schwedenlady

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Die Vorgeschichte

Im Autistenmuttertagebuch war noch nichts zu lesen? Keine Angst, das kommt jetzt:

 

Bis zum ersten Geburtstag ungefähr empfand ich alles ganz normal. Unser Junge bildete Worte. „Wäwä“ für Wellensittich „Nanille“ für Vanille. „Mama, Babba“. Dann blieb die Sprachentwicklung stehen. Unser Sohn räumte auch nach dem Spielen alles fleißig wieder auf, das hätte mich stutzig machen müssen. Ich hatte die vielen Plastikschüsseln und Behälter einer namhaften Firma in zwei Unterschränken gestapelt. So konnte er spielen, während ich gegenüber am Herd hantierte. Er sprach nicht, es begann eine Reise von Arzt zu Arzt. Fragiles-X-Abklärung in der Uni-Klinik, dort auch die Logopäden, ein Hörtest. Dabei verhielt er sich so, wie sich Autisten verhalten, das erkannte der weise Arzt.

Ein Jahr Kindergarten in einer Einrichtung folgte, die nicht ganz optimal für seine Bedürfnisse war. So suchten wir. Und hörten von einer Institution mit sehr gutem Ruf in einem anderen Bundesland.

Dort erlernte er erst Gebärdensprache. Ich war ziemlich außen vor, der flauschigste Vater von allen begriff natürlich alles, was unser Sohn gebärdete schneller als ich. Ich musste die Gebärde erst ertasten und überlegen, was sie denn bedeuten könnte.

Allerdings hatten wir die Musik. Ich komponierte fix für jede Alltagshandlung Melodien und Texte. Unser Sohn summte immer die Melodien. Auch stopfte ich ihn mit Kinderliedern aus meiner Zeit und neuen Songs für Kids voll. Kantaten, Opern, Konzerte, Kunstlieder, Musicals, Kammermusik, Schlager, Balladen, Country, Kraftwerk, wir hörten alles. Gut, außer Blues, Jazz, Hardrock und volkstümliche Musik. Er hatte eine Singstimme wie ein Engel! Einen sehr guten Knabensopran. Wäre er kein Autist gewesen und hätte Texte gesungen, dann wäre er für einen Knabenchor in Frage gekommen. Aber, vielleicht ist ihm da ja viel Drill, Züchtigung und schlimmeres erspart geblieben, was ich jetzt nicht mal denken möchte.

 

Dann schrieb unser Junge mit gestützter Kommunikation am Computer. Er gestaltete sog. Kommunikationsordner. Gebärde, Wort und Bild zu diversen Begriffen standen auf laminierten Blättern. Ich beschriftete alles in Blindenschrift. 

 

Um 2008 wollte er mit aller Macht sprechen lernen und bekam Logopädie. Mit drei Autisten in einer Klasse erlebten wir 2012 eine große Krise. Er war aggressiv, sollte zum Jugendpsychiater und medikamentiert werden. Zu meinem Hausarzt mit viel Menschenkenntnis und Verstand ließ ich mich breitschlagen. „Was, drei Autisten in einer Klasse? Die schaukeln sich doch gegenseitig auf“, stellte mein weiser Hausarzt fest.

 

Seit dem darauf folgenden Schuljahr 2012/13 geht er in eine Außenklasse. Die Außenklassen sind an ein normales Schulzentrum angeschlossen und es laufen zwischen den Schularten Projekte. Unterrichtet wird er aber hauptsächlich dort im eigenen Gebäude. Was soll ich sagen! Es läuft super, er möchte dort nicht mehr weg. Er ist verständig, man kann Rutinen ändern, wenn man ihm vorher alles erklärt, er ist für seine Verhältnisse sehr sozial.

 

Behördenkämpfe gibt es ständig, auch mit dem Arbeitgeber meines Mannes haben wir ein großes Problem. Ich kann nicht selber Auto fahren und wo immer möglich, bekomme ich Steine zwischen die Beine geworfen. So brauche ich ggf. für Dinge, die wir mit dem Auto an einem Tag erledigen könnten, wenn es um die Schule geht, mit den Öffentlichen, dem Taxi  und alleine zwei Tage. Was sagt mein Vorgesetzter? Er hat Verständnis und ich kann Urlaub nehmen.

17.1.15 16:29

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