schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Globalisierung

Dies wird ein sehr emotionaler Blogeintrag, dafür möchte ich mich im Voraus entschuldigen. Mein angeblich gutes Deutsch und die mir zugeschriebenen guten Formulierungen werden leiden.

In einem Café in Schweden sagte ich:
„Bei der Globalisierung wurde vor allem die Armut globalisiert.“

Ich erzählte vom Kinderbuch: „Die grauen und die grünen Felder“, welches wahre Geschichten enthielt. Aus unseren Ländern, aber, vor allem aus Südamerika und Afrika. Diese haben mich sehr beeindruckt, weil dort der Unterschied zwischen Armut und Reichtum an Beispielen von uns Kindern erlebbar wurde, wir waren schließlich Kinder. Das Buch habe ich Ende der 70er gelesen, zeitgleich lief es im Kinderfunk.
„Iss alles auf, denke an die armen Kinder in den armen Ländern“, so immer eine Erzieherin im Internat.

Was hat es geholfen? Was haben unzählige Spenden und Einkäufe in den speziellen Läden denn gebracht?
Mich überkam im Café die Wut.
Nichts. Die gleichen Länder leiden immer noch unter Armut, wie vor 35 Jahren. Dabei ist doch so viel Geld in Entwicklungshilfe gepumpt worden. Oder, ist es versickert?

Im Gegenteil! Es ist schlimmer geworden!
Zumindest mir sind vor 35 Jahren keine Bettler in diesem Maße selbst in unseren Städten in Deutschland aufgefallen. Ich bin so wütend! Die Armut wächst.

In Schweden nimmt auch die Anzahl der Bettler zu. Gerade, weil ich immer wieder die gleichen Orte besuche, fällt es mir auf. Ich komme ein oder zwei Mal im Jahr – und die Zahl der Bettler steigt. Gerade, weil ich das Schleichende darin nicht merke, sondern sozusagen in die neue Situation regelrecht hineingeworfen werde, ist es für mich greifbar:
Die Akkordeonspieler wechseln sich in Schichten am Bahnhof in Uppsala ab, 2001 war keiner, vor drei Jahren eine Frau dort.
Es gab auch noch keine Bettlerin vor der ICA, einem Supermarkt,  in Sävja, dieses Jahr schon.

In Karlstad wurden wir mit „Hej“ und einer unverständlichen Litanei bei der Touristeninformation zum ersten Mal angebettelt, in Göteborg wurden wir in einem Einkaufszentrum durch jemanden zielgerichtet verfolgt, der meinen Mann bestehlen wollte. Der Möchtegern-Dieb schielte und zielte mit Blicken auf die Hosentasche meines Mannes. Mein Mann sah ihm fest in die Augen, er verschwand dann.

Was mich wütend macht, ist die bandenmäßige Organisation der Bettler. Die Leute müssen das Erbettelte abgeben. Wir haben der Frau vor dem Supermarkt Lebensmittel und vor allem Mineralwasser gekauft, es war ein heißer Tag.

Zwar hilft Plan International, wir haben die zweite Patenschaft für ein Kind, aber, ich weiß nicht, was wir als ganz normale Menschen und Durchschnittsverdiener gegen die Armut tun können.

Auch in Schweden haben Leute den Müll nach Pfandflaschen durchsucht, hier sowieso. Hier nimmt die Müllwühlerei auch zu. Ja, man soll das Kind mal ruhig beim Namen nennen.
Die Besucheranzahl der Tafeln in Deutschland wächst. Ich finde das bedrückend. Gleichzeitig steigen die Aktienkurse ins Unermessliche und die halbe Welt muss mit Waffen versorgt werden. Die Zahl der so produzierten Verlierer wächst.

16.8.15 03:55

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