schwedenlady

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In Schrift gestelltes

Brief von Kai

Hallo,

liebe Leserin, lieber Leser, darf ich mich Dir vorstellen?
Ich bin Kai, der Kanarienvogel. Anfang Juli wurde ich in einer Wiese im hohen Gras ausgesetzt. Zusammen mit einem Wellensittich in einem ganz winzigen Haus, ohne Sitzmöglichkeit. Das Haus war halb so groß wie ein Ausstellungskäfig, sagte die Frau von dort, wo ganz viele ausgesetzte und gefundene Tiere aufgenommen werden.
Am Anfang hat es den ganzen Tag geregnet. Das Haus stand im Wasser und war unten voll gelaufen, wir konnten nirgendwo hin, der Wellensittich und ich.
Am nächsten Tag knallte die Sonne herunter und es waren dreißig grad C. draußen. Ein vierbeiniges, bellendes Tier hat uns entdeckt und so lange gebellt, bis Menschen kamen.

Die haben uns dann ins Tierheim gebracht. Wir waren fix und fertig.
Kurz danach hat eine Frau das Tierheim angeschrieben, deren Vogel weggeflogen war. Sie fragte, ob er gefunden wäre und man solle ihr Nachricht geben. Nein, ihr Vogel war nicht gefunden, aber ich.
Mein Wellensittichfreund hat im Tierheim gleich Anschluss zu einem anderen Wellensittich gefunden. Die beiden werden mitgenommen, wenn ich auch eine Wohnstatt habe.
Jetzt hatte aber die Frau mit dem weggeflogenen Vogel keinen Vogelpalast. Den alten Palast hatte sie weggeräumt, weil der nicht mehr schön war und eine Türe nicht mehr schloss. Deshalb war ja auch ihr Vogel weggeflogen. In einem normal großen  Vogelhaus wollte sie mich nicht haben. Da würde ich nur hin und her hüpfen, regelmäßig, wie eine tickende Uhr. Das sei nicht gut für mich und für sie auch nicht.

Jetzt kam endlich der große Palast, aber, dann war noch eine Hochzeit in H. und sie wollte mich erst haben, wenn sie wieder hier sei, um mich zu beobachten. Als ob ich das bräuchte.
Mich wollte wirklich keiner haben. Die Frau zuerst auch nicht. Sie wollte Timbrados. Aber, ich tat ihr so leid, so unendlich leid. Jetzt hat sie für September ausgemacht, dass Timbrados doch kommen. Sie sagt, das sind Leute wie ich. Sie haben den Naturgesang von uns und werden erst seit den 1940ern in Spanien gezüchtet. Die sollen richtig schön singen. Wenn Harzer Roller die Bässe unter uns sind, seien Timbrados die Tenöre. Wer züchtet schon das, was vor der Haustüre ist? In Deutschland gibt es 50 Menschen, die Leute von uns züchten. Zu einem hat sie Kontakt. Wenn er aus dem Urlaub kommt, bringt sie Gesellschaft für mich mit.

Der Tierarzt sagt, ich sei ein Männchen. Im Tierheim war allerdings unten in dem großen Zimmer ein Kaninchen. Dem habe ich Fell wegnehmen wollen. Dann bin ich ein Weibchen, sagt die langhaarige Frau, weil ich ein Nest bauen möchte. Es können aber auch die Wellensittiche gewesen sein, die dem Kaninchen Fell wegnehmen wollten, meinte die Frau vom Tierheim. Ob ich die Kugeln, die das Kaninchen hinterlässt angepickt hätte, fragte die langhaarige. Die Dame vom Tierheim sagt, nein. Ich sage gar nichts. Das bleibt mein Geheimnis.

Jedenfalls hat sich die Langhaarige Sorgen gemacht, weil ich am ersten Abend, es war Dienstag, 15. August 2017,  nichts gegessen habe. Sie hat überlegt und mir dann so eine Stange reingehängt. Mit herrlich gutem Futter. Sie vermutet, das kenne ich von Früher her. Sie kauft diese Voll-Ei-Kräcker nur ganz selten, weil sie nicht gesund sind, sagt die Langfedrige. Was weiß die schon.
Vor dem neuen Palast, den ich habe, erschien, kaum war ich drinnen,   ein freundlicher Mann mit schöner Stimme, der lachte mich an und sprach mit mir. Ich schaute beide mit kugelrunden Augen an. Er nannte mich Kai und gab mir so meinen neuen Namen. Der Name sei für Männer und Frauen gleichermaßen, informierte der nette Mann mich. Ich mag diesen Namen.
Die beiden nehmen sich immer in die Flügel und schnäbeln. Sie mögen mich. Ich glaube, hier kann ich bleiben.
Sie sagen beide:
„Herzlich Willkommen! Du  musst nie mehr ausziehen und darfst hier alt werden.“ Wie alt ich eigentlich bin, verrate ich nicht.

Ich lebe mich langsam ein und muss auch wieder weiter fliegen.

Einen schönen Tag noch,

es grüßt fedrig,

Kai

 

1 Kommentar 22.9.17 04:54, kommentieren

Alltagsgegenstände

Es gibt kleine Alltagsgegenstände, da muss ich überlegen wie diese wirklich heißen.
Nehmen wir den Pümpel. Mit dem kann man verstopfte Abflussrohre reinigen. In Wirklichkeit heißt dieses Gerät Saugglocke.
Dann nehmen wir den Pfannenwender. Ich kannte den zuerst unter dem Begriff „Pfannendreher“. Obwohl man damit nicht die Pfanne wendet oder dreht, sondern deren Inhalt.
Für Menschen mit deutsch als Fremdsprache ist das bestimmt schwierig.
Der Regenschutz schützt vor dem Regen,
der Verbraucherschutz und der Umweltschutz ...
Jedenfalls muss ein Pfannenwender stabil sein, dann beschwert sich kein Verbraucherschutz beim Hersteller und der Pfannendreher ist ein echter Freund.
Ein Küchenfreund. Diesen Begriff kenne ich auch dafür.
Beim „Pümpel“ stößt man in der Suchmaschine gleich beim ersten Treffer auf das gewünschte Helferlein. Beim „Küchenfreund“ erst nach zwei Kochvereinen.

 

Und wie komme ich jetzt darauf?
Weil ich letzte Woche etwas gesucht habe. Ich habe es nicht gefunden. Unser Gartentisch hat nach unten hin eine breite Leiste am Rand. Tischklammern halten da oft nicht. Eigentlich sollten sie Tischdeckenklammern heißen. Gut, aber, auf Verdacht kann ich sie so oder so nicht online bestellen.
„Da gibt es so Dinger, die hängt man an die Ecken der Tischdecke, die gibt es beim Dänischen Bettenlager.“ Sagten mehrere – und drückten sich um die korrekte Bezeichnung. Sehen, hin greifen, mitnehmen. So funktioniert das. Dabei ist es egal, wie diese „Dinger“ heißen.
Ich fand sie jedenfalls nicht. Ich gab alles Mögliche in die Suchmaschine ein.
Dann, bei „Wachstuchtischdecke weht weg“ oder so, bekam ich Treffer.
Diese Anhänger gibt es überall, aber nicht beim Dänischen Bettenlager und meist nicht bei normalen Versandhäusern, sondern bei Amazon.
Sie heißen: Tischtuchbeschwerer oder Tischtuchanhänger. Ich habe jetzt welche. Die fühlen sich an wie aus Feuerstein. Die wiegen richtig und – geht dabei die Wachstuchtischdecke drauf, habe ich noch Ersatz.


Bei wem beschweren sich eigentlich die Tischtuchbeschwerer, wenn sie herunterfallen? Beim Tischtuch?

Wenn ich also mit dem Küchenfreund hantiere, komme ich nicht mit dem Umweltschutz in Konflikt, weil nichts anbrennt und stinkt. Dann kann man die Tischtuchanhänger an die Tischdecke hängen, diese fliegt nicht weg und wir können draußen Essen. Auf diesen runden zerbrechlichen Essensablagen, ach ja, Teller heißen die. Im Übrigen hat mein Mann einem Kollegen erzählt, ich bräuchte einen neuen Schneebesen. Darauf der Kollege: "Warum? Es ist doch gar nicht Winter." Das ist nicht erfunden! Das ist die Wahrheit.

11.4.17 17:31, kommentieren

Haiku-Versuche

Fallende Blätter
Jasminduft aus Glasflasche
Kunstblume im Haar.

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Elfengesang birgt
Überirdische Flügel
nah und doch so fern.

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Mächtige helfen
Heuschrecken beim Weltfressen
Niemand kämpft für uns.

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Mein Lied singst du nun
rockig zur Zartgitarre
ich staune lachend.

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Morgentau auf Gras
Amseln flöten Harmonie
Spatzen stimmen ein.

 

© Schwedenlady Oktober 2016

28.10.16 05:36, kommentieren

Neuer Job

Manchmal habe ich das Gefühl, aufgrund der anfallenden Arbeiten im privaten Bereich schlicht meinen Beruf wechseln zu müssen.
Denke ich darüber nach, was ich dann arbeiten soll, bin ich ratlos. Nehmen wir doch als Beispiel den letzten Monat.

Bankgehilfin: 1 Stunde für Überweisungen und Auszahlungen. Früher hat das der Mitarbeiter erledigt. Heute muss ich Online die IBAN usw. eintippen und bin bei Auszahlungen nur noch ein Fall für den Geldautomaten.

Einzelhandelskauffrau in diversen Läden mit Selbstbedienung: 4 Stunden. Oft waren die Mitarbeiter „nicht zuständig“, liefen aktiv davon oder kannten sich genauso gut aus wie ich, nämlich gar nicht.

Hotelangestellte: 30 Minuten.
Ich habe mir mein Frühstück selber am Buffet zusammengestöpselt und vor Stress ob meiner Blindheit plus der mittelmäßigen Ortskenntnis die Hälfte vergessen. Es gab deshalb Brötchen, nur mit Butter, ohne Käse, das ist kein Standard.
Am nächsten Tag rief ich entnervt vom Frühstücksraum aus mit meinem Handy die Rezeption an und bat um Hilfe. Ich wollte etwas essen, keinen Polterabend veranstalten. Neben dem Selbstbedienungskaffeevollautomaten standen die Tassen in diversen Größen kopfüber gestapelt. Auf dem jeweiligen Tassenboden befand sich die dazugehörige Untertasse. Nachdem ich einen Turmbau zu R. gehörig klirrend in Schieflage brachte, gab ich entnervt auf.

Bahnangestellte: 0 Minuten. Fahrkarten muss ich mir nicht selber organisieren. Im Nahverkehr kann ich das Getippe an für mich nicht zugänglichen Automaten aufgrund meines Schwerbehindertenausweises vermeiden, in anderen Fernzügen darf ich ohne Aufschlag Karten lösen. Ich atme ob dieser Erleichterungen hörbar auf.

Des Weiteren bin ich eine relativ schlechte Apple-IT-Spezialistin: 5 Stunden, 30 Minuten.
Mein Update von IOS 8.5 auf IOS 9.5 am letzten Freitag beweist es. Schon das Updaten von IOS 7.schieß-mich-(nicht)-tot auf IOS 8.5 beschäftigte mich 2015 einen Abend lang und am nächsten Morgen. Ich musste den neu dazu gefügten, systemimmanenten Apps im letzten Jahr abgewöhnen, mich zu orten, auszuhorchen oder eventuelle Musikstream-Abos zu installieren, welche sich dann evtl. klamm heimlich verlängern. Selbstverständlich hatte mein Iphone damals alle professionellen Sprachausgaben vergessen, welche nachgeladen werden wollten.
Letzten Freitag klappte das mit den Apps besser, ich war wohl geübter, updatete alle Apps wie verrückt – und die hochwertige deutsche Sprachausgabe (ohne Nuscheleien und Sprachfehler) ließ sich wieder nicht adäquat installieren. Laden, ja, mit ihr arbeiten, nein. Sie gebärdete sich wie ein störrischer Esel.

Ich musste jemanden anrufen, der diese Fitzelarbeiten auch im „Nebenjob“ erledigt. Allerdings kommt er hauptberuflich aus der Branche, hat die nötige Fachkompetenz und die Ruhe weg. Er stellte gelassen fest:
„Die Sprachausgabe lässt sich nicht richtig installieren, wenn das IOS vorne die Ziffer ändert. Das ist aber halb so wild.“
Unter seiner fachkundigen Anleitung klappte es.
Wer soll den Mann für seine Hilfe jetzt bezahlen? Apple oder ich?

Im letzten Monat gab es also Nebentätigkeiten für diverse Firmen und Betriebe insgesamt von:
11 Stunden.

Das ist alles von den Unternehmen kalkuliert und der „arbeitende Kunde“ wird bewusst bei der jeweiligen Firmenpolitik mit eingeplant und eingerechnet.
Eigentlich sollte man uns dann aber auch dafür bezahlen. Das schenkt man sich bewusst. Den Ärger und das Minus an Freizeit haben allerdings wir Kunden.

Als was soll ich jetzt meinen weiteren beruflichen Werdegang bestreiten?
Als Bankgehilfin, Einzelhandelskauffrau, als (mangelhafte) Hotelangestellte oder (ungenügende) Apple-IT-Spezialistin?

Mir scheint, die Berufsbezeichnung "Depp vom Dienst im unbezahlten Ehrenamt ohne Aufwandsentschädigung" umschreibt es auf vortreffliche Weise.

1 Kommentar 1.9.16 05:49, kommentieren

Lieb Vöglein hold

Sing, lieb Vöglein hold im Strauch,
sing vor lauter Frühlingsfreude,
mit Dir singt mein Herz nun auch.
Federglück, wir singen beide!

Doch fällt Graupel, Regen, Schnee,
Kälte hat sich festgebissen.
Schreckensstarr ich frierend steh.
Gott hat dir dein Lied entrissen.

 

© Schwedenlady; Mi, 27. April 2016

27.4.16 17:17, kommentieren