schwedenlady

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Brief von Kai

Hallo,

liebe Leserin, lieber Leser, darf ich mich Dir vorstellen?
Ich bin Kai, der Kanarienvogel. Anfang Juli wurde ich in einer Wiese im hohen Gras ausgesetzt. Zusammen mit einem Wellensittich in einem ganz winzigen Haus, ohne Sitzmöglichkeit. Das Haus war halb so groß wie ein Ausstellungskäfig, sagte die Frau von dort, wo ganz viele ausgesetzte und gefundene Tiere aufgenommen werden.
Am Anfang hat es den ganzen Tag geregnet. Das Haus stand im Wasser und war unten voll gelaufen, wir konnten nirgendwo hin, der Wellensittich und ich.
Am nächsten Tag knallte die Sonne herunter und es waren dreißig grad C. draußen. Ein vierbeiniges, bellendes Tier hat uns entdeckt und so lange gebellt, bis Menschen kamen.

Die haben uns dann ins Tierheim gebracht. Wir waren fix und fertig.
Kurz danach hat eine Frau das Tierheim angeschrieben, deren Vogel weggeflogen war. Sie fragte, ob er gefunden wäre und man solle ihr Nachricht geben. Nein, ihr Vogel war nicht gefunden, aber ich.
Mein Wellensittichfreund hat im Tierheim gleich Anschluss zu einem anderen Wellensittich gefunden. Die beiden werden mitgenommen, wenn ich auch eine Wohnstatt habe.
Jetzt hatte aber die Frau mit dem weggeflogenen Vogel keinen Vogelpalast. Den alten Palast hatte sie weggeräumt, weil der nicht mehr schön war und eine Türe nicht mehr schloss. Deshalb war ja auch ihr Vogel weggeflogen. In einem normal großen  Vogelhaus wollte sie mich nicht haben. Da würde ich nur hin und her hüpfen, regelmäßig, wie eine tickende Uhr. Das sei nicht gut für mich und für sie auch nicht.

Jetzt kam endlich der große Palast, aber, dann war noch eine Hochzeit in H. und sie wollte mich erst haben, wenn sie wieder hier sei, um mich zu beobachten. Als ob ich das bräuchte.
Mich wollte wirklich keiner haben. Die Frau zuerst auch nicht. Sie wollte Timbrados. Aber, ich tat ihr so leid, so unendlich leid. Jetzt hat sie für September ausgemacht, dass Timbrados doch kommen. Sie sagt, das sind Leute wie ich. Sie haben den Naturgesang von uns und werden erst seit den 1940ern in Spanien gezüchtet. Die sollen richtig schön singen. Wenn Harzer Roller die Bässe unter uns sind, seien Timbrados die Tenöre. Wer züchtet schon das, was vor der Haustüre ist? In Deutschland gibt es 50 Menschen, die Leute von uns züchten. Zu einem hat sie Kontakt. Wenn er aus dem Urlaub kommt, bringt sie Gesellschaft für mich mit.

Der Tierarzt sagt, ich sei ein Männchen. Im Tierheim war allerdings unten in dem großen Zimmer ein Kaninchen. Dem habe ich Fell wegnehmen wollen. Dann bin ich ein Weibchen, sagt die langhaarige Frau, weil ich ein Nest bauen möchte. Es können aber auch die Wellensittiche gewesen sein, die dem Kaninchen Fell wegnehmen wollten, meinte die Frau vom Tierheim. Ob ich die Kugeln, die das Kaninchen hinterlässt angepickt hätte, fragte die langhaarige. Die Dame vom Tierheim sagt, nein. Ich sage gar nichts. Das bleibt mein Geheimnis.

Jedenfalls hat sich die Langhaarige Sorgen gemacht, weil ich am ersten Abend, es war Dienstag, 15. August 2017,  nichts gegessen habe. Sie hat überlegt und mir dann so eine Stange reingehängt. Mit herrlich gutem Futter. Sie vermutet, das kenne ich von Früher her. Sie kauft diese Voll-Ei-Kräcker nur ganz selten, weil sie nicht gesund sind, sagt die Langfedrige. Was weiß die schon.
Vor dem neuen Palast, den ich habe, erschien, kaum war ich drinnen,   ein freundlicher Mann mit schöner Stimme, der lachte mich an und sprach mit mir. Ich schaute beide mit kugelrunden Augen an. Er nannte mich Kai und gab mir so meinen neuen Namen. Der Name sei für Männer und Frauen gleichermaßen, informierte der nette Mann mich. Ich mag diesen Namen.
Die beiden nehmen sich immer in die Flügel und schnäbeln. Sie mögen mich. Ich glaube, hier kann ich bleiben.
Sie sagen beide:
„Herzlich Willkommen! Du  musst nie mehr ausziehen und darfst hier alt werden.“ Wie alt ich eigentlich bin, verrate ich nicht.

Ich lebe mich langsam ein und muss auch wieder weiter fliegen.

Einen schönen Tag noch,

es grüßt fedrig,

Kai

 

1 Kommentar 22.9.17 04:54, kommentieren

Kann eine Blinde eine echte Lady sein? Erster Teil

Diese Frage versuche ich subjektiv zu beantworten. Ich selber kann nur noch den Unterschied von Tag und Nacht wahrnehmen. Als Betroffene möchte ich mich diesem Thema nach fünf Jahren bewusster Verfeinerungsarbeit annähern.

Im ersten Teil geht es darum, was eine echte Lady überhaupt ist.
Der zweite Teil befasst sich mit dem ganzheitlichen Erscheinungsbild der Lady und gibt der blinden Leserin kleine Hilfestellungen an die Hand.
Im dritten Teil werden Fallstricke erwähnt und wie diese umgangen werden können.
Der vierte und letzte Teil behandelt, was blinden Ladys schon mitgegeben sein dürfte und somit weniger hart erarbeitet werden muss.

Was macht eine echte Dame aus? Dies ist schwer zu greifen. Hier einige Denkanstöße, welche mich auf meinem Weg begleitet haben:

Marks of an Accomplished Lady - elegantwoman.org, click here. Die zehn Lady-Regeln | Lady-Blog, hier klicken.

Von welchen Autorinnen die "Ladysünden" sind, konnte ich nicht mehr recherchieren. Hier ist dieser Abschnitt ohne Quellenangabe:Was eine Lady nicht macht:
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Lästern
Eine Lady spricht "nie" schlecht über Menschen ... auch nicht, wenn diese nicht anwesend sind. Eine Lady verhält sich immer fair, ehrlich und zuvorkommend.

Auslachen
Eine Lady lacht prinzipiell "nie" über andere Menschen. Jeder Mensch kann selbst in eine dumme Situation geraten und Gefahr laufen, ausgelacht zu werden.
Alkohol
Eine Lady ist in der Öffentlichkeit "nie" betrunken, da sie weiß, dass ein Mensch in der Öffentlichkeit mindestens von sieben anderen Menschen beobachtet wird. Ein kleiner Ladyschwipps ist allerdings jeder Frau gestattet.

Essen
Eine Lady spricht oder lacht nie mit vollem Mund. Eine echte Lady schöpft bei einem Apéro oder Buffet prinzipiell nie zu viel auf ihren Teller.

Flirten:
Eine Lady lässt sich "nie" billig und stillos von einem Mann ansprechen. Eine Lady bestraft ihn eher mit stiller, aber sehr gezielter Ignoranz.

Egozentrik und Narzissmus
Eine Lady möchte nie im Mittelpunkt einer Gesellschaft stehen und nur durch ihren kurzen Minirock oder ihre offene Bluse auffallen. 

Diskretion
Eine Lady hat die gleichen moralischen Pflichten wie ein Gentleman. Eine echte Lady würde nie ihre Sex- und Liebes-Beziehungen oder ihr Flirtleben an fremde Menschen ausplappern ... sie geniesst und schweigt!

Altlasten
Eine Lady trägt keinen durchsichtigen und vollen Rucksack mit irgendwelchen Altlasten von ihren Exmännern oder negativen Erlebnissen mit sich herum. 

Verlässlichkeit
Eine Lady hält "immer" ihre Versprechen oder vereinbarten Termine pünktlich und korrekt ein!

Dankbarkeit
Eine Lady bedankt sich lieber zweimal zu viel, als einmal zu wenig.
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 Checkliste über die Basisgarderobe der Lady, Lady-blog, hier klicken. Anmerkung zur Checkliste: Eine Vollblinde Dame wird nicht unbedingt eine Hand mit Stock oder Hundeleine und die andere mit einem Schirm belegen wollen. Regenmäntel sind eine gute Alternative. Ich breche mir mittlerweile auch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich eine Regenhose trage und sie dann in einem Rucksäckchen verstaue, wenn ich wirklich durch einen Platzregen gehen muss. Ab den Waden durchnässt zu sein, ist kein Vergnügen.

Eine blinde Lady braucht unbedingt Rückgrat und Selbstbewusstsein. Für jede wird es Schwierigkeiten geben und Abstriche, die sie machen muss, aber es gibt auch Dinge, die automatisch schon vorhanden sind, ohne, dass sich die blinde Lady darüber noch Gedanken zu machen braucht. Mehr darüber in den folgenden Abschnitten.

1.9.17 13:00, kommentieren

Kann eine Blinde eine echte Lady sein? Zweiter Teil

Wer von sich kann behaupten, eine vollkommene Dame zu sein? Dieser gratuliere ich mit sehr großer Anerkennung, höchstem Respekt und ehrlicher, tiefer Bewunderung.
Ich arbeite noch daran, denn ich war früher oft zu ungeduldig und ertappe mich heute noch beim Lästern über andere mit Freundinnen, eigentlich ein absoluter Verstoß gegen das Benehmen einer wirklichen Dame.

Was ich damit ausdrücken möchte: Eine Lady sein - immer und über all, 365 Tage im Jahr, ist eine Lebensaufgabe, welche nebenbei, im Alltag, mit Freude angenommen werden will.
Meiner Meinung nach ist es ehrwürdiger, die inneren Werte einer kultivierten und gebildeten Dame zu vervollkommnen als teure Markenkleider zu tragen. Mich hat erschreckt, was da manchmal an Respektlosigkeiten, Vorurteilen und Pauschalisierungen aus Mündern und Fingern der Damen floss, die von vielen als Ladys angesehen werden und auch so wohnen und leben.
An sich selber ständig zu arbeiten, seine Antennen auf andere Personen jederzeit so auszurichten, damit jeder in der Umgebung sich wie eine Königin oder ein König fühlen kann, ist eine sehr große Herausforderung. Auch der Paketbote soll spüren, er wird wertgeschätzt und selbst dieser kurze Besuch soll bei ihm einen guten Eindruck hinterlassen, also ein Lichtblick in seinem stressigen Tagesablauf sein.

Daneben erscheint das Organisieren der Lady-Garderobe als ein Kinderspiel. Selbst, wenn man dazu eine Begleitperson finden muss. Das ist in 99 % aller Fälle nötig. Es sei denn, man kennt die Modedesignerin. Sie will nicht, dass man in schlechter Garderobe, die nur einfach verkauft werden wollte, ihren Ruf ruiniert. Die Begleitperson muss jemand sein, der man vertrauen kann und die ein wirkliches Interesse an der Sache hat. Auch ist es vorteilhaft, mit Verkäuferinnen Termine abzusprechen. Wann sind mehrere im Laden und eine einzige kann sich ganz der blinden Kundin widmen?
Ob sich Stoffe gut anfühlen, kann man ertasten. Ob Kleidungsstücke gut passen, kann man in den meisten Fällen erspüren. Man muss sich nur darin bewegen, bücken, strecken und sitzen.

Ich erwarte von den Verkäuferinnen beim abschließenden Urteil über ein Kleidungsstück Ehrlichkeit, das kommuniziere ich auch. Es zahlt sich für die Geschäfte eher aus, mich gut zu beraten, als kurzfristigen Verkaufserfolg zu erzielen. Als zufriedene Kundin komme ich schließlich immer wieder.
In dieser Hinsicht bin ich gesegnet, mein Mann hat guten Geschmack und viel Geduld. Er möchte schließlich selber eine schöne Frau neben sich sehen. Als Blinde ist es nicht leicht, sich die Lady-Garderobe zu beschaffen, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. Ich möchte alle blinden Damen dazu ermutigen:
Es dauert wahrscheinlich länger, alles zu haben, was benötigt wird, hat man die Dinge aber, weiß man, wo man immer wieder Ersatz bekommt. Zu stures und dickköpfiges Suchen bringt oft wenig. Urplötzlich "finden" mich die Dinge, nach denen ich ewig gesucht habe oder ganz andere, die "einfach so" auftauchen. Öffnen sich die Antennen, um als Dame durchs Leben zu gehen, kommen auch unerwartete Einkäufe vor.
Eine Dame ist man nicht erst mit dem kompletten Erwerb der Ladygarderobe, es ist eine Sache der Ausstrahlung.

Kleine Hilfen:
Hänge zusammenpassende Outfits auf einen Bügel, oder nebeneinander.

Sortiere Dein Makeup in dünne Plastiktütchen ein. Zum Beispiel: Das Makeup für den Alltag, das Makeup für den Silberschmuck und am Abend, das Makeup zu Goldschmuck und am Abend, das Makeup für dieses und jenes Outfit.
 
Erstelle eine Datei: Beschreibe das Kleidungsstück, auch gerne mit eigenen Worten (die weiße, steife Bluse mit dem Monogramm) und schreibe die Pflegehinweise dazu.

Erstelle in einer Datei ganze Outfits:
Passende Oberbekleidung, evtl. passendes für darunter, dazu passende Strumpfhose und Schuhe. Dann noch die dazugehörigen Accessoires, Schmuck, Haarband, die Gestaltung der Frisur und das Makeup und evtl. den Nagellack. Beschreibe die Beschaffenheit des Lippenstiftes beispielsweise sehr genau. Der Lippenstift aus Metall, oben etwas abgeschrägt usw. Dies ermöglicht Dir auch noch nach einem Jahr, dieses Outfit gleich in seiner Vollkommenheit kombinieren zu können.
Gib Variationsmöglichkeiten an.
Je genauer und fröhlicher Du schreibst, umso schöner ist es, just dieses Outfit wieder auszuwählen.

Steht ein für Dich wichtiges Ereignis an, nimm die Oberbekleidung ggf. zum Ansehen ins Nagelstudio und zur Kosmetikerin mit oder lasse Dir von einer Freundin helfen.

Wenn Du für ein Outfit spontanes Lob erfährst, notiere das Outfit so detailgetreu wie möglich in dieser Datei. Schon hast Du auf die Schnelle eine Kombinationsmöglichkeit mehr an der Hand und musst nicht lange überlegen.

Wenn Du magst, notiere auch Kombinationen, die weniger gut angekommen sind. Ich merke mir diese von Haus aus schon und konzentriere mich auf die positiven Beispiele. Das ist schöner. eine Lady sein muss schließlich Spaß machen.

Hast Du gefärbte Haare, frage immer jemanden, der einen Blick dafür hat, ob Farbe und Schnitt noch in Ordnung sind. Du kannst auch regelmäßig alle sechs Wochen zum Friseur gehen. Den Schnitt kannst Du ertasten. Du erspürst selber die Haare und deren Beschaffenheit. Wenn nicht, Du wirst das Gefühl dafür entwickeln. Deine Lady-Antennen wachsen in die Tiefe.
Taste dazu vor einem perfekten Tag, wenn Du wie aus dem Ei gepellt bist oder wurdest, Dich selber vorsichtig ab und präge Dir alles genau ein. So entwickelst Du dieses Empfinden. Deine Finger sind Deine Augen, Deine Hände und Dein Gedächtnis sind der Spiegel. Du wirst Dich ganz neu begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt allerdings auch Fallstricke, denen kannst Du abhelfen. Es passieren aber auch Dinge, die muss eine Dame gegebenenfalls hinnehmen, darüber stehen, die virtuelle Krone zurechtrücken und weitermachen. Außerdem verfügt die blinde Lady oft über Dinge, welche sie nicht erst mühsam erwerben muss. Hier kann sie völlig in sich selber ruhen und auf ihre Begabungen sowie Fertigkeiten vertrauen.

1.9.17 12:45, kommentieren

Kann eine Blinde eine echte Lady sein? Dritter Teil

Wie heißt es doch so schön im Lied "Banküberfall" der Musikgruppe "Erste allgemeine Verunsicherung:
"Das Böse ist immer und überall." Und deshalb lauern auch just dort Fallstricke für die blinde Lady.

Setzen wir voraus, dass Wohnung und Lebensumfeld geschmackvoll und gepflegt sind, wenn hier Unsicherheiten bestehen, muss man sich Hilfe suchen.
Werden Gäste erwartet, lässt man sich gegebenenfalls helfen. Beim geraden Aufziehen der Tischdecke, beim Platzieren von Speisen und Getränken auf dem eingedeckten Tisch. Das gilt besonders, wenn der Tisch voll besetzt ist.
Neulich erst habe ich spontan entschlossen an einem großen Tisch für eine Freundin doch eine Tischdecke aufzulegen. Ich lief um den großen Terrassentisch, setzte mich an jeden Platz, zupfte an der Tischdecke, kämpfte mit Windböen - trotzdem war sie schief platziert.
Wahrscheinlich wäre das meiner Freundin nicht mal aufgefallen, hätte ich sie nicht darauf angesprochen. Wenn man jedoch immer alles perfekt machen will, prägt sich dies bis in die Fingerspitzen ein.
Dafür habe ich allerdings meinen Esszimmertisch im Gedächtnis dermaßen verinnerlicht, dass hier wenig "schief" geht. Immerhin sind wir mit 29 Jahren schon ein "altes Ehepaar".
Gemütlich wird es bei mir in der Küche, der Tisch ist rund und ich habe den Kampf mit Decken aufgegeben. Ein schräg darüber platzierter Tischläufer tut es für mich. Habe ich schwedisch gekocht, platziere ich zwei breite blaugelbe Bänder aus Schweden, die ich gleich lang zugeschnitten habe, kreuzweise über dem Tisch und stelle eine Schwedenfahne in die Mitte, die das Kreuz an seinem Platz hält. Außerdem können die Gedecke auch helfen, die Bänder zu fixieren. Unter den Tellern ist kein Entwischen für das Band möglich.
Ganz nebenbei: Wie schneidet eine Blinde gleichlange Bänder? Durch Aufeinanderlegen. Da fühlt man dann schon, welches länger ist.
In die Küche dürfen bei mir nur liebste Freunde, die schon zur "Familie" gehören. Alle anderen erhalten den "königlichen Status" im Ess- und Wohnzimmer, sowie auf der Terrasse.

Fallstricke lauern auch im Restaurant. Hier sollte man die Speisen wählen, welche man ästhetisch essen kann. Ist die Auswahl vorgegeben, probiert man und ist abzusehen, es könnte schief gehen, lässt man es lieber bleiben und die Speise stehen.
Es ist hilfreich bei Geschäftsessen jemanden mit am Tisch zu haben, der einen dezenten Hinweis geben kann, droht etwas vom Teller zu fallen. Ein gemurmeltes "auf zwölf Uhr", ist für mich Hinweis genug, etwas möchte sich am oberen Tellerrand still und heimlich davon machen.

Wie trägt eine blinde Lady eine Clutch, ein Glas und schüttelt gleichzeitig Hände? Gibt es keine Möglichkeit, das Glas abzustellen oder die Clutch umzuhängen, lässt man es sich nicht ganz voll füllen. So kann man das Glas vorsichtig in der Hand halten, die Clutch unter einen der Arme klemmen, und dann die Hand reichen. Ich bevorzuge für die Clutch den Arm mit dem Sektglas. Das Glas kann ich einschätzen, allerdings nicht, wie kräftig mir jemand die Hand schüttelt. Im Eifer des Abends sollte auch geprüft werden, ob das Glas gerade gehalten wird. Dies macht man am Besten mit der anderen Hand am oberen Rand oder man fragt dezent jemanden, den man kennt und der einem wohlgesonnen ist.

Sicherlich gibt es noch wesentlich mehr Fußangeln und Stolpersteine, mir fallen im Augenblick aber keine weiteren ein.

Ein Wort möchte ich noch zum Umgang mit dem Blindenstock äußern:
Der rücksichtsvolle Umgang damit gegenüber Passanten und ein angemessenes Tempo zeichnen die Lady aus. Ich versuche, die Zeit so zu kalkulieren, dass auch eine Verspätung beim Umsteigen keine Probleme bereitet. Heute tut es mir nicht mehr weh, 45 Minuten auf einen Anschluss zu warten, wenn Hörbüchereien ihren Bestand zum Download bereithalten und die Auswahl an elektronischen Büchern schier unendlich ist.
Oft nehme ich von Haus aus ein Taxi, besonders auch bei schlechtem Wetter. Überhaupt dürfen wir ruhig schätzen, von Gentlemen umgeben zu sein. In Parkhäusern und auf Parkplätzen öffne ich nie die Türe, ohne einen Hinweis zu bekommen, dies gefahrlos tun zu können. Die Benimmregeln der alten Schule sind sowieso auf unserer Seite. Im letzten Teil berichte ich,  was uns schon mitgegeben sein dürfte und das Leben als Lady erleichtert.

1.9.17 12:38, kommentieren

Kann eine Blinde eine echte Lady sein? Vierter Teil

Ob uns jemand in fremder Umgebung die Türe öffnet (wir müssen den Griff nicht erst suchen) oder den Mantel von der Garderobe bringt, die Benimmregeln spielen uns in die Hände. Auch wir dürfen eine Türe aufhalten und zur Seite treten, um andere hindurch zu lassen. Dies tue ich allerdings nur, wenn ich die Umgebung genau kenne.

Außerdem dürfte es uns nicht schwer fallen, charmant zu sein. Schließlich müssen wir von Haus aus schon viele Dinge beschreiben. Beispielsweise, wenn wir jemandem erklären, wo wir etwas hingelegt haben oder wie ein Gegenstand beschaffen ist, welchen wir suchen. Blinde sind kommunikationsstark, das müssen wir uns nicht erarbeiten. Mit einer fundierten Allgemeinbildung als Hintergrund können wir in jeder Situation eloquente Gesprächspartner sein. Jetzt kann ich das große Aufatmen schon förmlich hören. Aber, der Reihe nach. Hier beziehe ich mich, um alles zu strukturieren, auf die schon im ersten Teil angesprochenen Marks of an Accomplished Lady - elegantwoman.org, click here. Zeichnen, Handarbeiten:
Es gibt viele Blinde, die gut häkeln, stricken, sticken, knüpfen, mit Speckstein arbeiten, das dürfte kein Problem sein. Ich kann gut mit sog. 8-Punkte-Braille arbeiten und gestalte so auch Kärtchen für Geschenke usw. Ob Schmetterlinge, Engel, Herzen, die 8-Punkte-Braille regt förmlich zum Experimentieren an.
Wenn man als Blinde nicht malen kann, dann hat man zumindest Kenntnisse über die kultur- und kunstgeschichtlichen Epochen und kennt deren Vertreter und Werke. Es gibt Reliefbücher, beispielsweise über den Kölner Dom. Hier kann man auch die Strukturen der Fenster betasten und eine CD mit vielen Informationen liegt bei.

Musik, singen:
Viele Blinde spielen ein Instrument und singen im Chor.
Es lässt sich leicht eine perfekte Gastgeberin oder ein gern gesehener Gast sein, wenn man die verschiedenen musikalischen Stilrichtungen beherrscht. Ich habe stets von meiner musikalischen Bildung profitiert.
Vom „Heideröslein“ bis „Yesterday“, von „Er weidet seine Herde“ und „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ aus dem Messias bis zum schwedischen Volkslied, für jede Gelegenheit und jeden Anlass findet sich das passende Musikstück.
Kenntnisse der Musikgeschichte, der die Epoche bestimmenden Komponisten und deren Werke runden diesen Bereich ab.

Tanzen:
Es gibt einige Blinde, die gut tanzen und sich damit beschäftigt haben. Ich behaupte, nicht gut tanzen zu können. Daran muss ich noch arbeiten. Mein Mann und ich sind ein eingespieltes Team. Zumindest habe ich einen Grundkurs besucht und die Standardtänze getanzt.

Sprachen:
Das erklärt sich selbst. Mein passiver französischer Wortschatz ist größer als mein aktiver. Dafür verfüge ich jedoch über umfassende Schwedischkenntnisse.

Das Gewisse Etwas im Gehen, den Bewegungen...:
Hier hilft das Gehen im stillen Kämmerlein mit einem Buch auf dem Kopf ungemein. Es ist eine sehr gute Übung und gut für die Haltung. Bitte, nehmt ein leichtes Schwarzschrift- kein Punktschriftbuch.
Ich möchte noch die Kenntnisse der Etikette und des Knigges anfügen.
Auch dies gehört zum „Gewissen Etwas“. Die Kenntnisse der Dresscodes, wie man mit welchen Speisen adäquat verfährt...
Hier hilft auch das Notieren der Kleidervorschriften der diversen Dresscodes weiter: „Black Tie“, „Casual Friday“, „Smart Casual“, „Come As You Are“, „Sommerlich Festlich“...
Es gibt viele Ratgeber zu den verschiedenen Figurtypen und zu den Dresscodes. So kann man sich auch hier Dateien erstellen. In der heutigen Zeit ist es einfacher geworden, die Dresscodes stilvoll umzusetzen.

Der Ton der Stimme:
Hier sind wir bei der Stimmkontrolle. Auch hier können wir uns die Stimmbildung zu Nutze machen. Es gibt viel Literatur darüber, wie welches stimmliche Verhalten wirkt. Eine Lady nimmt sich auch beim Sprechen Zeit, spricht deutlich, wählt ihre Worte wohl, nuschelt und lispelt nicht, arbeitet an Sprachfehlern.... Hier hilft die Kontrolle durch ein Aufnahmegerät.
Da ich viele Texte einspreche, im Urlaub spreche ich gerne ausformulierte Tageszusammenfassungen ein, dachte ich, meine Stimme sei perfekt.
Da mein Mann auch Aufzeichnungen der Atmosphäre am Urlaubsort macht, bin ich manchmal zu hören, ohne es vorher zu wissen. Ich selber habe bemerkt, dass meine Stimme manchmal drastisch nach unten abfällt, was nicht zur Schwedenlady passt, wie ich sie mir vor dem geistigen Auge erträume.
Wirkungsvoller ist es deshalb, sich aufnehmen zu lassen, ohne just in diesem Moment etwas davon zu ahnen. Bitte also jemanden, dich mitten im Alltagstrubel aufzunehmen. Du wirst überrascht sein, wie du wirkst. Deine Stimme ist Deine Stärke, Deine beste Freundin. Arbeite mit Freude mit ihr zusammen. Sie ist Dein ureigenstes Instrument, welches Du immer bei Dir trägst.

Art und Weise des Ausdrucks:
Hier treten Kommunikationsstärke und Belesenheit hervor. Die Größe des Wortschatzes ist das Fundament, die Sprache als Instrument zu benutzen und Worte wärmende Seidentücher werden zu lassen. Die Klaviatur der Sprache bietet vielfältige Möglichkeiten. Worte können auch scharfe Schwerter sein. Du bestimmst darüber, ob Du eine Lady, oder eine gut gekleidete Zicke bist.

Die substanzielle Veredelung der geistigen Fähigkeiten durch ausgiebiges Lesen.
Dazu zählt für mich Schönliteratur. Als Beispiele nenne ich Bronte, Fontane, Goethe, Schiller, Storm, E. T. A. Hoffmann, Jean Paul, Selma Lagerlöfs „Gösta Berling“ sowie die Lady der Ladys, Jane Austen.
Ohne tagespolitisch informiert zu sein, ist das alles jedoch nichts. Eine Dame muss sich auch im Hier und Jetzt auskennen und wissen, was in der Welt um sie herum geschieht. Ansonsten schwebt sie in einem Luftschloss, losgelöst in einer Scheinwelt. Schulfunksendungen können zum Auffrischen des Wissens eine gute Hilfe sein. Der Podcast von „Bayern 2 Radio Wissen“ ist eine wahre Fundgrube.
Es gibt viele Literatur- und Kultursendungen, nutzen wir sie.

Unterhaltend anwenden kann man übrigens sein Wissen beim Spiel Quiz Duell, welches auf dem Smartphone gespielt werden kann. Die App war für Blinde schon besser bedienbar, man kommt aber immer noch zurecht.
Wer gegen mich spielen möchte, mein Name dort ist Nyckelharpa.

Eine Lady, und dies steht nicht in der verlinkten Liste, sollte die Welt um sich herum besser machen.
Das reicht vom Lächeln über Mitgliedschaften in Clubs und Organisationen, bis zu Spenden für Projekte und Vereine.
Am Wichtigsten ist ein Erste-Hilfe-Kurs. Es ist erschreckend, dass nur 30 % der Bevölkerung jemanden reanimieren können. Auch das kann man als Blinde erlernen.
Besonders als Mutter sollte man einen Erste-Hilfe-Kurs für Kindernotfälle besucht haben. Ob Wespenstich oder vermeintliche Vergiftung, durch das vermittelte Wissen bewahrt man völlige Ruhe und beherzigt die Reihenfolge der Abläufe.
Eine Lady ist in jedem Fall eine ruhige Ersthelferin, welche gezielt auch andere in die Hilfe mit einbezieht, beispielsweise, um den Rettungsdienst zu kontaktieren.
Im Notfall Leben zu retten, ist die beste gute Tat, die eine Lady tun kann.

Zusammenfassend ist zu sagen: Es war für Blinde noch nie so leicht, sich über alles zu informieren. Das Internet bietet eine wahre Fundgrube an Ratschlägen. Ob für Mode, diverse Wikihows, oder in Foren. Man muss immer zur Sicherheit mehrere solcher Seiten besuchen und der gesunde Menschenverstand entscheidet letztlich, welche Ratschläge passend sind und welche eher nicht. Die Tugenden der Lady sind ihre Fähigkeiten, Ihr Fleiß und ihre Eleganz.

1.9.17 12:28, kommentieren