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Kann eine Blinde eine echte Lady sein? Dritter Teil

Wie heißt es doch so schön im Lied "Banküberfall" der Musikgruppe "Erste allgemeine Verunsicherung:
"Das Böse ist immer und überall." Und deshalb lauern auch just dort Fallstricke für die blinde Lady.

Setzen wir voraus, dass Wohnung und Lebensumfeld geschmackvoll und gepflegt sind, wenn hier Unsicherheiten bestehen, muss man sich Hilfe suchen.
Werden Gäste erwartet, lässt man sich gegebenenfalls helfen. Beim geraden Aufziehen der Tischdecke, beim Platzieren von Speisen und Getränken auf dem eingedeckten Tisch. Das gilt besonders, wenn der Tisch voll besetzt ist.
Neulich erst habe ich spontan entschlossen an einem großen Tisch für eine Freundin doch eine Tischdecke aufzulegen. Ich lief um den großen Terrassentisch, setzte mich an jeden Platz, zupfte an der Tischdecke, kämpfte mit Windböen - trotzdem war sie schief platziert.
Wahrscheinlich wäre das meiner Freundin nicht mal aufgefallen, hätte ich sie nicht darauf angesprochen. Wenn man jedoch immer alles perfekt machen will, prägt sich dies bis in die Fingerspitzen ein.
Dafür habe ich allerdings meinen Esszimmertisch im Gedächtnis dermaßen verinnerlicht, dass hier wenig "schief" geht. Immerhin sind wir mit 29 Jahren schon ein "altes Ehepaar".
Gemütlich wird es bei mir in der Küche, der Tisch ist rund und ich habe den Kampf mit Decken aufgegeben. Ein schräg darüber platzierter Tischläufer tut es für mich. Habe ich schwedisch gekocht, platziere ich zwei breite blaugelbe Bänder aus Schweden, die ich gleich lang zugeschnitten habe, kreuzweise über dem Tisch und stelle eine Schwedenfahne in die Mitte, die das Kreuz an seinem Platz hält. Außerdem können die Gedecke auch helfen, die Bänder zu fixieren. Unter den Tellern ist kein Entwischen für das Band möglich.
Ganz nebenbei: Wie schneidet eine Blinde gleichlange Bänder? Durch Aufeinanderlegen. Da fühlt man dann schon, welches länger ist.
In die Küche dürfen bei mir nur liebste Freunde, die schon zur "Familie" gehören. Alle anderen erhalten den "königlichen Status" im Ess- und Wohnzimmer, sowie auf der Terrasse.

Fallstricke lauern auch im Restaurant. Hier sollte man die Speisen wählen, welche man ästhetisch essen kann. Ist die Auswahl vorgegeben, probiert man und ist abzusehen, es könnte schief gehen, lässt man es lieber bleiben und die Speise stehen.
Es ist hilfreich bei Geschäftsessen jemanden mit am Tisch zu haben, der einen dezenten Hinweis geben kann, droht etwas vom Teller zu fallen. Ein gemurmeltes "auf zwölf Uhr", ist für mich Hinweis genug, etwas möchte sich am oberen Tellerrand still und heimlich davon machen.

Wie trägt eine blinde Lady eine Clutch, ein Glas und schüttelt gleichzeitig Hände? Gibt es keine Möglichkeit, das Glas abzustellen oder die Clutch umzuhängen, lässt man es sich nicht ganz voll füllen. So kann man das Glas vorsichtig in der Hand halten, die Clutch unter einen der Arme klemmen, und dann die Hand reichen. Ich bevorzuge für die Clutch den Arm mit dem Sektglas. Das Glas kann ich einschätzen, allerdings nicht, wie kräftig mir jemand die Hand schüttelt. Im Eifer des Abends sollte auch geprüft werden, ob das Glas gerade gehalten wird. Dies macht man am Besten mit der anderen Hand am oberen Rand oder man fragt dezent jemanden, den man kennt und der einem wohlgesonnen ist.

Sicherlich gibt es noch wesentlich mehr Fußangeln und Stolpersteine, mir fallen im Augenblick aber keine weiteren ein.

Ein Wort möchte ich noch zum Umgang mit dem Blindenstock äußern:
Der rücksichtsvolle Umgang damit gegenüber Passanten und ein angemessenes Tempo zeichnen die Lady aus. Ich versuche, die Zeit so zu kalkulieren, dass auch eine Verspätung beim Umsteigen keine Probleme bereitet. Heute tut es mir nicht mehr weh, 45 Minuten auf einen Anschluss zu warten, wenn Hörbüchereien ihren Bestand zum Download bereithalten und die Auswahl an elektronischen Büchern schier unendlich ist.
Oft nehme ich von Haus aus ein Taxi, besonders auch bei schlechtem Wetter. Überhaupt dürfen wir ruhig schätzen, von Gentlemen umgeben zu sein. In Parkhäusern und auf Parkplätzen öffne ich nie die Türe, ohne einen Hinweis zu bekommen, dies gefahrlos tun zu können. Die Benimmregeln der alten Schule sind sowieso auf unserer Seite. Im letzten Teil berichte ich,  was uns schon mitgegeben sein dürfte und das Leben als Lady erleichtert.

1.9.17 12:38

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