen, der Rest wird irgendwann hinter einem Schrank gefunden oder vom Staubsauger mit einem metallischen "Plopp"gefressen.
Neulich bekam ich einen neuen Schreibtisch, verstaute alle Schächtelchen musterbeutelig woanders und brauchte eine Klammer. Jetzt galt es, die geöffnete
der fünf Schächtelchen voller Metallzweiflügler zu finden. Ich fand sie nicht und begann, am Papieretikett einer neuen Schachtel zu zerren. Mein Mann
sah das, geriet leicht in Panik und beeilte sich, die erste Schachtel zu finden. Es gelang...
Ton- und Videokassetten werden für die Ewigkeit einzeln verpackt und drum herum kommt noch einmal eine Folie. Die sollen noch den Weltuntergang in der
Folie überleben!
Wieso verpackt man die nicht lieber gesammelt und spart sich die Einzelverpackung?
Bei den Musterbeutelklammern (Gattung metallische Sprungfluginsekten) würde glatt mal eine Verpackung für jede Schachtel in Zellophan Sinn machen! Da wüßte
man gleich, welche schon offen ist und außerdem würde sich das (hoffentlich) leichter bewerkstelligen lassen, als mit diesen Papieretiketten.
So! Und das klammere ich nicht zusammen. Falls sich jemand den Trouble ersparen will und so ein Metalldipter braucht, ich hab eine schon geöffnete Schachtel!

Ursprünglich gebloggt am: 15.5.05 21:32

2.3.16 04:58, kommentieren

Balkonien, Gardenien, Terrassien

Wo liegen Balkonien, Terrassien, Gardenien?
Sie liegen überall, auf jedem Kontinent, diese Bezeichnungen im deutschsprachigen Raum sind ein Ausdruck für den Urlaub in den eigenen oder gemieteten vier Wänden.

Hauptstadt:
Dort, wo man sich trifft. Um den Tisch, beispielsweise.

Andere große Städte:
Wo man sich mit den Freunden und/oder der Familie aufhält. In der Küche, im Wohnzimmer...

Größe des Landes:
Variabel

Einwohnerzahl:
Eins bis zumeist zwei bis fünf, Ausnahmen sind möglich. Die Anzahl ist oftmals nach Anlass der Feier verschieden.

Sprache:
Meist koordinierte Sprache der Bewohner, kann aber nach übermäßigem Alkoholkonsum in Lallolenisch umschlagen, was für alle beteiligten sehr schwer verständlich ist, da selbst die Dolmetscher das gesprochene Wort nicht verstehen. Der Sinn des Gesagten ist oftmals nur in Zwiesprache mit sich selber vom Redner alleine zu erfassen.
Amtssprache:
Urlaubssprache ist die Sprache der Bewohner. Das können starke Formen des regionalen Dialekts sein.

Flagge:
Fahne, müsste man in vielen Fällen sagen. Meist die des Fußballvereins, manchmal die des Bundeslandes usw. und zum Ärgernis der Kontaktpersonen auch die Alkoholfahne.

Nationalfeiertag:
Der Urlaubstag mit dazu passendem Wetter.

Währung:
Die Währung des Landes, welches das Urlaubsparadies umgibt. Bei Partys oft Naturalien wie Nudelsalat oder Kuchen, bei Grillfesten wird das mitgebrachte Fleisch zum jeweiligen Eigenverbrauch gern gesehen.

Grenzen:
Besonders bei Balkonien sollte die Brüstung als Außengrenze unbedingt respektiert werden! Verstöße gegen dieses Gebot können sehr unangenehme Folgen haben.
Sonstige Grenzen: Nachbargrundstücke, die Straßen, Wiesen, Wälder, Flüsse und Seen.

Wichtige Seen, Flüsse und Landschaften:
Springbrunnen, Plansch- und Schwimmbecken bilden markante Punkte der Landschaft. Dem Besitzer ist es, sofern er physikalische Gegebenheiten beachtet (und die Genehmigung des Vermieters vorliegt), freigestellt, wie er die Landschaft gestaltet. Ein Pool mit starker Hanglage oder auf Untergrund, der mit Kieselsteinen belegt wurde, ist nicht zu empfehlen.
Auch sollte man – bei langfristigem Interesse an einem großen runden Pool mit aufblasbarem Rand - diesen möglichst nicht neben einen Rosenstrauch positionieren. Dieses Beispiel entspricht der Realität und ist nicht erfunden.

Klima:
Meist gut, es kann aber immer einen Spielverderber geben.

Wetter:
Wie in den Nachbarländern. Meist zieht man im Urlaub das Schlechtwetterlos, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Regierungsform:
Meist werden demokratische Beschlüsse gefasst, in traurigen Fällen herrscht Diktatur.

Staatsform:
Meist Republik, in Adelskreisen auch Monarchie.

Schulsystem:
Keines. Freiwilliges Lesen und Hören von Lyrik, Belletristik, Sach- und Fachbüchern und das Ansehen und Hören entsprechender Sendungen sind freundlich erlaubt.

Feste:
Spontane und geplante Partys, Fußballspiele und sonstige Großveranstaltungen, die im Fernsehen übertragen werden.

Tiere:
Meist Hunde und Katzen, in den Räumen oftmals Fische, Vögel, Hasen, Hamster, Mäuse usw. Seltener Pumas oder Krokodile. Letztere, äußerst exotische Lebewesen, entlaufen zumeist und man findet sie im nächsten Sommerloch in den Medien wieder.

Sonstiges: Allen wünsche ich einen schönen Urlaub!

© Schwedenlady 18.08.2012, und Schwedenlady 18.06.2015

18.6.15 17:51, kommentieren

Iban-Chaos

Ich habe es gewusst! Früher oder später gibt es einen, der sich nicht richtig konzentriert und die lange Iban durcheinander schmeißt. Zum 1. Februar 2014 ersetzte ja die IBAN in der EU die bestehenden nationalen Kontonummern bei Überweisungen.

 

Für die höchst seltenen Überweisungen ins Ausland konnte ich gerne mit Iban und BIC Geduldsspiele spielen und dieses Puzzle passgenau eingeben. Das hieß für mich:

Zwei Mal im Jahr aufpassen wie ein Schießhund und die 20-stellige Iban richtig eingeben. Bei der Iban hat man zwei Buchstaben und eine lange Zahlenschlange vor sich und schreibt diese dann ab, ohne in der Zahlenfolge zu verrutschen, einen Dreher hinein zu bekommen oder eine bestimmte Zahl bei vielen Aneinanderreihungen von bestimmten gleichartigen Ziffern, meistens Nullen, zu übersehen.

So eine Folge kann ich mir nur in Vierergruppen merken. Also vier Ziffern schreiben, dann wieder in der Schlange suchen, wo es weiter geht. Spätestens bei der dritten Vierergruppe muss ich die Schlange von Anfang an jedes Mal abzählen. Das frisst Zeit. Dann kommt noch die BIC. Eine Buchstaben-Zahlen-Buchstaben-Kombination. Deren Aufbau erschließt sich, fast wie bei jeder Iban, nur den Fachleuten.  Mein intelligentes Bankingprogramm trägt die BIC im Inland gleich selber ein und die Bank auch.

Früher musste dieses zeitfressende Puzzlespiel nur für Auslandsüberweisungen sein.

Eine acht bis zehn Ziffern umfassende Kontonummer war bei Inlandsüberweisungen übersichtlicher und einfacher einzufügen. Das ging recht schnell. Unsere Bankleitzahlen waren gut strukturiert und das war auch einfach. Ich mochte Inlandsüberweisungen, das ging leicht und schnell.

 

Das neue System ist von Wirtschaftseuropäern zum Wohle der großen Wirtschaftsunternehmen erdacht worden, nicht für Otto Normalverbraucher, Lieschen Müller und vor allem nicht für die Schwedenlady.

Das System mag gut für Computerprogramme funktionieren, die miteinander automatisch kommunizieren, aber wir Menschen sind eben keine Computer. Und wir haben trotzdem - dank dieser Nullen, den Zahlensalat.

 

Froh bin ich, wenn mir jemand eine PDF schickt, ich die Iban nur in die Zwischenablage schieben und einfügen muss und dann schnell sehe, ob die eingetragene BIC im Bankprogramm und auf der Rechnung identisch ist. Manchmal entferne ich die Leerfelder und hoffe inständig, der Betreffende hat nicht geschlampt und seine 20-stellige I-Ban korrekt angegeben.

Man sollte annehmen, die Leute hätten ein ureigenes Interesse daran, ihr zu Recht für ihre erbrachte Leistung gefordertes Geld auch einzunehmen und zu prüfen, was sie da an Bankdaten verschicken. - Sollte. Nichts ist selbstverständlich.

 

Da das Durchwursteln in Firmen mit evtl. schlechtem Betriebsklima eine manchmal mit Ehrgeiz betriebene Disziplin ist, prüfe ich immer, wohin mein Geld fließen soll.  Es könnte ja jemand bei der Iban nicht genau genug gewesen sein. Wer darf dann seinem Geld wieder nachlaufen? Ich.

 

Vor einem dreiviertel Jahr bekam ich eine Rechnung mit einer Iban. Im Impressum der Firma stand eine andere Iban. Ich musste der schludrigen Firma hinterhertelefonieren, was denn jetzt bitte stimmt. Man hat ja sonst nichts zu tun.

 

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Iban mit 5 Nullen in der Mitte in Folge. Wir mussten beim Diktieren und Abschreiben schon aufpassen. Meine Vierergruppen gingen am Ende im Geiste nicht auf. Also zählen, prüfen, ja, die Nummer war mit dem Original identisch.

Das Bankprogramm trug aber trotzdem nicht automatisch BIC und Bank ein. Die Iban hatte 21 Ziffern. Ein Iban-Rechner im Internet, der in ihr enthaltene Bank und Kontonummer überprüft, erkannte die Nummer auch nicht.

Also, hinterhermailen.

Eine halbe Stunde futsch, sonst brauchte man nur einige Minuten. Aber, der Normalbürger hat die Zeit ja. Der kann sich ruhig damit abplagen.

 

Mein Dank gilt deshalb allen Eurokraten, denen die effektive und rationelle Kommunikation zwischen Bankcomputerprogrammen untereinander wichtiger ist, als die Anliegen der Bevölkerung. Ich danke auch allen Firmen, die wahlweise zu dumm, zu schlampig, zu schläfrig oder zu wurstig sind, eine Iban einfach 1 Mal korrekt abzuspeichern, das eine Mal wirklich sorgfältig zu prüfen  und dann nur noch in die Zwischenablage zu übernehmen und einzufügen. Falls ich mich rächen will, werde ich im nächsten Leben eine falsche Iban. Dann sind die Benutzer auf jeden Fall eine halbe Stunde mit mir beschäftigt und denken intensiv an mich.

1.4.15 06:02, kommentieren