schwedenlady

Deutsch/svensk Blog mit vielen verschiedenen Tönen - med många olika toner.
 
 

Archiv

Endlich wieder ein richtiger Sommer

Schon in Schweden war es hochsommerlich, parallel dazu auch in Deutschland.
Ein besonders langer Plauderabend am Dienstag, dem 21.07.2015 im Pool ist mir in Erinnerung.

Am 22. Juli 2015 fand ein Presseessen statt:
16.00 Uhr, Feierabend, bis 16.45 Uhr im angenehmen Pool sitzen, dann stylen. Das Essen selber untermalte der Sommer mit brüllenden Donnerschlägen und Starkregen. Die heißen Straßen dampften auf dem Rückweg.

Nach diesem Paukenschlag machte der Sommer elf Tage Pause. Die Temperaturen fielen gleich unter 20 Grad C. Dazwischen kam unser Fläuschchen heim und war begeistert von einem Erdbeerpie ohne Ei.
Danke A.M. für dieses schwedische und einfache Rezept, bestehend aus Mehl, Zucker, Vanillezucker, Butter/Margarine, 1 Prise Salz, Backpulver und natürlich Erdbeeren. Die Zutaten für den Teig hat jeder daheim und so ist der Pie schnell gemacht.
Schlagsahne darauf krönt den Kuchen.

Am Montag, dem 3. August, kehrte der Sommer endlich mit aller Macht wieder zurück. Wie ein Leuchtstern strahlte und motivierte den ganzen Arbeitstag während der Woche der Feierabend, mit Urlaubsgefühl im Pool und auf der Terrasse.

Am Freitag, dem 7. August, kam K. zu Besuch. Wir hatten ihr, dem großen Elch-Fan, ein entsprechendes Stofftier mitgebracht, es hat uns in Sigtuna in einem Geschäft angesprochen und eindeutig verkündet, zu K. zu wollen.
K. hatte Eis dabei, ich kalten Kaffee gemacht und so setzten wir uns in den Pool. Ihre mitgebrachten Becher einer amerikanischen Kaffeekette aus Kunststoff mit Kristallmotiv, mit dichtendem Deckel, die Getränke bleiben wahlweise kalt oder warm, schenkte sie uns! Danke, liebe K.!
Wir genossen den Eiskaffee in unseren „Pokalen“ und verbrachten über zwei Stunden plaudernd im 25 Grad warmen Nass. Die Sonne beschien unsere Gesichter bei 36 Grad C.
Der flauschigste Ehemann kam von der Arbeit, der Pool war inzwischen bei 27 Grad.

Samstag, 8. August.
Der Pool schaffte noch ein Grad mehr. Wir tranken Café Frappé aus den Pokalen, der flauschigste Ehemann von allen war begeistert! Ich auch. Es ist wie in Urlaubsparadiesen, aber nur, wenn man zufällig mal nicht arbeiten muss. Herrlich!

So 09.08.2015
Wieder war es sehr lustig, unser erweitertes Nachbarschaftsgrillfest. Wir haben uns scheckig gelacht und die kleine Svea hat unseren Pool ausprobiert und die ersten Schwimmübungen unter Aufsicht ihres Patenonkels plus des flauschigsten Ehemannes von allen gemacht. Die drei hatten hörbar viel Spaß. So klein, um einfach über den Zaun in den Pool gehoben zu werden, waren wir auch mal.

10.8.15 06:25, kommentieren

Ausflüge mit Sohnemann

Mi 12.08.2015
Der flauschigste Ehemann von allen fuhr mich zu des Fläuschchens Gruppe und startete nach einem Kaffee, er musste am Donnerstag arbeiten. Wir plauderten und das Fläuschchen kam darauf, nach Konstanz zum Pizzaessen zu wollen. Also fuhren wir mit dem Taxi nach Friedrichshafen und bekamen auch gleich einen Katamaran nach Konstanz. Dort hörten wir ein herrliches Glockenspiel, evtl. vom Münster. Wir liefen durch die Fußgängerzone, Sohnemann wollte ein Eis und sich dabei setzen. Es war schwierig, den mit Menschen verstopften Eingang zur Sitzgruppe zu finden, die Schlangen standen vor dem Straßenverkauf. Dann suchten wir eine Pizzeria und unser Junge  fand keine, also durchfragen.
Im Casablanca kann man sehr gut italienisch essen. Wir bekamen auch gleich wieder den Katamaran nach Friedrichshafen.
Hätte ich doch nicht auf einen sehr klugen Herrn gehört, der meinte, zum Anleger würde kein Taxi kommen. Er schickte uns zum Busbahnhof und der war beim Zeppelinmuseum. Prompt fand uns das Taxi just eben nicht und ein anderer Herr half mit Kontakt zur Taxizentrale über mein Iphone weiter. Endlich klappte es. Sohnemann navigierte uns auf dem Schulgelände zur Gruppe und ich fuhr noch zu meiner Unterkunft weiter. Dort hörte ich die ganze Nacht bei offenem Fenster den wundervoll rauschenden Bach. Am liebsten würde ich einfach mal einige Nächte zum Schlafen dort übernachten.

Do 13.08.2015
Das Taxi holte erst mich, dann das Fläuschchen und wir fuhren in die Kreisstadt. Die Fahrt nach Stuttgart lief problemlos. Dann rief ich auf Gleis 12 ein Taxi an. Das kam und kam nicht, Sohnemann wurde nervös und spulte die Stereotypen „Bunte Schule, Tür knallen, Aufzug kaputt, repariert“ und einiges mehr über die bunte Schule in Schleife ab. Ich rief erneut an und dann klappte es. Ich hätte runter kommen sollen, wohin, bei dem Baustellenbahnhof? Einfach runter. Aja. Ob mein Mann sehen würde, fragte der Taxifahrer und es gäbe ja eine Bahnhofsmission, die solle ich doch anrufen. Tja, ist schon fürchterlich mit diesen Behinderten, die es wagen, die Unverfrorenheit zu besitzen, Ausflüge allein zu machen.
Dann erlebte ich eine positive Überraschung:
Wir durften kostenlos in die Wilhelma, das gesamte Personal, wen wir auch trafen, war zuvorkommend und sehr freundlich. Ich finde das gut, weil wir ohne Begleitung nur die Hälfte mitbekommen: Ich sehe nicht, an welchen Pflanzen sowie Tieren wir vorbeikommen und kann unserem Sohn deshalb kaum etwas erklären. Es sei denn, ich kann zufällig ein Tier am Klang oder Geruch identifizieren.
Unser Junge ist sehr aufmerksam: Im Gewächshaus beispielsweise: „Treppe nass, rutscht.“ Im Selbstbedienungsrestaurant half uns der nette Mann an der Kasse mit des Fläuschchens Tablett. Sohnemann wollte Pommes Frites und eine Cola, ich trank ein Mineralwasser. Nach dem Essen meinte er „Aufräumen“ und räumte selbständig das Tablett weg.
Bei den Pinguinen blieb er etwas länger stehen und eine nette Dame machte mit meinem Handy Fotos.

 

Bild Sohnemann und Pinguine, hier klicken.

Ansonsten rauschte er durch die Wilhelma. Krokodile sind zwar auch spannend, schöner waren aber wohl die Brillenpinguine.
Ein Pinguin als Stofftier und eine sehr gut gemachte DVD über die Wilhelma wollten mitgenommen werden.

Sohnemann wollte U-Bahn fahren, wir landeten aber in einer Straße/Baustelle. „Gefährlich“, meinte er. Ich darauf. „Warum gehst du dann dort hin, wenn es gefährlich ist? Wir gehen jetzt an die Seite, so, und dann zurück zur Wilhelma.“
Dort fragte ich jemanden beim Ausgang um Hilfe und ich vermute, unser Sohn traute sich vorher einfach nicht, die Geleise am Übergang zu queren. Was eine nette Dame mit uns tat. Das Fläuschchen wollte wohl einen anderen Weg suchen.
Ich befragte an der Haltestelle das schlaue IPhone und fand eine frühere Direktverbindung als alle von mir geplanten.

Haltestelle Stuttgart Hauptbahnhof:
Am U-Bahnhof ging das Fläuschchen zum falschen Fahrstuhl, der führte nach unten zur S-Bahn.
„Falsch“, meinte er.
„Was immer wir jetzt auch machen, lass uns erst mal nach oben und auf jeden Fall an Höhe gewinnen“, meinte ich. Das tat er.
„So, jetzt sind wir Stufen nach oben gegangen, jetzt such‘ mal den Hauptbahnhof, den, wo wir heute Mittag waren.“
„Deutsche Bahn“, meinte er und lief los.
„Wir brauchen Gleis 16“, sagte ich. Zwar fragte ich noch jemanden, unser Junge hatte aber bereits den richtigen Weg gewählt.
Das nächste Mal schenke ich mir das Taxi zur Wilhelma und fahre gleich U-Bahn. Unser großer Junge dürfte sich jetzt auskennen. Und, dass wir die 14er brauchen, weiß ich ja. Das war viel entspannter, als die ganze Aufregung mit dem Taxi.
In der großen Stadt in unserer Nähe holte uns das flauschigste Familienoberhaupt ab.
Insgesamt gesehen ist es mit dem Fläuschchen allein stressfreier, als mit der Hilfe durch fremde Personen. Das mit den Taxis in Stuttgart und Friedrichshafen ist noch verbesserungsbedürftig. Vor allem das Taxi in Stuttgart will ich uns beim nächsten, ansonsten sehr schönen Ausflug, wirklich ersparen. Lieber fahre ich mit unserem Orientierungsgenie U-Bahn.

Am nächsten Tag sahen wir die beiden Wilhelmafilme  auf der DVD und waren am Abend chinesisch essen. Das Fläuschchen zeichnete geometrische Figuren mit dem Programm Paint und schaute sich im Internet viel zur Wilhelma an.

Am Tag darauf fuhr Papa mit Sohnemann die U-Bahnrunde.

Dank:
Mein Dank gilt allen, die uns so nett geholfen haben!
Der netten Dame in Konstanz, welche uns zur Pizzeria brachte, dem netten jungen Mann, der in Friedrichshafen mit der Taxizentrale telefonierte, um uns zusammenzubringen.
Ich danke den netten Taxifahrern und dem absolut zuvorkommenden Personal im Restaurant Casablanca und der Wilhelma, der netten Dame, die Pinguinbilder gemacht hat und der Dame, welche uns sicher zur U-Bahnhaltestelle brachte. Falls ich noch jemanden vergessen habe, tut es mir Leid, auch gilt mein Dank natürlich Ihnen.

15.8.15 19:01, kommentieren

Globalisierung

Dies wird ein sehr emotionaler Blogeintrag, dafür möchte ich mich im Voraus entschuldigen. Mein angeblich gutes Deutsch und die mir zugeschriebenen guten Formulierungen werden leiden.

In einem Café in Schweden sagte ich:
„Bei der Globalisierung wurde vor allem die Armut globalisiert.“

Ich erzählte vom Kinderbuch: „Die grauen und die grünen Felder“, welches wahre Geschichten enthielt. Aus unseren Ländern, aber, vor allem aus Südamerika und Afrika. Diese haben mich sehr beeindruckt, weil dort der Unterschied zwischen Armut und Reichtum an Beispielen von uns Kindern erlebbar wurde, wir waren schließlich Kinder. Das Buch habe ich Ende der 70er gelesen, zeitgleich lief es im Kinderfunk.
„Iss alles auf, denke an die armen Kinder in den armen Ländern“, so immer eine Erzieherin im Internat.

Was hat es geholfen? Was haben unzählige Spenden und Einkäufe in den speziellen Läden denn gebracht?
Mich überkam im Café die Wut.
Nichts. Die gleichen Länder leiden immer noch unter Armut, wie vor 35 Jahren. Dabei ist doch so viel Geld in Entwicklungshilfe gepumpt worden. Oder, ist es versickert?

Im Gegenteil! Es ist schlimmer geworden!
Zumindest mir sind vor 35 Jahren keine Bettler in diesem Maße selbst in unseren Städten in Deutschland aufgefallen. Ich bin so wütend! Die Armut wächst.

In Schweden nimmt auch die Anzahl der Bettler zu. Gerade, weil ich immer wieder die gleichen Orte besuche, fällt es mir auf. Ich komme ein oder zwei Mal im Jahr – und die Zahl der Bettler steigt. Gerade, weil ich das Schleichende darin nicht merke, sondern sozusagen in die neue Situation regelrecht hineingeworfen werde, ist es für mich greifbar:
Die Akkordeonspieler wechseln sich in Schichten am Bahnhof in Uppsala ab, 2001 war keiner, vor drei Jahren eine Frau dort.
Es gab auch noch keine Bettlerin vor der ICA, einem Supermarkt,  in Sävja, dieses Jahr schon.

In Karlstad wurden wir mit „Hej“ und einer unverständlichen Litanei bei der Touristeninformation zum ersten Mal angebettelt, in Göteborg wurden wir in einem Einkaufszentrum durch jemanden zielgerichtet verfolgt, der meinen Mann bestehlen wollte. Der Möchtegern-Dieb schielte und zielte mit Blicken auf die Hosentasche meines Mannes. Mein Mann sah ihm fest in die Augen, er verschwand dann.

Was mich wütend macht, ist die bandenmäßige Organisation der Bettler. Die Leute müssen das Erbettelte abgeben. Wir haben der Frau vor dem Supermarkt Lebensmittel und vor allem Mineralwasser gekauft, es war ein heißer Tag.

Zwar hilft Plan International, wir haben die zweite Patenschaft für ein Kind, aber, ich weiß nicht, was wir als ganz normale Menschen und Durchschnittsverdiener gegen die Armut tun können.

Auch in Schweden haben Leute den Müll nach Pfandflaschen durchsucht, hier sowieso. Hier nimmt die Müllwühlerei auch zu. Ja, man soll das Kind mal ruhig beim Namen nennen.
Die Besucheranzahl der Tafeln in Deutschland wächst. Ich finde das bedrückend. Gleichzeitig steigen die Aktienkurse ins Unermessliche und die halbe Welt muss mit Waffen versorgt werden. Die Zahl der so produzierten Verlierer wächst.

1 Kommentar 16.8.15 03:55, kommentieren