schwedenlady

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Tagebuch

Alles nicht so einfach

Mein völlig aufgeladenes IPhone ließ mich im Stich, wenn ich den Flugmodus deaktivierte. Es ging kurz an, wollte ich aber jemanden anrufen oder navigieren, ging es aus. Erst nach Anschluss an eine Stromquelle erreichte es nach sehr kurzer Zeit 100 %. So konnte ich mich weder heim navigieren lassen oder den flauschigsten Ehemann von allen anrufen.
Schweren Herzens entschloss ich mich für ein neues Gerät. Da für mich als Blinde IPhones sehr gut laufen, die Sprachausgabe ist gleich implementiert, kam halt nur ein IPhone in Frage.

Also installierte ich ITunes hier auf dem Rechner, erstellte ein verschlüsseltes Backup und fuhr in die Stadt, um mich mit dem flauschigsten Ehemann zu treffen.
Klar konnte ich ihn nicht darüber informieren, dass ich unterwegs war. Das Handy machte schlapp, obwohl just aufgeladen. Ich hatte nicht mal den Flugmodus deaktiviert, sondern nur das WLAN.

Ich wollte innerhalb der S-Bahn die Stufen hinunter gehen, das ging nicht. „Vorsicht, da steht meine Tasche! Ich bewundere sie ja immer.“ Die Bewunderungsschallplatte sprang an, aber die Tasche in den Weg stellen, damit man auch nicht von der Treppe kann, wenn man sich am Geländer festhält. Das ist ungefähr so eine Großleistung wie die meines IPhones.

Wir besorgten Weihnachtsgeschenke für Sohnemann und waren bei Apple. Ja, der Akku ist kaputt. 85 Euro wären fällig, mein IPhone wird aber nächstes Jahr nicht mehr upgedatet. Also zum Mobilfunkanbieter, ein neues Gerät kaufen.
Der liebevollste Ehemann besorgte dann noch ein Geschenk, während ich den Vertrag klar machte.

Da mein Mann das Auto auf einen P&R-Platz gefahren hatte, bei uns wird der Zaun repariert, fuhren wir dort hin und er musste das Fahrzeug freikratzen. Sogar der Warnsensor für Rückwärtsfahrten war zugeschneit und piepte.

Ich vergleiche das folgende Geschehen mit einer Autofahrt:
Backup einspielen, wir fahren los.
Jetzt dachte ich, es geht ganz einfach: IPhone an den Computer klemmen und das verschlüsselte Backup einspielen. So wurde es mir von mehreren Leuten erzählt.
Tja, alles nicht so einfach:
Das neue IPhone hatte nicht die neueste IOS-Version und deshalb konnte kein Backup auf ihm hergestellt werden.
Selbstredend muss man immer dem Computer vertrauen und ständig dies am IPhone und PC bestätigen.
Um die neueste IOS-Version einzuspielen, braucht es aber eine Wlan-Verbindung, wurde mir gemeldet  und ich vermutete stark, wahrscheinlich erst mal die Apple-ID. Gerade diese Friemelei wollte ich mir durch das Backup schenken.

Vollbremsung: 
Mein neues IPhone sperrte sich nach 30 Sekunden. Das kann ich nicht brauchen, wenn ich ein IOS update mache. Dann bekomme ich als Blinde wahrscheinlich gar keine Meldungen über die aktuelle Lage mehr und muss auch sehen, wie ich es entsperre. Wie merke ich, wenn es bereit ist?
Also, erst mal im Web suchen, wie man die Sperrzeit verlängert und dann das regeln.
Geschafft!

Umweg und erster Zwischenstopp, Apple-ID einrichten:
Jetzt musste das Passwort eingegeben werden und dann ewig der Code. Dann tauchte eine Meldung auf, eine Nachricht mit einem Bestätigungscode würde an mein anderes Gerät gesendet.
Super, tolle Idee, gerade das alte Gerät funktioniert ja nicht mehr richtig.
Jetzt musste ich erst mal das alte IPhone zum Laufen bringen, es bockte natürlich. Dann hatte ich es ohne Simkarte im Wlan und es empfing den Code. Und dann wieder im neuen Gerät die Icloud konfigurieren, Passwort hier, Passwort da.
 
Es gibt eine Umleitung auf der Strecke:
Jetzt musste ich trotzdem mit dem WLAN verbunden werden. Wo ist diese komische Adresse, damit mein Mann das Gerät ins Netzwerk bringen kann? Wieder mal im Web suchen. Dann das lange Netzpasswort eingeben.
Und ich war drinnen.
Bis die Aktualisierung von IOS vorbereitet wurde, machte ich den gestern angesetzten alkoholfreien Glögg warm.
Ich tüftelte und mir fiel nach einigen Minuten siedend heiß, im wahrsten Sinne des Wortes, der Glögg auf dem Herd ein. Mein Mann kam gerade noch rechtzeitig zum brodelnden Topf.

Es wird holprig: 
Jetzt unterbrach der PC einfach so die Verbindung zum IPhone, ich nahm doch das neue Kabel... Und endlich ging das Herstellen des Backups los.

Vollbremsung! Umweg.
Ach nein! Das geht nicht, wenn „mein IPhone suchen“ in der Cloud aktiv ist. Auch das musste ich mit Passwort ausschalten.
Jetzt, endlich, ging es los.
Brach wieder ab, trotz Originalkabel vom neuen, nicht vom alten gerät. Dann konnte ich den Code nicht eingeben, irgendwann schafften der flauschigste Ehemann und ich es gemeinsam.
Wieder holperte die Kommunikation zwischen IPhone und PC. Dann war es vollbracht.

Ach nein, wir müssen doch kurz noch mal los:
Und wieder startete die Konfigurierung bei Apple. Ich konnte mich mittlerweile nicht mehr auf das Passwort konzentrieren und muss es wirklich zweimal falsch eingefriemelt haben.

Alle Apps sollten jetzt laufen wie vorher. Nur, WhatsApp weiß das offensichtlich nicht. Ich komme nicht richtig mit dem App-Umschalter klar. Zumindest hat das neue Gerät wirklich meinen Homebildschirm und meine Sprachen übernommen. Meine Navigationssoftware funktioniert und kennt noch ihre Favoriten. Mein Kalender ist auch da, die Hörbücherei und das Quiz Duell auch. Mehr wage ich noch nicht zu sagen.

9.12.17 06:26, kommentieren

Schwedenlady macht einen Bruch

Donnerstag, 9. November 2017
Gestern gegen 11.30 Uhr habe ich einen Bruch gemacht und Edelsteine aus dem Tresor geholt. Das war ganz schön schwer. Mit Schere und Messer kam ich nur bedingt weiter. Vor allem wollte ich die Edelsteine nicht beschädigen, ich hätte mir sonst mein ganzes Leben lang Vorwürfe gemacht. Da standen vor mir also die beiden Tresore. Darin die Edelsteine. Ich hielt den Atem an. Vor allem, bei einem der Edelsteine spürte ich es ganz genau: Er wollte unbedingt zu den anderen. Der andere Edelstein machte mir allerdings mehr Sorgen, da er so gar nicht aus dem Tresor wollte.
Das beunruhigte mich sehr und trieb mich zur Eile an.

Die fliegenden Edelsteine wurden mir per Tiertransport geliefert. Ich war vollkommen nervös. Reicht denen das Futter? Wie stressig war die Anreise?
Die Transportkäfige sahen aus, wie halbe Häuser. Hinten höher. Vorne war in der Dachschräge ein feinmaschiger Draht angebracht. Die „halben Häuser“ standen mit dem Rücken aneinander und bildeten ein Haus.
Ich bekam die Häuser nicht von der Pappe herunter, auf der sie standen und schaffte es nicht, den Tesafilm zu lösen. Aber, beim ersten Haus bog sich bei meinen versuchen der Draht auf und ja, da war ein Nägelchen. Ich riss mit beiden Händen. Das „Dachfenster“ war offen und ich griff den warmen, fedrigen, fliegenden Edelstein. Es war der, welcher mir Sorgen gemacht hatte. Schon war er drüben.
Beim anderen Drahtgeflecht waren es mehr Nägel. Die gingen nicht heraus. Ich wollte mit dem Messer nicht den Vogel verletzen. Sein Piepen und sein in der „Doppelhaushälfte“ kruschteln, steigerten meine Verzweiflung. Nachbarn erreichte ich nicht, also riss ich unter verzweifeltem Weinen am Draht. Es gelang mir. Ich hielt den von meinem Geheule verschreckten Edelstein in der Hand, er ruhte sich erst mal beim Umsetzen auf meinem Finger aus und flog dann aber weiter.
Erst beim Arbeiten nach dieser Mittagspause bemerkte ich, dass meine Hände völlig zerkratzt waren, ein Finger die Tastatur vollblutete und diese kleinen Wunden schmerzten.

Ich habe zwei Fehler gemacht:
Erstens waren die richtigen Türen die Rückwand der  Kästchen. Ich hätte mir die Mühe sparen können. Und zweitens waren die fliegenden Edelsteine so gut versorgt, dass sie für 48 Stunden Nahrung gehabt hätten. Ich hätte also auch auf den flauschigsten Ehemann warten können, bis er am Abend heim gekommen wäre und hätte kaltschnäuzig im Arbeitszimmer weiter meinen Dienst tun können. Die Gedanken wären jedoch stets im Wohnzimmer gewesen. Mal ehrlich: Wer kann schon warten, wenn die Vögel doch in diesen kleinen Kästchen sitzen und zwei Meter weiter das Paradies steht? Wer kann die Stille in einem und das fieberhafte hinübergieren im anderen Kästchen aushalten?

Am Samstag, dem 4. November hatten wir drei Vögel gekauft. Mit diesen hier sind es sechs. Kay ist ja aus dem Tierheim. Diese hier sind Timbrados und stammen vom Initiator der Timbradozucht in Deutschland. Er hat sie mir geschenkt! Womit ich das verdiene, weiß ich offen gesagt nicht. Ich bin zu Tränen gerührt und tief dankbar. Vielen herzlichen, unsagbaren Dank, Herr E.!

Timbrados sind die Tenöre unter den Kanarienvögeln. Die Bässe sind Harzer Roller. Die besten Timbrados, die ich bisher im Internet fand, klingen so: Zusammenschnitt Timbradogesang, Youtube, hier klicken.

1 Kommentar 12.11.17 07:19, kommentieren

Besuch

C. und G. waren da! Wie habe ich mich gefreut! G. treffe ich ja sehr selten, da sie in A. wohnt und auch sonst viel unterwegs ist. Meine
Prinsesstårta (zum Wikipediaeintrag hier klicken) kam sehr gut an. G. wollte dann noch  
Nyponsoppa (zum Wikipediaeintrag hier klicken) probieren. Ich habe ihr eine große Schachtel mit Pulver zum Anrühren mitgegeben, weil sie die Hagebuttensuppe so mochte. "Das erinnert mich an was... - An die Kindheit. Das ist so ein richtiges Trostessen. Was isst man für Trostessen eigentlich in Deutschland?"
Der Nudelsalat kam auch sehr gut bei G. an, weniger die Rosencreme, ich habe wohl zu viel Rosenwasser genommen. Manchmal misslingt eben ein Küchenexperiment. Es war ein perfekter und sehr gelungener Tag!

Auch unsere neue Voliere ist gekommen. Ein Vogelparadies für künftige Bewohner. Sie bietet mehr Raum, hat kein Blechdach, welches spitz zuläuft, sondern ein normales Käfigdach und ist viel praktischer gestaltet.

2 Kommentare 9.8.17 05:21, kommentieren

Ein Hallo aus dem Sommer

Ja, es ist Sommer!
Am Freitag, dem 14. Juli 2017 war ich im Nagelstudio und erzählte, ich wolle noch Kirschen kaufen. „Oh, das möchte ich heute Abend auch noch“, sagte meine Nagelfee. Ja, sie ist wirklich eine! Noch nie hatte ich so schöne und stabile Fingernägel, keiner ist je abgebrochen. „Das kann ich doch machen.“ Sie hat sich gefreut – und ich mich auch. Wenige Sehende lassen sich von mir etwas mitbringen oder schicken mich auf Botengänge. Die schöne Ausnahme ist mein flauschiger Ehemann. Also holte ich Kirschen, die nach Sommer schmecken, ein etwas künstlich schmeckendes Rosenwasser und Halva.

 

Mein Kollege hatte einen Unfall, an dieser Stelle weiterhin gute Besserung und möge alles richtig gut verheilen, deshalb bin ich allein und die Arbeit würde es nicht zulassen, einfach den Sommer zu genießen.
Allerdings gruppiere ich die Arbeit dermaßen um das Highlight dieser Woche und verlege sie einfach ins offensichtlich verregnete Wochenende. Das wird zwar vielleicht nicht nötig sein, so ist mir aber der Druck genommen, unbedingt bis Freitag alles zu schaffen.

 

Das Highlight also:
Am Mi, dem 19. Juli 2017 um 14.00 Uhr besuchte mich K. Sie brachte selbst gemachte und nicht zu süße, leicht perlende Limonade mit Minze, Limonen, Zitronen und Himbeeren in zwei wunderschönen Karaffen mit. Wir füllten sie in die praktischen Kunststoffbecher mit Kristallstruktur, die wir von ihr vor zwei Jahren als Geschenk erhielten und setzten uns in den Pool. Anfangs bei 21 grad, schaffte er es auf 25 grad C. Meine Tischtuchanhänger aus Feuerstein haben sich bewährt. Sie schlagen allerdings teilweise gegen die Tischbeine, ich muss sie anders positionieren. Wir unterhielten uns königlich. Plötzlich trat der flauschigste Ehemann von allen durch die nur angelehnte Gartentüre und sagte hinter K. fröhlich, aber unvermittelt „huhu, guten Abend“. Wir erschraken beide und lachten.
Dann wurden wir zur Dreierrunde.

 

Ja, ich bin zu 100 % glücklich. Das war ein perfekter Tag! Zwar gibt es „Störfaktoren“, beispielsweise viel Arbeit und Bürokratie wegen unseres autistischen Sohnes und Land unter im Büro, ich habe aber beschlossen, diese dräuenden Missklänge aus Pauken und Schlagwerk zu übertönen. Die sollen ganz leise spielen. Ansonsten bleibe ich weiterhin nur die Frau, welche das Glück nur im Nachhinein wahrnimmt und nur die Kümmernisse in den Vordergrund rückt.

 

„Beim Blättern im Buch der Vergangenheit findest du das Glück dort, wo du es in der Gegenwart damals nicht zugelassen hast.“
Von Schwedenlady

1 Kommentar 21.7.17 04:00, kommentieren

Perfekter Tag

Wir haben eingekauft, der flauschigste Ehemann von allen hat den Rasen gemäht und den Pool aufgebaut. Ich habe eine große Schüssel Nudelsalat gemacht und Wäsche gewaschen und aufgehängt.

Der Pool hatte nach dem Einlassen des Wassers 23, dann 24 grad C. Es ist wunderschön! Wir genossen den Hochsommertag auf der Terrasse und im Pool. Wir konnten richtig lange drin sitzen und plaudern. Das war ein perfekter Tag. Einer dieser Tage, an dem das Leben „ja“ sagt und Herz-Asse verteilt.

9.7.17 02:41, kommentieren